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Interview mit Timo Kaapke

Was Tauchen mit echtem Unternehmertum zu tun hat

Timo Kaapke ist Unternehmer, Taucher, Autor. In seinem neuen Buch „Frohes schaffen: Wie ich herausfand, was ein Unternehmer wirklich ist“ nimmt er Unternehmer mit auf einen Deep-Dive in eine Arbeitswelt, in der „Frohes schaffen“ kein Widerspruch in sich ist.

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Frohes Schaffen, Herr Kaapke! Apropos, was heißt denn das eigentlich?

Timo Kaapke: „Frohes Schaffen“ ist für mich immer eine Erinnerung daran, was mir wichtig im Leben ist, wichtig für mich als Mensch und als Unternehmer. Mein Motto, mein Wahlspruch – und auch ein wenig meine persönliche Geschichte.

Mir geht es als Mensch und als Unternehmer darum, Frohes zu erschaffen und froh etwas zu schaffen: Frohes schaffen – frohes Schaffen! Beide Aspekte sind wichtig, um mich als unternehmerischer Mensch zu spüren und auch unternehmerische Ergebnisse zu erzielen: für mich ist Erfolg = Erlebnis + Ergebnis.

Das WAS, das Ergebnis, die Zahlen, Fakten, Daten, ist sicherlich wichtig. Aber das WIE macht meinen Job als Unternehmer erst wirklich erfolgreich: „Frohes Schaffen“ erinnert mich somit immer an meinen eigenen Anspruch, als ein echter Unternehmer zu versuchen, eine Arbeitswelt zu gestalten, die für alle Beteiligten Sinn macht und auch Freude bringt.

Wie haben Sie denn entdeckt, dass Sie ein echter Unternehmer sind?

„Ich bin im falschen Film!“, dachte ich eines Tages. Ich hatte gemerkt – endlich – was ich an diesem Tag eigentlich tue: Nämlich ganz und gar nicht das, für das ich als Unternehmer angetreten bin.

Das war der Moment, in dem ich entdeckte, ich bin ein „echter Unternehmer“ – weil ich merkte, wie sehr es mir mit jeder Faser meiner selbst fehlte, als Unternehmer zu leben.

Das geschah natürlich nicht von heute auf morgen. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich realisierte, dass ich vor lauter operativem Tagesgeschäft das Gestalten meines Unternehmens vergaß. Kein Kopf, keine Zeit für nichts, was mich „froh schaffen“ ließ. Das war ein schleichender Prozess, der mich immer schwerer machte, mich runterzog, seelisch und körperlich. Eine Mischung aus Überlastung und Überforderung, eine sumpfige Soße, aus der ich zum Glück eines Tages wiederauftauchte – und mich endlich darauf besann, was meine Ursprungsmotivation war. Die Entdeckung meines echten Unternehmerseins war also mehr eine Wiederentdeckung eines versunkenen Schatzes in klarer See.

Was hat es denn mit der Tauchmetapher auf sich, die Sie so gerne verwenden?

Tauchen ist eines meiner liebsten Hobbys – und ich habe gemerkt, dass es mir sehr hilft, die Welt gewissermaßen durch „eine Taucherbrille“ zu sehen, mir mit Hilfe von Analogien zum Tauchen über unternehmerische Aspekte klarer zu werden.

Nehmen wir das „Tarieren“. Das ist der Idealzustand beim Tauchen und bedeutet, im Wasser zu schweben. Auftrieb und Abtrieb, Gewicht, Equipment, Bewegungen, Umgebung, Atmung sind in Einklang. Und ich weiß mittlerweile, wie ich diesen idealen Zustand beim Tauchen erreiche – und auch, wie ich mich als Mensch und Unternehmer austariere.

Das geht nur, wenn ich achtsam bin. Auf mich und meine Umgebung achte, darauf achte (ich denke hier immer an das berühmte Handzeichen beim Tauchen), ob alles okay ist.

Alles okay? Super. Ist etwas nicht okay, dann warte ich nicht, bis mir die Luft ausgeht. Ich ändere sofort etwas. Das lehrt das Tauchen – auch mich als Unternehmer. Ein Unternehmer, dem die Luft ausgeht, kann auf Dauer nicht erfolgreich sein – und auch seiner Verantwortung für Mitarbeitende und Kunden nicht gerecht werden.

Sie propagieren den Austausch und Dialog zwischen mittelständischen Unternehmern: Wozu sollten Unternehmer Ihrem Beispiel folgen? Was haben die davon?

Viele Unternehmer fühlen sich in ihrer Unternehmerrolle allein, weil ihnen der Austausch fehlt. Und ich denke, das kann nicht gut sein, ohne Buddy unterwegs zu sein. Beim Tauchen ist es so: Ohne Tauchbuddy kein Tauchgang. Alleine tauchen ist verpönt, verboten und viel zu gefährlich.

Wie gefährlich es ist, in der Unternehmerrolle alleine, ohne Buddy, unterwegs zu sein, sehen Sie daran, dass viele Unternehmer, um nicht allein zu sein, ins operative Geschäft hineingehen. Denn dort haben sie Begegnung, sie haben Kontakt, sind mit anderen Menschen in Verbindung. Aber dort verlieren sie sich als Unternehmer. Das habe ich erlebt – und das habe ich zum Glück überwunden.

Gute Unternehmer brauchen Unternehmerbuddys – und da ist es egal, in welcher Branche beide sind. Denn die Themen, die für Unternehmer wichtig sind, sind nicht branchenabhängig. Es geht um Ideen, Strategien, Lebensentwürfe, die besten Tauchgebiete…

Es geht um die vielfältigen Herausforderungen, die im Unternehmersein inklusive sind – und mit denen sich die meisten unternehmerisch denkenden Menschen herumschlagen. Es geht um Klarheit über die verschiedenen Rollen, mit denen Unternehmer konfrontiert sind. Klarheit über die Ambivalenzen, die es zu meistern gilt, zum Beispiel im Hinblick auf Familie, Freunde, Stress in der Firma.

Ich bin mir sicher: Je mehr Klarheit ein Unternehmer hat, desto besser erschafft er eine zukunftsfähige Basis für sich und sein ganzes Unternehmen. Und das geht eben am besten mit einem „Buddy“ und Austausch.

Sie unterscheiden zwischen Unternehmerrolle und -funktion. Was meinen Sie?

Beim Tauchen ist mein Tauchpartner mein Buddy, das ist seine Rolle, seine Position ist eine andere, vielleicht DAX-Vorstand oder Lehrerin oder Hausmann. Die Position ist weniger von Belang. Ein Buddy könnte für Sie auch ein unternehmerisch denkender Kunde oder Mitarbeiter sein. Weswegen ich zwischen Unternehmerrolle und -funktion unterscheide. Wichtiger ist, Vertrauen und Augenhöhe – nicht die Position.

Und zu der Rollenbeschreibung eines Unternehmers, wie ich ihn sehe – und den ich auch als Modell eines erfolgreichen Unternehmers in der Zukunft sehe – gehört die Zusammenarbeit dazu. Ein Bewusstsein, dass die Zeiten des heroischen Einzelkämpfers vorbei sind – und zudem mehr Mythos, als Realität erfolgreichen Unternehmertums waren.

Jedes erfolgreiche Unternehmen braucht einen Unternehmer, der bewusst in seiner Unternehmerrolle ist, der weiß, was zu seinem Job gehört (und vor allem auch, was nicht!), dem es gelingt, die unterschiedlichen Herausforderungen auszutarieren. Aber ohne Austausch auf Augenhöhe wird das nicht klappen. Sie kommen gar nicht erst in die Unternehmerrolle rein. Oder das Tagesgeschäft zieht Sie wie Blei an Ihren Füßen in die Tiefe. Jedenfalls werden Sie für Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeitenden und Ihre Kunden nicht maximal wirksam sein.

Ohne Austausch kein Austarieren, kein frohes Schaffen – und Sie bleiben unter Ihren unternehmerischen Möglichkeiten.