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Trachten
Gewandkunde

Trachten-Lexikon von A bis Z

Was sind Loferl, Pfoad, B’scheißerl, Froschgoscherl, Charivari und Ranzen?

Foto: Franziska Horn

Echtes, zumeist ernstgemeintes Insiderwissen zum Mitreden!

Arschnaht – Die Arschnaht einer Lederhose verrät dem Kenner, aus welcher Region das gute Stück stammt: Laut Trachtenbibel.at wird diese Naht in Ostbayern, dem Salzburger Raum, Tirol und Oberösterreich oft als Tellernaht ausgeführt, wohingegen selbige im Allgäu, der Steiermark und Kärnten meist senkrecht verläuft. Ganz nebenbei vermag eine gut gesetzte Arschnaht das Gesäß des Trägers vorteilhaft zu akzentuieren – und gibt somit Auskunft, wer einen g'scheiten A**** in der Hos'n hat.

 

Auszier – Alles, was Trachten schmückt, der Putz also: Bänder, Schnüre, Spitzen, Rüschen, Stickereien und Zierleisten. Dazu gehören auch Paspeln, Bordüren oder abgesteppte Falten namens Biesen. Und auch → Froschgoscherln, natürlich.

 

B'scheißerl – Nein, das sind keine betrügerischen Push-up-BH's für die Damenwelt, wobei ein Dirndl-BH durchaus demselben Zweck dient: die Balkon-Auslage füllig in Szene zu setzen. Das B'scheißerl ist der sichtbare Teil der Dirndlbluse. Die gerade mal so lang bzw. kurz geschnitten ist, dass sie ins Mieder hineinreicht, direkt unterm Busen wird sie per Gummiband gerafft. Es geht also nicht ums Vortäuschen von Oberweite, sondern um das Suggerieren einer vollständigen Bluse. Der Beschiss hält sich hier also in Grenzen, liebe Burschen.

Charivari – da kommt das Diridari dran, unter anderem, also: Moneten, Kohle, Münzen. Ein Charviari ist eine metallene Gürtelkette für den Mann. Und dazu ein viriles Statussymbol, denn am Charivari sammeln sich allerlei Trophäen, ganz im Stil eines Bettelarmbands. Münzen, Adlerklauen, Bergkristalle, Marderzähne, Bärenkrallen, Schneehuhnpfoten, Gamsspitzen – also alles, was dem Durchschnittsalpinisten auf seiner Sonntagstour auf die Neureuth begegnet.

 

Dirndl – 'eh kloar: Des is as G'wand fia d'Weibaleit. Wobei Dirndl auch Madl heißen kann, natürlich. Das Dirndlkleid besteht aus Baumwolle, Leinen oder Seide, es hat ein Mieder, einen weiten Rock und darüber eine per Stiftlband gereihte Schürze. Ob die Schleife nun links, rechts oder mittig getragen wird? Ist Philosophie. Der viel diskutierte Knoten-Punkt ist bester „Stoff“ für's launige Kontakteknüpfen auf der Wiesn, auf Waldfesten oder sonstwo. Selbiges Anknüpfen wiederum heißt auf Bayerisch: Anbandeln.

 

Eichenlaubstickerei – Beim „Förster vom Silberwald“ gehört solch ein blattförmiges Motiv zur erwartbaren Grundausstattung für die –> Krachlederne. Auch das Weinlaub liefert eine beliebte florale Vorlage zur Zier von Hosenträgern und Büx.

 

Federkielstickerei – Ein Jahrhunderte altes Handwerk, das sich vom Namen des Stickmaterials ableitet: Gespaltene Kiele von Oberschwanzfedern des Pfaus dienen als Stickmaterial. Bestickt werden Gürtel, Taschen und Hosenträger. Der aufwendig verzierte Federkiel-Ranzen diente einst zur Geldaufbewahrung und kann den Wert eines Kleinwagens haben. –> Siehe Reportage „Vogelwuid und fein gestickt“

 

Froschgoscherl – Keine Bezeichnung für freche Gören. Sondern eine Zier-Rüsche, die aus gerafften Stoffstreifen besteht und in ihrer Optik einem Froschmaul ähnelt. Meist zieht sich diese Borte rund um den Auschnitt eines –> Dirndls.

 

Gamsbart – Hutschmuck für die Mander bzw. Männer. Wird tatsächlich aus Gamshaar gefertigt, und zwar aus dem „Aalstreif“, den Rückenhaaren erwachsener Gamsböcke. Dafür sind viele Arbeitsstunden und bis zu zehn Gemsen nötig, daher kann der Preis dieser edlen Zier zwischen 1000 und 4000 Euro liegen – ein Mehr-Generationen-Erbstück also.

 

Haferlschuh – Traditioneller Trachtenschuh für den Mann, in Bayern auch Bundschuh genannt. Seit rund 200 Jahren ist seine Urform beinahe unverändert. Typisch sind der Knöchelausschnitt, die Parallelschnürung und die Schiffchenspitze. Früher von Jägern und Bergbauern getragen, ist der Schuh geländegängig, rutschfest und trittsicher. Eignet sich ebenso für bierüberschwemmte Wies'nbänke wie für den ganz normalen Arbeitsalltag.

Foto: Franziska Horn

Janker – Eine Joppe in Form einer hüftlangen Jacke, gestrickt oder aus gewalkter Schafwolle und manchmal mit farbig abgesetzten Kanten, die ein wesentlicher Bestandteil der Tracht ist. Die Knöpfe bestehen aus Horn oder Metall.

 

Kotze – Nicht, was Sie denken! Eine Kotze (nach Althochdeutsch „chozza“) ist ein Überwurf aus Loden, ähnlich wie ein Cape geschnitten und das heißt: ärmellos. Wird meist mit einem einzigen Knopf gehalten.

 

Krachlederne – Eine urige Hirschlederhosn mit Patina, die (ebenso wie ihr Träger?) mit den Jahren immer besser wird. Es heißt, sie muss alleine stehen bleiben können, wenn der Besitzer längst ,ausgestiegen' ist.

 

Kranl – Eine Krone (auch „Schifferl“), gefertigt aus Gold- und Silberdraht mit Perlen, im Original mit einem Spieß (Haarnadel) aus Silber befestigt. Die Krönung einer Frauentracht!

 

Kropfband – neudeutsch „Choker“: Ein eng am Hals anliegendes Band, das einst zum Kaschieren des Kropfes (in jod-armen Regionen wie z. B. Salzburger Land) getragen wurde.  Früher aus Gold- und Silberkettchen, heute in einfacher Variante als Samtband getragen.

Foto: Franziska Horn

Loferl – Auch Stutzn, Beinhösl, Wadlstrümpf genannt: Gestrickte Wadlwärmer mit Muster je nach Region. Eine Art Strumpfband für den Mann, nur halt tiefer gelegt. Wichtig: Niemals Socken dazu tragen!

 

Pfoad – Klassisches Herrenhemd mit Stehkragen, meist aus Leinen, mit abgesteppten Biesen.

 

Schalk – Ein Janker der echten, hochfestlichen Tracht, getragen von verheirateten Frauen. Meist aus schwarzer Seide gefertigt und aufwendig verarbeitet.

 

Waschdirndl – Ein leichtes Hitzgwand'l für die heißen Sommertage. Besteht aus reiner Baumwolle, wird ohne Bluse getragen und lässt sich schnell mal durchs Wasser ziehen, verzichtet also auf aufwendige – >Auszier.

Franziska Horn

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