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Zerbrochene Kinderseelen – „Wir wollen etwas ändern“

Die Zahl ist schockierend: Alle 13 Minuten muss ein Kind in Deutschland aus seiner Familie genommen werden. Überforderte Eltern vernachlässigen ihre Kinder, tun ihnen Gewalt an. In vielen Fällen kann SOS-Kinderdorf helfen. Die prominenten Botschafter Marco Reus, Nazan Eckes und Joris unterstützen die wohltätige Organisation bei ihrer wichtigen Arbeit.

8 Min. Lesezeit

Manchmal holt die Vergangenheit die fünfjährige Lara* nachts noch ein. Im Traum durchlebt sie ihre schlimmsten Erinnerungen und fühlt sich genauso ängstlich und hilflos wie damals. Oft wacht sie weinend auf, kann nicht genau einschätzen, was Traum und was Realität ist. Laras Kinderdorfmutter kennt das schon: Seit das fünfjährige Mädchen vor einem Jahr zu ihr kam, hat Lara immer wieder mit Albträumen zu kämpfen. Die Kinderdorfmutter setzt sich dann zu ihr ans Bett, tröstet und hört zu. An so viel Aufmerksamkeit hat sich Lara noch immer nicht gewöhnt. Denn zuhause kämpfte das Mädchen oft vergeblich um Zuwendung.

In der Krippe fällt auf, dass mit Lara etwas nicht stimmt

Laras Eltern wurden als Kinder selbst Opfer von Gewalt und Vernachlässigung. Trotz dieser schlimmen Erfahrungen haben sie es bei ihrer Tochter nicht besser gemacht. Als Lara ein Jahr alt war, begann der Vater sie zu misshandeln, ohrfeigte, boxte oder schüttelte sie, wenn sie schrie. Laras Mutter hat es nicht geschafft, ihrer Tochter zu helfen. Auch als die Eltern sich schließlich trennten, besserte sich Laras Situation kaum. Ihre Mutter wurde nun immer häufiger stark betrunken aufgegriffen und ließ ihre Tochter mehr und mehr verwahrlosen. Auch in der Krippe fiel auf, dass bei Lara zu Hause etwas nicht stimmte. Das Mädchen trug schmutzige Kleidung, war oft krank und wirkte ungepflegt. An ihr haftete der Geruch von Urin und Zigarettenrauch. Manchmal nannte sie ihre Erzieherin „Mama“. 

Um das Mädchen zu schützen, entschied das Jugendamt, Lara aus ihrer Familie zu nehmen. So kam die damals Dreijährige erst in eine Pflegefamilie und schließlich in ein SOS-Kinderdorf.

Lara ist nur eines von tausenden Kindern, die vor Verwahrlosung, Gewalt und Misshandlung geschützt werden müssen. Alle 13 Minuten wird ein Kind in Deutschland zu seinem Schutz aus seiner Ursprungsfamilie genommen. Eine unglaubliche, schockierende Zahl.

Armut, Verzweiflung, Überforderung – Alltag in Deutschland

Wenn die Moderatorin Nazan Eckes von solchen Fällen hört, ist sie regelrecht verzweifelt: „Wenn ich mir vorstelle, dass es da draußen Kinder und Jugendliche gibt, die keine Liebe und keine Zuwendung bekommen und, schlimmer noch, Gewalt erfahren, dann bricht mir das als Mutter von zwei kleinen Kindern das Herz.“ Nazan Eckes engagiert sich deshalb als Botschafterin für SOS-Kinderdorf.

Auch Fußballstar Marco Reus und der Sänger Joris („Herz über Kopf“) sind bei der Kampagne aus voller Überzeugung dabei. Marco Reus sagt: „Dass in Deutschland alle 13 Minuten ein Kind aus seiner Familie genommen werden muss, ist einfach inakzeptabel. Wir können und sollten daran etwas ändern.“

Die Hilfe ist dringend notwendig. Denn im wohlhabenden Deutschland gibt es eine dunkle Seite. Armut, Verzweiflung und Überforderung bestimmen den Alltag vieler Menschen. Leidtragende sind oft die Kinder. Sie sind Vernachlässigung, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt. Keine Umarmung, keine saubere Kleidung, kein Frühstück: Viele vernachlässigte Kinder sind völlig auf sich alleine gestellt. Ohne elterliche Fürsorge müssen sie schon in jungen Jahren Strategien entwickeln, sich um sich selbst zu kümmern – und leiden dennoch jeden Tag. Vernachlässigung zerstört Kinderseelen.

Jedes Jahr mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung

Vernachlässigung ist eine Form der Kindeswohlgefährdung, von der die Ämter in Deutschland jedes Jahr mehr und mehr Fälle registrieren. 2019 erreichte die Statistik mit 55.527 Gefährdungen einen traurigen neuen Höchststand – mehr als die Hälfte dieser gefährdeten Kinder zeigte Anzeichen von Vernachlässigung. Dabei dürfte die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen. Denn oft geschieht Vernachlässigung hinter verschlossenen Türen, und bis jemand das Leid bemerkt, dauert es lange.

Bei den Kindern hinterlässt ein liebloses Aufwachsen Spuren: Vernachlässigte Kinder entwickeln sich schlechter als ihre Altersgenossen, sind anfälliger für Krankheiten und verhalten sich häufiger sozial auffällig. Einige dieser Folgen begleiten die Betroffen ein Leben lang.

Wenn das eigene Zuhause zur Gefahr wird

* Hiervon ausgenommen sind 8.600 Aufnahmen minderjähriger Flüchtlinge nach unbegleiteter Einreise. Quellen: Statistisches Bundesamt Deutschland 2020: Pressemitteilung Nr. 363 und Nr. 328
* Hiervon ausgenommen sind 8.600 Aufnahmen minderjähriger Flüchtlinge nach unbegleiteter Einreise. Quellen: Statistisches Bundesamt Deutschland 2020: Pressemitteilung Nr. 363 und Nr. 328

Immer wieder stellen die Mitarbeiter ein Muster fest: Eltern, die selber keine schöne Kindheit hatten, haben oft weniger gute innere Bilder, an denen sie sich in ihrer Beziehung zu ihren Kindern orientieren können. In schwierigen Situationen besteht ein höheres Risiko in Muster zu rutschen, die sie eigentlich ablehnen. „Da schlägt zum Beispiel eine junge Mutter ihre Tochter im Kitaalter, weil sie frech war. Oder der Vater kommt abends nach Hause und trinkt und verhält sich aggressiv und unberechenbar. Eben genau so, wie er es von seinem Vater kannte“, berichtet Britt Horn, Diplom-Psychologin und Mediatorin in der Erziehungs- und Familienberatung des SOS-Familienzentrums Berlin. „Diese Eltern bemerken ihre eigene Überforderung und haben große Angst ihren Kindern das anzutun, was sie selbst erlebt haben. Denn eigentlich sehnen sie sich nach einer liebevollen Familie. Den Mut dieser Eltern in die Beratung zu kommen und mit uns gemeinsam nach Handlungsalternativen zu suchen und Unterstützung anzunehmen, respektiere ich sehr.“

Viele Eskalationen könnten verhindert werden, wenn jemand den Familien rechtzeitig die Hand reichen und ihnen helfen würde. Genau hier setzt SOS-Kinderdorf mit seinen Angeboten an. Neben den zahlreichen offenen und leicht zugänglichen Angeboten in den SOS-Familienzentren werden Familien in Not durch ambulante Hilfsangebote in ihrem familiären Alltag unterstützt.

„Dass in Deutschland alle 13 Minuten ein Kind zum eigenen Schutz aus seiner Familie genommen werden muss, ist einfach inakzeptabel. Krisen und andere extreme Situationen sind für eine Familie immer schwierig und belastend. Aber wir können und sollten daran etwas ändern. Denn Kinder sind einfach unser höchstes Gut.“


Marco Reus, Profifußballer

„Ich bin einfach der festen Überzeugung, dass gerade Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, auch die Stimme erheben müssen für die, die Hilfe brauchen. Denn Kinder und Jugendliche können das oftmals nicht selber für sich tun.“


Nazan Eckes, Moderatorin

„Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann hab’ ich unglaublich viel Glück gehabt. Ich habe sehr, sehr viel Liebe erfahren. Wenn ich mir vorstelle, dass so viele Kinder diese Unterstützung nicht erfahren, bricht es mir das Herz.“


Joris, Liedermacher und Sänger

SOS-Kinderdorf stärkt Familien zunächst präventiv – also schon bevor die Situation eskaliert. In Familienzentren gibt es zum Beispiel einen Mittagstisch, offene Treffpunkte und viele Bildungs- und Freizeitangebote. Auch in Erziehungsfragen unterstützen die Fachleute von SOS-Kinderdorf, helfen bei Trennungen oder Scheidungen und bei Familienkrisen.

Ein neues Zuhause in der Kinderdorffamilie

Und wenn trotz aller Betreuungsangebote die Lage für ein Kind weiterhin unerträglich und gefährdend ist? Dann muss das Jugendamt die schwierige Entscheidung treffen und es zu seinem eigenen Schutz aus der Familie nehmen. Wie oft das passiert – darauf möchte SOS-Kinderdorf mit der Kampagne #alle13minuten aufmerksam machen. In vielen Fällen finden Kinder und Jugendliche ein neues Zuhause in den Kinderdorffamilien oder in Kinder- und Jugendwohngruppen. In Deutschland unterhält SOS-Kinderdorf 17 Kinderdörfer und viele weitere Projekte. 2019 unterstützte der Verein insgesamt 109.500 Menschen in erschwerten Lebenslagen.

SOS-Kinderdorf ist davon überzeugt: Kinder brauchen starke Familien, um sicher und geborgen aufzuwachsen. Dieser Grundgedanke ist auch den drei Botschaftern wichtig. „Zuhause ist der Ort, an dem alles beginnt“, sagt Sänger Joris, „kein Kind der Welt sollte in einem Zuhause aufwachsen, an dem es Angst haben muss.“ Und Nazan Eckes findet: „Wegschauen ist das Allerschlimmste. Das ist absolut keine Option.“ Seitdem Lara offen anspricht, was sie bedrückt, wirkt sie viel ausgeglichener. Trotzdem hat Lara noch einen weiten Weg vor sich. Irgendwann, so hofft ihre Kinderdorfmutter, werden dann auch ihre Albträume der Vergangenheit angehören.

* Name, Abbildung und biographische Details wurden zum Schutz der betroffenen Personen geändert.