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Streit, Aggression, Gewalt

Samira* braucht Hilfe

Gewalt gegen Kinder, Missbrauch, Vernachlässigung: Auch das ist Alltag in Deutschland. Während des Lockdowns hat sich die Situation noch einmal verschärft. Finanzieller Druck, Kurzarbeit und Kündigungen wurden zur Zerreißprobe für Familien. SOS-Kinderdorf hilft Kindern und Familien in Not – nicht nur während der Pandemie. Und benötigt dafür die Unterstützung von großzügigen Spendern.

6 Min. Lesezeit

Samiras* Mutter hält ihre Tochter am Oberarm und schreit sie an. Sie drückt so fest zu, dass die Sechsjährige anfängt zu weinen. Der Grund: Samira hat Milch verschüttet.

Streit, Aggressionen, keine Zeit füreinander und kaum Geborgenheit prägen den Alltag des zierlichen Mädchens. Samiras Eltern haben sich getrennt und streiten, wann immer sie sich sehen. Die Tochter versucht zu schlichten, sie liebt ihre Mutter und ihren Vater, doch sie gerät immer wieder zwischen die Fronten. Als die Beziehung ihrer Eltern vor einigen Jahren zerbrach, endete dies in einem Polizeieinsatz. Samira und ihre Mutter zogen vorübergehend in ein Frauenhaus.

Samira sehnt sich nach einem geregelten Tagesablauf, nach Liebe und Geborgenheit. Schulden belasten die Familie zusätzlich. Durch die Corona-Pandemie und die strikten Kontaktbeschränkungen verschärfte sich die Lage: Die Mutter war völlig überfordert und Samiras seelisches Wohl in Gefahr. Die Sechsjährige hatte keinen geregelten Alltag mehr. Schulaufgaben vernachlässigte sie, ihre Mahlzeiten aß sie vor dem Fernseher und die Stimmung daheim war aggressiv. Forderte Samira Aufmerksamkeit ein oder wurde wütend, eskalierte die Situation schnell – zu schnell. Bei dem letzten Streit riefen die Nachbarn schließlich die Polizei.

Eine verzweifelte Situation. Ein Fall für SOS-Kinderdorf. Die Hilfsorganisation griff ein – und konnte der Familie helfen, wieder eine Perspektive zu finden. Eine Aufgabe, die nur mit der Hilfe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern geleistet werden kann. Von Menschen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen möchten.

Leider ist Samira kein Einzelfall. Das Mädchen ist eines von vielen Kindern in Deutschland, bei denen die häusliche Isolation durch die Pandemie zur Eskalation in der Familie führte. Die Technische Universität München fand heraus, dass in 6,5 Prozent aller Haushalte Kinder gewalttätig bestraft wurden.

Jobverlust, Kurzarbeit, akute finanzielle Sorgen – das sind die Hauptursachen für familiäre Eskalationen. Hartz IV, Armut und psychische Probleme der Eltern machen Familien krisenanfällig. Auch die Quarantäne während der Lockdowns, wenn viele Familienmitglieder auf engem Raum zusammenleben müssen, sorgt oft für Streit und Aggressionen.

55.000 Kinder sind akut gefährdet

„Man wird vor allem nach dem Lockdown vielen Kindern mehr Hilfe bieten müssen als vorher. Sie brauchen zusätzliche schulische und außerschulische Lernangebote, um Versäumtes nachzuholen und den Anschluss nicht zu verlieren“, erklärt Dr. Birgit Lambertz, Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf e.V.

Immer mehr Kinder in Deutschland leben in Familien, in denen sie akut gefährdet sind. Die meisten der 55.500 Kinder, bei denen im vergangenen Jahr eine Kindeswohlgefährdung festgestellt wurde, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf.

Hier setzt die Arbeit von SOS-Kinderdorf an. Ein Netz sozialer Hilfen fängt die Kinder auf und bietet auch den Eltern eine Perspektive, um die oft massiven Probleme zu bewältigen – zum Beispiel mit Hilfe einer Schuldnerberatung. All das ist mit enormem Aufwand verbunden.

„Gewalt ist ein häufiges Thema“

Pädagogin Heidrun Boye vom SOS-Kinderdorf in Hamburg über ihre Arbeit mit Familien in sozialen Schwierigkeiten

Frau Boye, mit welchen Problemen haben die Familien, die sie in der ambulanten Hilfe betreuen, besonders häufig zu tun?
Gewalt in der Familie ist ein häufiges Thema, genauso wie Sucht, Erziehungsschwierigkeiten und Schulden. Man muss auch sagen, es gibt eine Entwicklung. Früher hatten Familien, die zu uns kamen, ein oder zwei konkrete Probleme, heute haben sie mit vielen Problemen gleichzeitig zu tun und manchmal ist zu Anfang gar nicht klar, was das Hauptproblem ist.

Warum ist das so?
Ich glaube, dass die Anforderungen an Familien heutzutage größer geworden sind. Dazu betreuen wir viele Eltern in Hartz-IV. Hier erleben wir, dass den Menschen, die lange auf diese Unterstützung angewiesen sind, von den Behörden viel Verantwortung abgenommen wird. Irgendwann verlieren sie so die Motivation, sich selber um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Bis sie zu uns kommen, hat sich dann in vielen Familien oft schon ein Berg an Problemen angehäuft.

Wie helfen Sie den Familien dabei, diesen Berg abzutragen?
Wir machen zunächst ein sogenanntes Clearing mit den Familien, um uns überhaupt erstmal einen Überblick zu verschaffen, wo genau die Probleme liegen. Im nächsten Schritt geht es darum, ein Netzwerk aufzubauen. Zunächst mit Institutionen wie zum Beispiel der Schuldnerberatung oder dem Jobcenter, die Teilaspekte der akuten Probleme übernehmen können. Das andere sind soziale Kontakte. Das hilft auch, die Hilfe nachhaltig zu machen. Denn wir begleiten die Familien etwa zwei Jahre lang. Auf das Netzwerk können sie aber auch danach zurückgreifen.

In vielen Fällen kann SOS-Kinderdorf das Schlimmste abwenden. An über 240 Standorten in ganz Deutschland verbessert die nichtstaatliche, unabhängige Hilfsorganisation die Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Das Angebot reicht von stationärer und ambulanter Hilfe über Beratung bis zur Betreuung für behinderte Menschen. Auch Angebote zur schulischen und beruflichen Bildung zählen dazu. Kindern soll so wieder Hoffnung und eine Zukunftsperspektive gegeben werden.

So wie im Fall von Samira. SOS-Kinderdorf kümmerte sich um die Familie in der akuten Situation: Samira kam in die Notbetreuung. Ihre Mutter wurde von der ambulanten Hilfe von SOS-Kinderdorf und einem zusätzlichen psychologischen Dienst betreut. Jetzt soll ein Notfallplan der Mutter helfen, für sich und ihre Tochter eine Entlastung im Alltag zu finden.

Spenden, die Großes bewirken

Um solche Hilfe leisten zu können, ist SOS-Kinderdorf auf Hilfe angewiesen. Auf Bürgerinnen und Bürger, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen, indem sie die Hilfsorganisation finanziell unterstützen. Es geht dabei um Spenden, mit denen ein bedeutender Beitrag zur Familienstärkung in Deutschland geleistet werden kann.

Zwei Beispiele:
  • Unsere Beratungsstellen müssen auch in Zukunft rechtzeitig helfen: Die Sachkosten für Bücher und Testmaterialien übernehmen Sie zum Beispiel für 3.500 Euro.
  • Damit der Alltag wieder besser bewältigt werden kann: Die Krisenhilfe für Unterstützung in Erziehungsfragen und Konfliktsituationen finanzieren Sie beispielsweise mit 5.000 Euro.

Wie die Zukunft von Samira aussieht? Ihr Fall wird nun von einem Familiengericht geprüft: Es soll entschieden werden, ob die Eltern von Samira auch langfristig in der Lage sind, sich um das Kind zu kümmern. Wie es auch kommt: SOS-Kinderdorf wird der Familie helfen, einen Weg aus der Krise zu finden.

*Name, biografische Details und Abbildungen von Samira wurden zum Schutz der Person geändert.