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Holz für die Hütt’n

Auf Bau- und Abbruchabfälle einschließlich Bodenaushub entfällt mehr als die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland.

Roderick Rauert  Foto: Bauwerk

Die Wiederverwendung verbauter Materialien ist daher ein Hauptziel des nachhaltigen Bauens. Für Roderick Rauert, Architekt und geschäftsführender Gesellschafter des Münchner Projektentwicklers Bauwerk, spielt Holz dabei eine tragende Rolle.

 

Läuft die Kreislaufwirtschaft in Ihrem Unternehmen schon rund?

Rauert – Das nachhaltige Bauen mit Holz ist zwar bereits im Architekturstudium angelegt, aber eine Kreislaufwirtschaft führt man nicht an einem Tag ein. Ihrem Grundgedanken allerdings sind wir bei unserem ersten Holzbauprojekt in München gefolgt: die Menge der verbauten Materialen zu reduzieren und sie einer sinnvollen Wiederverwertung zuzuführen. Wenn andere es uns nachtun, was wir hoffen, hat die Kreislaufwirtschaft eine echte Chance.

 

Was ist an Holzhäusern so ungewöhnlich? In Schweden oder Holland sieht man die an jeder Ecke.

Rauert – Aber kaum im innerstädtischen Bereich. Ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in Holz-Hybrid-Bauweise mitten im Herzen einer Großstadt kann man nicht in einem festen Raster bauen. Wir müssen uns auf den Stadtgrundriss einlassen, mit Holz nachformen und die hohen Anforderungen an den Brand- und den Schallschutz berücksichtigen. Das stellt schon besondere Ansprüche an den Architekten, die Planer und die Bauleitung.

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Warum haben Sie sich darauf eingelassen?

Rauert – Wir glauben, dass Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Es ist eine Investition in die Zukunft. Außerdem tragen wir als Unternehmer Mitverantwortung für unsere Umwelt und nehmen die Environmental Social Governance ernst. Das ist unser Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Außerdem hatten wir Lust darauf.

 

Welche Vorteile hat die Holzbauweise?

Rauert – Der wichtigste ist die CO2-Ersparnis gegenüber Stahlbeton: Sie beträgt eine Tonne je Kubikmeter verbautem Holz. Wir haben zwar einen längeren Vorlauf, weil man Holzbauten bis ins letzte Detail durchplanen muss. Aber dafür können wir deutlich schneller bauen. Und wenn etwas verändert oder rückgebaut werden soll, können viele Teile wiederverwendet werden.

 

Bisher leisten die deutschen Bauvorschriften der Kreislaufwirtschaft nicht gerade Vorschub. Ist Besserung in Sicht?

Rauert – Leider nicht. Der Gesetzgeber passt die Baugesetzgebung nicht an die Zwänge des nachhaltigen Bauens an. Zum Beispiel erlauben die reglementierten Gebäudehöhen keine durchgängige Holzbauweise, weil dabei die Decken zu hoch und daher die Anzahl der zulässigen Geschosse zu gering werden. Das macht den Holzbau unwirtschaftlicher als die traditionelle Bauweise. Das gesamte Regelwerk ist auf den Stahlbeton ausgelegt, für alles andere gibt es keine Standards. Alles muss mühsam und zeitaufwendig in Einzelentscheidungen festgelegt werden. Die unteren Genehmigungsbehörden, viele Lokalpolitiker und die Bewohner in den Stadtvierteln wollen Bewegung beim nachhaltigen Bauen. Aber aktuell passiert da nicht viel.

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Was sagt denn der Markt?

Rauert – Wir registrieren eine große Nachfrage. Insbesondere nach dem Bürogebäude, weil Fonds und Kapitalanleger genau so etwas suchen. Auch im Einzelverkauf der Wohnungen rechnen wir mit einem raschen Absatz.

 

Glauben Sie, dass sich Nachhaltigkeit als Kaufkriterium etablieren wird? Was wären die Voraussetzungen dafür?

Rauert – Wir sehen, dass es Unternehmen gibt, die bereit sind, für nachhaltiges Bauen mehr Geld zu bezahlen. Weil das ein Qualitätskriterium ist, und für Qualität sind die Leute bereit, Geld auszugeben. Wir sind sicher, dass auch die privaten Kunden die Sinnhaftigkeit dieser Strategie mittragen und aktiv unterstützen.

 

Im Prinz-Eugen-Park wurde 2020 Deutschlands größte Holzbausiedlung fertiggestellt. Wird jetzt in München die Holzbauweise eingeläutet?

Rauert – Ich hoffe das. Unser Projekt ist ein perfektes Beispiel für eine gelungene Stadtreparatur in Holzbauweise. Davon brauchen wir noch viel mehr.

 

Kathrin Engelhardt

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„UMBAUEN UND NEU NUTZEN IST BESSER ALS ABREISSEN“

Eine nachhaltige Immobilienentwicklung ist notwendig für die Erreichung ehrgeiziger Klimaschutzziele.
Nicht nur bei Neubauten, sondern vor allem im Bestand sind Architekten, Planer und Bauwirtschaft gefordert.

1 – Was heißt nachhaltig bauen?2 – Umbau im Bestand3 – Ist Holzbau die Zukunft?

Der runde Tisch teilnehmer

  • Prof. Dr.-Ing. Lucio Blandini 

    ist seit April 2020 der Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart, an der er 2005 promovierte.

    Nach seinem Studium des Bauingenieurwesens in Italien sowie seines Masterstudiums der Architektur in den USA arbeitete er ab 2006 im Büro Werner Sobek als Projektleiter im Tragwerks- und Fassadenbereich. 2012 wurde er dort Prokurist und Teamleiter, seit 2018 ist er Vorstand und Partner. Er hat bei mehreren Projekten das Thema Ressourceneffizienz in Zusammenhang mit der gezielten Verwendung von digitalen Medien behandelt.

  • Melanie Hammer

    ist seit August 2014 Geschäftsführerin der BHB Bauträger GmbH in München. 

    Sie studierte Architektur an der TU München und der Universität Lausanne. Die Diplom-Ingenieurin arbeitete zunächst für Agropolis in München, ehe sie 2011 in das von ihrem Vater gegründete Unternehmen wechselte. Sie ist Mitglied im Gutachterausschuss für Grundstückswerte der Landeshauptstadt München sowie im Vorstand des BFW-Landesverbands Bayern. 

  • Ralph Heim

    ist seit Januar 2008 Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der von ihm gegründeten H-I-M Villenbau GmbH. 

    Er studierte Marketing, machte Immobilien-Marketing und nutzte seinen ersten PC zum Vergleich und Angebot unabhängiger Baufinanzierungen. 1989 kam die Immobilien-Beratung und Vermittlung hinzu. Ab 2000 spezialisierte er sich auf den Vertrieb hochwertiger Wohnimmobilien und errichtete 2008 sein erstes Villengebäude in München.

  • Christine Kugler

    ist seit Januar 2021 Leiterin des Referats für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München.

    Sie studierte Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz und berufsbegleitend am Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern „Nachhaltige Entwicklung“. Seit 2002 arbeitete sie in verschiedenen Führungspositionen für die Stadtwerke München, seit 2007 als Leiterin der Bäder.

  • Prof. Dr.-Ing. Werner Lang

    leitet seit September 2010 den Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen der Technischen Universität München (TUM).

    Nach seinem Studium der Architektur in München, London und Los Angeles arbeitete er mehr als drei Jahre im Architekturbüro Kurt Ackermann + Partner in München. 1994 wurde er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Gebäudetechno-logie der TUM und promovierte dort. Anschließend gründete er sein eigenes Architekturbüro, ehe er 2006 mit zwei weiteren Architekten die Lang Hugger Rampp GmbH gründete. 

  • Rudolf Stürzer 

    ist seit Mai 2000 Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins München und Umgebung e.V..

    Seit seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität München ist er als Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf das Immobilienrecht tätig. 1987 begann er seine Tätigkeit in der Rechtsabteilung des Haus- und Grundbesitzervereins, deren Leitung er 1993 übernahm. 1999 wurde er Geschäftsführer von Haus + Grund München. Stürzer hat zudem alsFachbuchautor zahlreiche Bücher rund um das Immobilienrecht veröffentlicht.

  • Matthias Winkler 

    ist seit April 2011 Leiter der Abteilung Finanzierung Immobilienprojekte bei der UmweltBank AG in Nürnberg. 

    Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Nürnberg. Er arbeitete acht Jahre bei der Nürnberger Hypothekenbank, ehe er 2003 zur UmweltBank AG wechselte. Dort startete er als Kreditsachbearbeiter für größere Bauvorhaben und genossenschaftlichen Wohnungsbau.

DER RUNDE TISCH – Nachhaltige Immobilienentwicklung

Bauen ist nicht gut für die Umwelt. Es verschlingt ungeheure Mengen an Material und verschmutzt die Luft. Wenn wir nicht zurück in die Höhle wollen, müssen wir über unsere Behausungen nachdenken. Sonst schwemmt der Klimawandel unsere vier Wände fort.

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