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MEHR ALS GELD UND GUTE WORTE

Vater Staat und seine Verwandten in Ländern und Kommunen tun viel für ihre mithelfenden Familienmitglieder. Das zeigt sich besonders in Krisenzeiten.

Foto: Adobe Stock

Das über die Welt hineingebrochene Corona-Virus hat gezeigt, wie wichtig eine gut funktionierende öffentliche Verwaltung ist. Ohne die engagierten Mitarbeiter in Gesundheitsämtern und Krankenhäusern hätte die Pandemie zweifellos weitaus mehr Leben gekostet. Ohne die in den Impfzentren Dienst tuenden Soldatinnen und Soldaten wären die Wartelisten sehr viel länger geworden. Und ohne die Engelsgeduld der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst hätte sich der Corona-Frust in der Bevölkerung womöglich hier und da entladen. Öffnen wir an diese Stelle doch ein virtuelles Fenster und rufen ein herzliches „Dankeschön!“ heraus.

 

Staat, Länder und Kommunen wissen, was sie an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. Und die wissen, warum sie für ihre Mitbürger arbeiten. Neben überschaubaren, aber fair austarierten und regelmäßig gezahlten Gehältern, von denen viele Kurzarbeiter und in von Insolvenz bedrohten Unternehmen nur träumen konnten, treten weitere Vorteile. Zum Beispiel höchst ansehnliche Nebenleistungen und eine Work-Life-Balance, die für nicht wenige Beschäftigte in der Privatwirtschaft ein Fremdwort ist. Obendrauf kommen sichere Arbeitsplätze mit selbsterklärendem Sinn und für einen guten Zweck.

Sicherheit ist Studierenden besonders wichtig. In dieser Hinsicht macht dem öffentlichen Dienst niemand etwas vor. Grafik: E R N S T & YOUNG GMBH

Nach mehr als 20 Jahren in der Unternehmensberatung, als Personalleiter mit Prokura, Mitglied der Geschäftsleitung und zuletzt als Leiter des operativen Geschäftes bei einem Zulieferer der Luft- und Raumfahrt unterschrieb Oliver Plank Ende 2020 einen Arbeitsvertrag bei einem großen kommunalen Unternehmen in Bayern. „Gestutzt oder mich ungläubig angeschaut hat niemand, dem ich von meinem bevorstehenden Wechsel erzählt habe“, schmunzelt der Diplom-Kaufmann. „Im Gegenteil, die fanden das alle super: Nach acht bis neun Umzügen für den Beruf endlich dauerhaft an einem Standort! Und dann auch noch solch ein Job!“ Als Leiter Personalmanagement und Personalservices ist der 49-Jährige für rund 10.000 Mitarbeiter mit einem breiten Aufgabenspektrum verantwortlich: Stromversorgung, Kraftwerke, Wasserwerke, die Sicherstellung des Nahverkehrs und der kommunalen Bäder. „Zuerst habe ich über die Stellenanzeige hinweggelesen“, erinnert er sich. Um wenig später festzustellen, dass sein neuer Arbeitgeber ein Riesenunternehmen ist und der Job eine reizvolle Herausforderung. Plank: „Er verlangt hohe Eigenverantwortung und bietet Perspektiven – alles was mir wichtig ist.“

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Total beeindruckt hat den Manager die blitzschnelle Reaktion auf seine Bewerbung: Morgens um 10 Uhr hatte er die Mail abgeschickt, schon um 15 Uhr kam der Anruf: Wann sehen wir uns? Ein, zwei Gespräche, ab ins Assessment Center, Vertragsentwurf im Postfach: „Alles ging innerhalb von zwei Monaten über die Bühne.“ Auch dass sein Berufsleben jetzt in ruhigeren Bahnen fließt als früher, kann Oliver Plank nicht sagen. Das hat er aber auch nicht gewollt. „Work-Life-Balance war für mich kein entscheidendes Thema“, versichert er. „Ich will bei meiner Arbeit Gestaltungsspielraum haben, ich will verändern können, ich will Spaß haben und meinen Stempel aufdrücken können.“ Zu verdanken hat er das einer Führungskraft, die er „sensationell“ nennt, und einem Arbeitgeber, der selbst während der Corona-Pandemie nicht in Panik verfiel: „Man sondiert die Lage und führt das Unternehmen ruhig weiter. Da wird wirklich nachhaltiges Management betrieben.“

Vor 100 Jahren pflegte man zu sagen: „Der Rock des Beamten mag eng sein, aber er wärmt.“ Das tut er immer noch. „Der öffentliche Dienst hat in der Krise nicht entlassen, niemand hat seinen Arbeitsplatz verloren, niemand musste um seine Existenz fürchten“, lobt Christoph Beck, Professor für Personalwesen an der Hochschule Koblenz. Er kennt auch andere Fälle: „Die Corona-Pandemie war noch keine vier Wochen alt, da kamen schon erste Bewerbungen von Leuten an, denen die Privatwirtschaft Knall auf Fall gekündigt hatte.“ Dass die öffentlichen Arbeitgeber in ihrer Mitarbeiterwerbung die Sicherheit der Arbeitsplätze stark in den Vordergrund stellen, hält er angesichts des wachsenden Interesses daran für ganz richtig: „Damit setzen sie gewiss nicht auf das falsche Pferd.“

Man könne auch nicht pauschal über das Einkommen klagen. „Öffentliche Arbeitgeber zahlen zuweilen durchaus wettbewerbsfähige Gehälter“, sagt Beck. „Es kommt halt immer auf die Zielgruppe an.“ Klar, gesuchte Juristen und IT’ler hätten bei Großkanzleien und Softwarekonzernen ganz andere Möglichkeiten. „Aufgrund der Tarifbindung des öffentlichen Dienstes sind die Verhandlungsspielräume geringer“, räumt der Hochschullehrer ein. „Wir sehen aber durchaus, dass einzelne öffentliche Arbeitgeber flexibler werden.“ Zur Deckung des Personalbedarfs in Mangelberufen und zur Bindung von Fachkräften kann eine sogenannte Arbeitsmarktzulage gewährt werden, und zwar sowohl für neu eingestellte als auch für bereits im Arbeitsverhältnis stehende Beschäftigte. „Noch ist es ein zartes Pflänzchen“, sagt Beck. „Aber es wächst.“

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Bei der Arbeitszeit ist die Angebotspalette der öffentlichen Arbeitgeber schon heute beachtlich. Wenn es irgendwo gelingt, den Beruf und das Familienleben so miteinander zu kombinieren, dass beides gleichermaßen zu seinem Recht kommt, dann im öffentlichen Dienst. Wie zum Beweis wurde das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg und Rostock jüngst für seine familiengerechten Arbeitsbedingungen mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ ausgezeichnet, eine Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Corona-bedingt hat das BSH die Angebote zum Arbeiten im Homeoffice erheblich erweitert. So gibt es im Rahmen der gleitenden Arbeitszeit eine Vielzahl von individuellen Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeitszeit. Teilzeitmodelle auch unabhängig von familiären Gründen, Möglichkeiten für Telearbeit und mobiles Arbeiten sowie Schulungen zum Führen auf Distanz untermauern die Kultur der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hinzu kommen Eltern-Kind-Büros und Angebote für die Betreuung von pflegebedürftigen Familienmitgliedern und Kindern auch in den Ferien und in Notfällen. Und so soll es weitergehen. „Für die kommenden drei Jahre ist unter anderem geplant, für alle Beschäftigten eine noch höhere Flexibilität des Arbeitsortes einzuführen“, verspricht die Präsidentin des BSH Karin Kammann-Klippstein.

 

Den öffentlichen Arbeitgebern ist durchaus bewusst, dass sie ihren Fachkräften etwas anbieten müssen, das von der privaten Konkurrenz nicht so leicht zu toppen ist. Weniger greifbar als die Familienfreundlichkeit, doch nichtsdestotrotz schwere Pfunde in der Waagschale sind Grundwerte wie Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit der Arbeit. „Nirgendwo sonst als beim öffentlichen Dienst gibt es so klare Regeln, wie eine Stelle auszuschreiben und wie unter den Bewerbern auszuwählen ist“, versichert Harald Ackerschott aus Bonn. Als Psychologe prüft er auch im Auftrag öffentlicher Dienstherren die Eignung und das Potenzial von Mitarbeitern und externen Kandidaten bei Beförderungen und Einstellungen. Schließlich schreibt das Gesetz vor, für eine Stelle die oder den bestgeeigneten Arbeitnehmer vorzusehen. „Auch wenn es den Bewerbern nicht immer bewusst ist“, sagt Ackerschott, „in den heutigen Bewerbermärkten verschafft ihnen das einen Riesenvorteil: Es schaltet den Nasenfaktor aus und gewährleistet Chancengleichheit.“ Was andere noch diskutieren, hat der öffentliche Dienst schon.
    

Karen Engelhard

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NICHT FÜR JEDEN, SONDERN FÜR ALLE ARBEITEN

Der öffentliche Dienst bietet eine Fülle an sinnvollen Aufgaben und spannenden Entfaltungsmöglichkeiten.
Doch es gibt noch einiges zu tun, damit sich künftig mehr Bewerber für ihn entscheiden.

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung3 – Digitalisierung

Der runde Tisch teilnehmer

  • Werner Albrecht

    ist seit November 2013 Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München (SWM). 

    Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er fast 20 Jahre für die Gewerkschaft ÖTV, später ver.di. 2003 ging er zu den SWM in den Bereich Personalpolitische Grundsatzfragen. 2007 wechselte er in das Büro der Geschäftsführung, 2013 wurde er Leiter des Personalmanagements.

  • Dr. Alexander Dietrich

    ist seit Juli 2016 hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. 

    Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt, als Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht München sowie als Referatsleiter für Justiz und öffentlichen Dienst bei der CSU-Landtagsfraktion. Von 2013 bis 2016 war er ehrenamtlicher Stadtrat der CSU.

  • Kerstin Dübner-Geeist

    seit März 2018 Leiterin der neuen Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). 

    Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Munich Dual Career Office und Koordinatorin des Zukunftskonzepts Exzellenzinitiative der Technischen Universität München. Zuletzt verantwortete sie das Geschäftsfeld Interne Angebote der Fraunhofer Academy.

  • Friederike Engert

    ist seit August 2014 Sachgebietsleiterin im Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. 

    Sie leitet das Sachgebiet Personal für akademisches Personal in der allgemeinen inneren Verwaltung und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Bologna arbeitete sie zwei Jahre als Rechtsanwältin in einer Münchner Großkanzlei, ehe sie 1999 in das Staatsministerium wechselte.

  • Dr. Nicole Lang

    ist seit Mai 2018 Leiterin der Abteilung II „Recht des öffentlichen Dienstes und Personalverwaltung“ im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. 

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg begann sie 1999 ihre Karriere beim Staatsministerium der Finanzen. 2007 wurde sie Büroleiterin des Staatsministers, 2011 Referatsleiterin für „Besoldung und Stellenpläne“.

  • Harald Riedel

    ist seit 2008 Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. 

    Aufgabenschwerpunkt ist die Schaffung einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Nach dem Studium der Volkswirtschaft begann er bei der Münchener Ingenieurberatungsgesellschaft Dorsch Consult in der Entwicklungsplanung. Von 1996 bis 2004 war er Geschäftsführer der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion und von 2004 bis 2008 Referatsleiter in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Neben seiner Arbeit als Kämmerer ist er seit Mai 2017 auch für die Bereiche Personal und IT verantwortlich.

  • Norbert Sauer

    Ist seit Juli 2017 Leiter der Personalabteilung bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). 

    Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn begann er als Controller im Rechnungswesen der Quelle Versicherungen in Fürth. 1999 wechselte er als Revisor zur BVK und war jeweils fünf Jahre stellvertretender Revisionsleiter und Leiter des Vorstandsreferats.

DER RUNDE TISCH – Arbeiten beim öffentlichen Dienst

Seit Beginn der Corona-Krise zieht es viel mehr Menschen als früher zu den öffentlichen Arbeitgebern. Das ist schön, reicht aber nicht, um die künftigen Lücken zu schließen. Im Umgang mit der Werbetrommel muss Vater Staat noch furioser werden.

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