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GOODBYE PRIVATWIRTSCHAFT – HELLO ÖFFENTLICHER DIENST

An jeder Ecke trifft man sie nicht – hoch qualifizierte Frauen und Männer, die ihre Karrierepositionen in der Privatwirtschaft zugunsten einer Tätigkeit bei einem öffentlichen Arbeitgeber aufgegeben haben. Hier erzählen sie, warum sie den Schritt gewagt und nicht bereut haben.

Foto:  Adobe Stock

Eine Zeitlang hatte Andreas Wohlrab aus dem oberfränkischen Hof richtig Spaß bei der Arbeit. Für eine internationale Technologieberatung reiste der Diplom-Informatiker unter der Woche quer durch halb Europa, von einem Data Center zum nächsten, immer auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten. Nach fünf Jahren allerdings stand es ihm bis obenhin. „Gefühlt war ich ständig auf dem Flieger“, ruft er sich in Erinnerung, „für Familie und Hobbies waren die Wochenenden immer viel zu kurz.“ 

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Wenn man das Zusammensein mit Freunden, Wanderungen und Radtouren auf Wochen im Voraus planen muss, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass die Work-Life-Balance aus dem Tritt geraten ist. Als der Vielflieger Ende 2008 über ein Stellenangebot stolperte, in dem eine Person mit Expertise für die IT-Reorganisation der Großdatenverarbeitung in München gesucht wurde, sagte er: „Bingo“. Wenige Monate später zog Wohlrab nach München, um seinen neuen Job im öffentlichen Dienst als Leiter des Geschäftsfelds Infrastruktur, Basisservices und Support anzutreten. 

„Die Stelle ist der Haupttreffer“, sagt er zufrieden. „Inhaltlich war und ist das genau mein Thema.“  Der Schritt vom globetrottenden IT-Professional in den öffentlichen Dienst mit geregelten Arbeitszeiten, gründlich erwogenen Entscheidungen und dort üblicher Bezahlung war kein kleiner. 

„Ich musste mich an bestimmte Geschwindigkeiten gewöhnen“, sagt Wohlrab. Aber das war auch der einzige Wermutstropfen. „Die fachliche Herausforderung passt hervorragend, der Umgang mit Menschen ist vorbildlich, und der sichere Arbeitsplatz ist ein unschätzbarer Bonus. Hier wird niemand einfach auf die Straße gesetzt.“ Gut, beim Einkommen hatte er deutliche Abstriche machen müssen. Nüchtern wog der IT’ler ab, wie viel Gehaltseinbuße ihm das Mehr an Privatleben wert war. Das Ergebnis der Rechnung: „Unter dem Strich habe ich dazugewonnen.“ München ist sein Zuhause geworden, Freitag kann er mal früher Feierabend machen, und nachts kann er im eigenen Bett schlafen. Dafür verzichtet Andreas Wohlrab gern auf den Blick von oben auf die Wolken. „Das hier ist eine ganz andere Lebensqualität.“

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Nach mehr als 20 Jahren in der Unternehmensberatung, als Personalleiter mit Prokura, Mitglied der Geschäftsleitung und zuletzt als Leiter des operativen Geschäftes bei einem Zulieferer der Luft- und Raumfahrt unterschrieb Oliver Plank Ende 2020 einen Arbeitsvertrag bei einem großen kommunalen Unternehmen in Bayern. „Gestutzt oder mich ungläubig angeschaut hat niemand, dem ich von meinem bevorstehenden Wechsel erzählt habe“, schmunzelt der Diplom-Kaufmann. „Im Gegenteil, die fanden das alle super: Nach acht bis neun Umzügen für den Beruf endlich dauerhaft an einem Standort! Und dann auch noch solch ein Job!“ Als Leiter Personalmanagement und Personalservices ist der 49-Jährige für rund 10.000 Mitarbeiter mit einem breiten Aufgabenspektrum verantwortlich: Stromversorgung, Kraftwerke, Wasserwerke, die Sicherstellung des Nahverkehrs und der kommunalen Bäder. 

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„Zuerst habe ich über die Stellenanzeige hinweggelesen“, erinnert er sich. Um wenig später festzustellen, dass sein neuer Arbeitgeber ein Riesenunternehmen ist und der Job eine reizvolle Herausforderung. Plank: „Er verlangt hohe Eigenverantwortung und bietet Perspektiven – alles was mir wichtig ist.“

 

Total beeindruckt hat den Manager die blitzschnelle Reaktion auf seine Bewerbung: Morgens um 10 Uhr hatte er die Mail abgeschickt, schon um 15 Uhr kam der Anruf: Wann sehen wir uns? Ein, zwei Gespräche, ab ins Assessment Center, Vertragsentwurf im Postfach: „Alles ging innerhalb von zwei Monaten über die Bühne.“ Auch dass sein Berufsleben jetzt in ruhigeren Bahnen fließt als früher, kann Oliver Plank nicht sagen. Das hat er aber auch nicht gewollt. „Work-Life-Balance war für mich kein entscheidendes Thema“, versichert er. „Ich will bei meiner Arbeit Gestaltungsspielraum haben, ich will verändern können, ich will Spaß haben und meinen Stempel aufdrücken können.“ Zu verdanken hat er das einer Führungskraft, die er „sensationell“ nennt, und einem Arbeitgeber, der selbst während der Corona-Pandemie nicht in Panik verfiel: „Man sondiert die Lage und führt das Unternehmen ruhig weiter. Da wird wirklich nachhaltiges Management betrieben.“

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Bis 2018 stand Elisabeth Scarlat an der Spitze einer Unterabteilung in einer privaten Rehabilitationsklinik in Wien. Als die heute 52-jährige Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie aus privaten Gründen nach Bayern zog und nach einem neuen Job Ausschau hielt, stand für sie von vorneherein fest: Im Krankenhaus wollte sie nicht mehr arbeiten. „Auf Dauer sind die Wochenend- und Nachtdienste doch recht anstrengend“, sagt die Medizinerin. Aber eine interessante Tätigkeit sollte es sein, mit geregelten Arbeitszeiten, geregeltem Einkommen und Sinnhaftigkeit. „In dieser Kombination“, lacht Scarlat, „ist das eher selten.“

Gefunden hat sie die Traumkombi im Gesundheitsreferat einer bayrischen Stadt. „Es bereitet große Freude, eine für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung sinnvolle Tätigkeit auszuüben“, versichert Elisabeth Scarlat. Sie ist  im Infektionsschutz tätig, und das bringt in Corona-Zeiten leider doch unregelmäßige Arbeitszeiten mit sich. 

„Aber kein Vergleich zum Krankenhaus“, lobt sie. „In einer Klinik sind Überstunden meist die Norm, hier sind sie für mich die Ausnahme, und es gibt dafür einen Zeitausgleich. Das habe ich in zwölf Jahren Krankenhaus nicht in dieser Form erlebt.“ Und wie verkraftet sie den Einkommensnachteil? „Gewiss, ich verdiene weniger als in der Privatwirtschaft“, sagt die Ärztin. „Aber man muss die Boni sehen. Gerade jetzt in der Corona-Zeit freut man sich über ein regelmäßiges Einkommen, egal wie die Wirtschaftslage ist.“ Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hätten nicht wenige Privatpraxen und -kliniken in den zurückliegenden Monaten Personal reduziert. „Und viele Kollegen sind vorzeitig in den Ruhestand gegangen“, weiß Scarlat, „die sagten sich: Das tue ich mir für zwei Jahre nicht mehr an.“ Es gibt noch einen Pluspunkt: „Ein schönes Arbeitsklima“, freut sich Scarlat. „Ein helles, geräumiges Einzelbüro, wo man auch unter Wahrung der Intimsphäre und des Datenschutzes in Ruhe ein Gespräch mit den Patienten und Klienten führen kann.“ 

Gesetzestexte wälzen, Verträge entwerfen, Mandantengespräche und Verhandlungen führen, Referendare anleiten – fast 20 Jahre lang war das der Berufsalltag von Karsten Schmid. Als Rechtsanwalt in einer international tätigen Großkanzlei fand er nur wenig Zeit, um seiner wissenschaftlichen Passion für das Zivilrecht nachzugehen. „Ich hatte zwar einiges veröffentlicht und außerdem einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Nürnberg, aber das war mir nicht genug“, sagt der Jurist. „Ich wollte mein Tätigkeitsgebiet wissenschaftlich aufarbeiten, und neben dem Beruf muss das zwangsläufig immer ein Stückwerk sein.“ Im Frühjahr vor zwei Jahren ergriff er die Chance seines Leben am Schopf: Per Ausschreibung fahndete die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW nach einem Rechtsgelehrten für die angehenden Hüter von Recht und Gesetz. 

 Foto: Privat

Im gefragten juristischen Fachgebiet ist Schmid zu Hause, und auch sonst erfüllte der promovierte Volljurist die Einstellungsbedingungen für die Berufung zum Fachhochschulprofessor mit links: mehrjährige Berufserfahrung, wissenschaftliche Publikationen, Lehrerfahrung. 

Weil das alles so wunderbar passte, verabschiedete sich Karsten Schmid aus der Kanzlei – „Die Kollegen hatten volles Verständnis für diesen Schritt“ – und ging daran, sein Hobby zum Beruf zu machen. Bis zum endgültigen Tausch Gerichtssaal gegen Hörsaal dauerte es aber dann doch länger als ein halbes Jahr. Denn wie jeder angehende Professor musste auch er eine Probevorlesung halten und im Gespräch mit der Berufungskommission überzeugen. Erst als alle Seiten grünes Licht signalisierten, erfolgte sein Ruf an die Hochschule.

 

Reizvoll findet der Jurist die Arbeit mit den jungen Leuten und das hohe Maß an Zeitautonomie, das mit der Tätigkeit eines Hochschullehrers einhergeht. Nach wie vor wohnt der 52-Jährige in Erlangen und pendelt zu den Vorlesungen ins Ruhrgebiet. Im Homeoffice bereitet er seine Vorlesungen vor, tauscht sich virtuell mit Kolleginnen und Kollegen in Fachgremien aus und geht dem Zivilrecht wissenschaftlich auf den Grund. Er sei ein glücklicher Spätwechsler in den öffentlichen Dienst, sagt Karsten Schmid: „Ich mache jetzt das, was ich machen will.“       
                    

Karen Engelhardt

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NICHT FÜR JEDEN, SONDERN FÜR ALLE ARBEITEN

Der öffentliche Dienst bietet eine Fülle an sinnvollen Aufgaben und spannenden Entfaltungsmöglichkeiten.
Doch es gibt noch einiges zu tun, damit sich künftig mehr Bewerber für ihn entscheiden.

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung3 – Digitalisierung

Der runde Tisch teilnehmer

  • Werner Albrecht

    ist seit November 2013 Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München (SWM). 

    Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er fast 20 Jahre für die Gewerkschaft ÖTV, später ver.di. 2003 ging er zu den SWM in den Bereich Personalpolitische Grundsatzfragen. 2007 wechselte er in das Büro der Geschäftsführung, 2013 wurde er Leiter des Personalmanagements.

  • Dr. Alexander Dietrich

    ist seit Juli 2016 hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. 

    Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt, als Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht München sowie als Referatsleiter für Justiz und öffentlichen Dienst bei der CSU-Landtagsfraktion. Von 2013 bis 2016 war er ehrenamtlicher Stadtrat der CSU.

  • Kerstin Dübner-Geeist

    seit März 2018 Leiterin der neuen Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). 

    Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Munich Dual Career Office und Koordinatorin des Zukunftskonzepts Exzellenzinitiative der Technischen Universität München. Zuletzt verantwortete sie das Geschäftsfeld Interne Angebote der Fraunhofer Academy.

  • Friederike Engert

    ist seit August 2014 Sachgebietsleiterin im Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. 

    Sie leitet das Sachgebiet Personal für akademisches Personal in der allgemeinen inneren Verwaltung und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Bologna arbeitete sie zwei Jahre als Rechtsanwältin in einer Münchner Großkanzlei, ehe sie 1999 in das Staatsministerium wechselte.

  • Dr. Nicole Lang

    ist seit Mai 2018 Leiterin der Abteilung II „Recht des öffentlichen Dienstes und Personalverwaltung“ im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. 

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg begann sie 1999 ihre Karriere beim Staatsministerium der Finanzen. 2007 wurde sie Büroleiterin des Staatsministers, 2011 Referatsleiterin für „Besoldung und Stellenpläne“.

  • Harald Riedel

    ist seit 2008 Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. 

    Aufgabenschwerpunkt ist die Schaffung einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Nach dem Studium der Volkswirtschaft begann er bei der Münchener Ingenieurberatungsgesellschaft Dorsch Consult in der Entwicklungsplanung. Von 1996 bis 2004 war er Geschäftsführer der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion und von 2004 bis 2008 Referatsleiter in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Neben seiner Arbeit als Kämmerer ist er seit Mai 2017 auch für die Bereiche Personal und IT verantwortlich.

  • Norbert Sauer

    Ist seit Juli 2017 Leiter der Personalabteilung bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). 

    Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn begann er als Controller im Rechnungswesen der Quelle Versicherungen in Fürth. 1999 wechselte er als Revisor zur BVK und war jeweils fünf Jahre stellvertretender Revisionsleiter und Leiter des Vorstandsreferats.

DER RUNDE TISCH – Arbeiten beim öffentlichen Dienst

Seit Beginn der Corona-Krise zieht es viel mehr Menschen als früher zu den öffentlichen Arbeitgebern. Das ist schön, reicht aber nicht, um die künftigen Lücken zu schließen. Im Umgang mit der Werbetrommel muss Vater Staat noch furioser werden.

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