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Zufriedene Mitarbeiter sind die besten Werber. Ihre Begeisterung zur Gewinnung neuer Kollegen zu nutzen, ist nur ein Tipp von Personalexperten im und nahe dem öffentlichen Dienst.

Wenn die Kolleginnen und Kollegen sympathisch und glaubwürdig rüberkommen, sind sie die idealen Markenbotschafter. Foto: kues1/Adobe Stock

Manche Vorurteile halten sich hartnäckig. „Dem öffentlichen Dienst geht ein schlechter Ruf voraus“, nennt Stefan Döring das Kind beim Namen. Außenstehende dächten beim Stichwort „Verwaltung“ an Antragsstellung und Bearbeitungsdauer – aber nicht an agile Arbeit, Daily Standups und Latte Macchiato to go. „Die dem öffentlichen Dienst zugeschriebene Verkrustung“, weiß der promovierte Wirtschaftspädagoge und Diplom-Verwaltungswirt, im Hauptberuf Kommunalbeamter, im Nebenberuf Blogger und gefragter HR-Experte, „schreckt viele ab, für die ein Wechsel zu einer Behörde oder einem kommunalen Arbeit-geber durchaus eine Karriereoption sein könnte.“

 

Damit könnte man es bewenden lassen und resigniert seufzen: „Dann geht’s eben nicht.“ Man könnte aber auch seine jeweiligen Bordmittel in der Flottenfamilie Staat, Land, Kommune sichten und einen neuen Kurs einschlagen. „Einige öffentliche Arbeitgeber sind im Recruiting schon ziemlich weit vorn“, lobt Stefan Döring. Weil der Mangel die Kreativität beflügelt, sind darunter oft kommunale Unternehmen und Dienststellen, die besonders qualifizierte und daher am Arbeitsmarkt kräftig umworbene Mit-arbeiter wie Computer- und Netzwerkspezialisten, Ingenieure oder Betriebswirte benötigen. Von ihnen kann man sich durchaus manches abgucken.

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Suchprofil schärfen. Ganz wichtig, sagt Stefan Döring, sei es: „Zu definieren: Wen suchen wir eigentlich? Welche Qualifikation benötigen wir, welche Berufserfahrung, welcher Typ Mensch passt zu uns?“ Unter Umständen erkennt man schon jetzt, dass man den allseits begehrten Professional nicht bekommen wird. „Dann kann man sich auf Anfänger, erfahrene Ältere oder Seiteneinsteiger konzentrieren.“ Um in den Alternativen nicht von vorneherein die zweitbeste Lösung zu sehen, was jeder Bewerber spätestens in der Probezeit heraus haben dürfte, muss man Döring zufolge ehrlich sagen: „Die kriegen wir nicht, die können wir nicht bezahlen.“

 

Mit Testimonials Gefühle ansprechen. Daniel Brüggemann leitet das Recruiting bei einem großen Versorgungsunternehmen in Süddeutschland. Sein Erfolgsrezept sind Personalwerbe-kampagnen, deren Botschaften über spezifische Kommunikationskanäle an klar definierte Zielgruppen adressiert werden. „Wir haben gerade zwei große Kampagnen für IT‘ler und Bauingenieure gestartet“, erzählt der Chefrecruiter, „in denen unsere eigenen Leute die spannenden Aufgaben in ihren Berufsfeldern darstellen.“ Wenn die eigenen Mitarbeiter künftige Kolleginnen und Kollegen zur Bewerbung auffordern, wirkt das menschlich, sympathisch und glaubwürdig. Im Hintergrund lassen sich Brüggemann und sein Team von Algorithmen helfen. „Wir nutzen bei der Belegung der Medien alle möglichen und zulässigen Auswertungsmöglichkeiten“, sagt er. „Auf welchen Webseiten tummeln sich unsere Zielmitarbeiter? Welche Motive, Botschaften, Projekte finden sie am spannendsten? Wie lange bleiben die Leute auf der Seite, wie oft wird geklickt, gefragt, geantwortet? Und wie viele landen dann auf der „Ich bewerbe mich“-Seite?“ Das kommunale Versorgungsunternehmen nutzt diese Suchmethode schon seit mehreren Jahren. Brüggemann ist zufrieden: „Das funktioniert gut.“

 

Die Einzigartigkeit betonen. „Wenn eine Behörde eine Stelle annonciert, ist sie eine von Tausenden“, sagt Personalexperte Stefan Döring. „Um das Interesse potenzieller Bewerber zu wecken, muss die Anzeige positiv aus der Masse herausstechen.“ Das gelingt zum einen, in dem der Arbeitgeber seine Stärken hervorhebt – seine Größe, die vorzügliche Lage des Arbeitsortes, seine Bedeutung für das Gemeinwesen, seine hervorragenden sozialen Leistungen, was auch immer der suchende Blick zutage fördert. Schließlich will jede und jeder gern bei einem Gewinner arbeiten. Das zweite Highlight ist die Einzigartigkeit der ausgeschriebenen Stelle. „Das signalisiert Wertschätzung“, verdeutlicht Döring. „Das heißt nämlich: Die Aufgabe ist wichtig, und dafür brauchen wir genau Dich.“ In der Kombination dieser zwei Hingucker lautet die Botschaft: „Weil wir besonders sind, schätzen wir Deine Individualität. Bei uns versinkst Du nicht im Einheitsbrei.“

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Den Sinn der Arbeit in den Vordergrund rücken. Das Gehalt, die Karriere, das Betriebsklima – auf was legen Arbeitnehmer heute den größten Wert? „Dass man in seinem Beruf etwas Sinnvolles tut“, ist Daniel Brüggemann überzeugt. „Im öffentlichen Dienst arbeitet man eben nicht für einen Finanzinvestor oder für anonyme Aktionäre, sondern für die Gesellschaft, für die Mitbürger in der Stadt oder auf dem Land, wo man vielleicht selber lebt. Das ist nicht nur der jüngeren Generation wichtig, sondern auch den berufserfahrenen 40- und 50-Jährigen.“ Natürlich spielt das Einkommen auch eine Rolle. Dazu muss freilich all das hinzugerechnet werden, was nur die öffentlichen Arbeitgeber bieten: Arbeitsplatzsicherheit, flexible Arbeitszeiten, eine anständige Altersvorsorge, Weiterbildung, vielleicht sogar Mitarbeiterrabatte. „Wenn man das alles gegenrechnet, liegt das Gehalt vielleicht immer noch ein wenig unter dem, das die Privaten zahlen“, sagt Brüggemann. „Aber dafür kann man am Freitagnachmittag den Laptop zuklappen und sicher sein, dass niemand anruft und sagt: ‚Vergiss das Wochenende. Am Montagmorgen will ich folgendes von Dir haben…‘.“

 

Die richtigen Suchkanäle nutzen. Viele Bewerber aus der privaten Wirtschaft werden erst gar nicht auf offene Stellen im öffentlichen Dienst aufmerksam. Denn sie halten ja selten nach Ausschreibungen in Amtsblättern oder branchenspezifischen Fachmagazinen Ausschau. Stattdessen suchen sie, so die Studie „Recruiting Trends 2020“, im Internet nach offenen Stellen: 78,8 Prozent steuern die Karrierewebseiten der Arbeitgeber an, und 71,4 Prozent klicken sich durch Jobbörsen. Für Ralf Kuncser, CEO der Personalmarketing Agentur Raven51 AG, ist allerdings die klassische Stellenanzeige nach wie vor das wichtigste Recruiting-Medium: „Vor allem, wenn sie in ein cleveres Recruiting-Paket eingebunden ist, das via Social Media oder Google Ads auch bei passiven Kandidaten für Traffic sorgt.“ Selbst wer den virtuellen Communities kein großes Zutrauen schenkt, sollte es den Stellenanzeigen auf der eigenen Webseite zukommen lassen. Fotos und hier und da ein Spritzer Witz und Originalität bewirken Wunder – besonders dann, wenn sich die Ideen der eigenen Mitarbeiter darin wiederfinden. Dann können sich Dienststellen- und Abteilungsleiter nämlich sicher sein, dass die Jobangebote auch über die privaten Accounts der Beschäftigten weitergegeben werden.

„VIELES LÄUFT ÜBER MUND-ZU-MUND-PROPAGANDA.“

Aktiv auf die Suche gehen. Auch das sogenannte Active Sourcing ist kein Fremdwort für den öffentlichen Arbeitgeber, für den Daniel Brüggemann Tag für Tag nach neuen Kollegen sucht. Gemeint ist damit, Menschen direkt über soziale Plattformen wie Xing oder LinkedIn anzuschreiben. „Wer dort seinen Lebenslauf einstellt, signalisiert: Ich will von einem Personal suchenden Unternehmen angesprochen werden“, sagt der Recruiter. „Wenn wir fachlich passende Mitarbeitende entdecken, schreiben wir jede und jeden einzelnen individuell an und sagen, was wir suchen und was wir zu bieten haben. Das kommt sehr gut an, denn die Menschen fühlen sich dadurch ernstgenommen und wertgeschätzt.“ Um mit jeder Mitarbeitergruppe in deren eigener Fachsprache reden zu können, ist das Know-how auf Arbeitgeberseite breit verteilt. „Jeder unserer 18 Recruiter“, sagt Brüggemann stolz, „betreut eine bestimmte Zielgruppe.“

 

Werbung über die eigenen Mitarbeiter. Keineswegs unterschätzen darf man die Wirkung persönlicher Empfehlungen. Wer mit Freude bei einem kommunalen Arbeitgeber oder in einer Behörde tätig ist, wird auch gern davon erzählen. „In kleineren Kommunen, die nicht so viele Stellen zu besetzen haben, läuft vieles über Mund-zu-Mund-Propaganda“, bestätigt Andreas Hemsing, Vorsitzender der Gewerkschaft Komba. Und: „Viele, die für Ausbildung oder Studium in die Stadt gezogen sind, kehren wieder zurück, wenn sie Eigentum erwerben und Familie gründen wollen.“ Ein Grund mehr, das alljährliche Sommerfest für die Mitarbeiter doch nicht aus Kostengründen zu verschieben. Wenn am Wochenende der in der Großstadt wohnende Mathematiker-Sohn oder die soeben mit dem Architekturstudium fertige Tochter den begeisterten Bericht von Vater oder Mutter hören, könnte das genau der Stupser sein, der zur Bewerbung motiviert.      

 

Karen Engelhardt

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Doch es gibt noch einiges zu tun, damit sich künftig mehr Bewerber für ihn entscheiden.

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung3 – Digitalisierung

Der runde Tisch teilnehmer

  • Werner Albrecht

    ist seit November 2013 Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München (SWM). 

    Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er fast 20 Jahre für die Gewerkschaft ÖTV, später ver.di. 2003 ging er zu den SWM in den Bereich Personalpolitische Grundsatzfragen. 2007 wechselte er in das Büro der Geschäftsführung, 2013 wurde er Leiter des Personalmanagements.

  • Dr. Alexander Dietrich

    ist seit Juli 2016 hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. 

    Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt, als Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht München sowie als Referatsleiter für Justiz und öffentlichen Dienst bei der CSU-Landtagsfraktion. Von 2013 bis 2016 war er ehrenamtlicher Stadtrat der CSU.

  • Kerstin Dübner-Geeist

    seit März 2018 Leiterin der neuen Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). 

    Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Munich Dual Career Office und Koordinatorin des Zukunftskonzepts Exzellenzinitiative der Technischen Universität München. Zuletzt verantwortete sie das Geschäftsfeld Interne Angebote der Fraunhofer Academy.

  • Friederike Engert

    ist seit August 2014 Sachgebietsleiterin im Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. 

    Sie leitet das Sachgebiet Personal für akademisches Personal in der allgemeinen inneren Verwaltung und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Bologna arbeitete sie zwei Jahre als Rechtsanwältin in einer Münchner Großkanzlei, ehe sie 1999 in das Staatsministerium wechselte.

  • Dr. Nicole Lang

    ist seit Mai 2018 Leiterin der Abteilung II „Recht des öffentlichen Dienstes und Personalverwaltung“ im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. 

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg begann sie 1999 ihre Karriere beim Staatsministerium der Finanzen. 2007 wurde sie Büroleiterin des Staatsministers, 2011 Referatsleiterin für „Besoldung und Stellenpläne“.

  • Harald Riedel

    ist seit 2008 Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. 

    Aufgabenschwerpunkt ist die Schaffung einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Nach dem Studium der Volkswirtschaft begann er bei der Münchener Ingenieurberatungsgesellschaft Dorsch Consult in der Entwicklungsplanung. Von 1996 bis 2004 war er Geschäftsführer der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion und von 2004 bis 2008 Referatsleiter in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Neben seiner Arbeit als Kämmerer ist er seit Mai 2017 auch für die Bereiche Personal und IT verantwortlich.

  • Norbert Sauer

    Ist seit Juli 2017 Leiter der Personalabteilung bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). 

    Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn begann er als Controller im Rechnungswesen der Quelle Versicherungen in Fürth. 1999 wechselte er als Revisor zur BVK und war jeweils fünf Jahre stellvertretender Revisionsleiter und Leiter des Vorstandsreferats.

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Seit Beginn der Corona-Krise zieht es viel mehr Menschen als früher zu den öffentlichen Arbeitgebern. Das ist schön, reicht aber nicht, um die künftigen Lücken zu schließen. Im Umgang mit der Werbetrommel muss Vater Staat noch furioser werden.

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