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Auf geht's!

Das stärkste Pfund, mit dem Recruiter im öffentlichen Dienst wuchern können, ist die Sicherheit der Arbeitsplätze: Sie wandern weder nach Fernost noch in die Cloud.

Foto: Adobe Stock

Aber zieht das Argument auch bei Fach- und Führungskräften solcher Berufe, um die sich alle Arbeitgeber reißen? Bernhard Schelenz, Fachmann für Arbeitgeberkommunikation, rät den öffentlichen Arbeitgebern zu mehr Mut beim Recruiting.

Wie wichtig ist gesuchten Fachkräften, sagen wir: Informatikern und Ingenieuren, der sichere Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst oder bei einem kommunalen Unternehmen?

Schelenz – Es mag Ausnahmen geben, aber für die meisten ist das Sicherheitsargument eher von geringer Bedeutung. Wer als einigermaßen ausgeschlafener Absolvent eines MINT-Faches die Hochschule verlässt, hat quasi eine lebenslange Beschäftigungsgarantie. Wenn nicht in Rosenheim, dann in Regensburg oder in München, in Wien oder in Manila. Wer Logik und Zahlen beherrscht, ist weltweit willkommen

Bernhard Schelenz, Geschäftsführer der gleichnamigen Agentur für Arbeitgeberkommunikation in Großkarlbach. Foto: Schelenz GmbH

Total beeindruckt hat den Manager die blitzschnelle Reaktion auf seine Bewerbung: Morgens um 10 Uhr hatte er die Mail abgeschickt, schon um 15 Uhr kam der Anruf: Wann sehen wir uns? Ein, zwei Gespräche, ab ins Assessment Center, Vertragsentwurf im Postfach: „Alles ging innerhalb von zwei Monaten über die Bühne.“ Auch dass sein Berufsleben jetzt in ruhigeren Bahnen fließt als früher, kann Oliver Plank nicht sagen. Das hat er aber auch nicht gewollt. „Work-Life-Balance war für mich kein entscheidendes Thema“, versichert er. „Ich will bei meiner Arbeit Gestaltungsspielraum haben, ich will verändern können, ich will Spaß haben und meinen Stempel aufdrücken können.“ Zu verdanken hat er das einer Führungskraft, die er „sensationell“ nennt, und einem Arbeitgeber, der selbst während der Corona-Pandemie nicht in Panik verfiel: „Man sondiert die Lage und führt das Unternehmen ruhig weiter. Da wird wirklich nachhaltiges Management betrieben.“

 Wenn der sichere Arbeitsplatz kein Lockmittel ist: Womit winkt man als Recruiter dann?

Schelenz  – Mit dem, was sich fast alle Menschen wünschen und womit der öffentliche Dienst der privaten Wirtschaft haushoch überlegen ist: die realistische Chance auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance trotz einer herausfordernden Arbeit. Wobei beide Teile wichtig sind, der geregelte Feierabend und eine verantwortungsvolle und spannende Tätigkeit. Viele Leute denken, das ginge nicht zusammen. Aber sicher geht das – im öffentlichen Dienst.

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Manches, was Recruiter in der freien Wirtschaft tun können, ist dem öffentlichen Dienst aber verwehrt. Und die finanziellen Möglichkeiten sind auch begrenzt. Was sagen Sie jetzt?

Schelenz – Klar sind die Rahmenbedingungen einzuhalten. Aber auch Personaler haben Gestaltungsspielräume, und die sind manchmal elastischer, als man denkt. Man kann sich hinter der Bürokratie verstecken. Man kann sich aber auch mal recken und strecken und über die Mauer gucken, was die anderen so machen. Und dann daran arbeiten, diese Mauer zu überwinden.

 

Wie zum Beispiel?

Schelenz – Mit einem bisschen mehr Pepp in der Außendarstellung und differenzierenden Arbeitgeberaussagen. Niemand will in einer Stellenanzeige lesen, wie lange es das Unternehmen gibt oder was die Behörde alles für die Bürger tut. Das kann man googeln. Was man aber nicht so leicht findet, sind Aussagen zur Haltung des Arbeitsgebers. Beispiel Diversity: Wird das nur plakatiert oder tatsächlich gelebt? Oder zum Homeoffice: Ist das Standard oder wird hier nur verbal der Zeitgeist bedient?

 

Was interessiert Jobsuchende sonst noch?

Schelenz – Sie wollen wissen, wie es im Unternehmen wirklich zugeht. Wie da gearbeitet wird, wie die Kultur ist, ob man seine Ellenbogen einsetzen muss oder ob, wenn von „Teamgeist“ die Rede ist, ernsthaft das Miteinander gemeint ist. Und wie dort geführt wird: nur funktional und strikt prozessorientiert oder auch wertschätzend und empathisch.

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Und wie zeigt man das im Recruiting?

Schelenz – Mit Kronzeugen. In der Privatwirtschaft ist es gang und gäbe, mit Markenbotschaftern aus den Reihen der Mitarbeiter zu arbeiten. Auch Bewerber wollen stolz sein auf den neuen Arbeitgeber. Überhaupt ist Stolz auf Erlebtes oder Vorgelebtes die stärkste Kraft beim Finden neuer Talente und bei der Mitarbeiterbindung. Für ein erfolgreiches Recruiting braucht der öffentliche Dienst ein glaubwürdiges und kreatives Storytelling mit überzeugenden Akteuren.

 

Dann darf die Geschichte aber nicht bei den Besoldungsstufen enden, richtig?

Schelenz – Dem öffentlichen Dienst wird eine gewisse Schwerfälligkeit zugeschrieben – auch beim Thema Karriereentwicklung. Menschen suchen aber nach Perspektiven. Selbst wenn sie wissen, dass die Karrierepfade im öffentlichen Dienst normiert sind, wollen sie, dass der Arbeitgeber gemeinsam mit ihnen nach passgenauen individuellen Lösungen sucht – und sie dann auch findet. Mancher Nerd mag eine verschrobene Type sein, aber fachlich voll auf der Höhe. Wenn man den haben will, muss er aus der Job-beschreibung herauslesen können: „Das passt für mich.“

 

Kathrin Engelhardt

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NICHT FÜR JEDEN, SONDERN FÜR ALLE ARBEITEN

Der öffentliche Dienst bietet eine Fülle an sinnvollen Aufgaben und spannenden Entfaltungsmöglichkeiten.
Doch es gibt noch einiges zu tun, damit sich künftig mehr Bewerber für ihn entscheiden.

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung3 – Digitalisierung

Der runde Tisch teilnehmer

  • Werner Albrecht

    ist seit November 2013 Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München (SWM). 

    Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er fast 20 Jahre für die Gewerkschaft ÖTV, später ver.di. 2003 ging er zu den SWM in den Bereich Personalpolitische Grundsatzfragen. 2007 wechselte er in das Büro der Geschäftsführung, 2013 wurde er Leiter des Personalmanagements.

  • Dr. Alexander Dietrich

    ist seit Juli 2016 hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. 

    Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt, als Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht München sowie als Referatsleiter für Justiz und öffentlichen Dienst bei der CSU-Landtagsfraktion. Von 2013 bis 2016 war er ehrenamtlicher Stadtrat der CSU.

  • Kerstin Dübner-Geeist

    seit März 2018 Leiterin der neuen Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). 

    Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Munich Dual Career Office und Koordinatorin des Zukunftskonzepts Exzellenzinitiative der Technischen Universität München. Zuletzt verantwortete sie das Geschäftsfeld Interne Angebote der Fraunhofer Academy.

  • Friederike Engert

    ist seit August 2014 Sachgebietsleiterin im Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. 

    Sie leitet das Sachgebiet Personal für akademisches Personal in der allgemeinen inneren Verwaltung und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Bologna arbeitete sie zwei Jahre als Rechtsanwältin in einer Münchner Großkanzlei, ehe sie 1999 in das Staatsministerium wechselte.

  • Dr. Nicole Lang

    ist seit Mai 2018 Leiterin der Abteilung II „Recht des öffentlichen Dienstes und Personalverwaltung“ im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. 

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg begann sie 1999 ihre Karriere beim Staatsministerium der Finanzen. 2007 wurde sie Büroleiterin des Staatsministers, 2011 Referatsleiterin für „Besoldung und Stellenpläne“.

  • Harald Riedel

    ist seit 2008 Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. 

    Aufgabenschwerpunkt ist die Schaffung einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Nach dem Studium der Volkswirtschaft begann er bei der Münchener Ingenieurberatungsgesellschaft Dorsch Consult in der Entwicklungsplanung. Von 1996 bis 2004 war er Geschäftsführer der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion und von 2004 bis 2008 Referatsleiter in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Neben seiner Arbeit als Kämmerer ist er seit Mai 2017 auch für die Bereiche Personal und IT verantwortlich.

  • Norbert Sauer

    Ist seit Juli 2017 Leiter der Personalabteilung bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). 

    Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn begann er als Controller im Rechnungswesen der Quelle Versicherungen in Fürth. 1999 wechselte er als Revisor zur BVK und war jeweils fünf Jahre stellvertretender Revisionsleiter und Leiter des Vorstandsreferats.

DER RUNDE TISCH – Arbeiten beim öffentlichen Dienst

Seit Beginn der Corona-Krise zieht es viel mehr Menschen als früher zu den öffentlichen Arbeitgebern. Das ist schön, reicht aber nicht, um die künftigen Lücken zu schließen. Im Umgang mit der Werbetrommel muss Vater Staat noch furioser werden.

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