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3 – Digitalisierung

Im Wohnungsbau wird Holz seit einiger Zeit wieder hoch gehandelt, wie die jüngsten Kapriolen am Holzmarkt zeigen. Frau Kugler, welche Hoffnung setzen Sie mit Blick auf mehr Nachhaltigkeit bei der Immobilienentwicklung in diesen Baustoff?

Mithilfe der Digitalisierung schneller zu werden, ohne dabei Fehler machen zu dürfen, sei das Dilemma des öffentlichen Dienstes, sagte Harald Riedel, Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. Foto: The Point of View Photography

Alexander Dietrich – Es gibt noch einiges zu tun. Wir hinken der Entwicklung zum Teil noch hinterher, weil wir zu wenig Standards haben, das heißt jeder macht sein eigenes Ding. Deshalb kooperieren wir bei der Digitalisierung mit Augsburg und Nürnberg. Uns hemmen aber auch die langwierigen Vergabeverfahren, wenn wir neue Technologien einsetzen wollen. Da hat uns die Corona-Krise ein Stück weit geholfen, weil das Vergaberecht vorübergehend gelockert wurde, sodass man Dinge ohne europaweite Ausschreibung zügig beschaffen konnte. Zudem werden beim öffentlichen Dienst sehr hohe Anforderungen an den Datenschutz und die IT-Sicherheit gestellt. Deshalb herrscht eine gewisse Risikovermeidungskultur, die wir ändern müssen, um Dienstleistungen agiler und schneller zum Bürger zu bringen.

Harald Riedel – Die wesentliche Herausforderung bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes besteht darin, vernünftige digitale Prozesse aufzusetzen und nicht einfach die alten Prozesse zu digitalisieren. Wir bieten als Stadt sehr viele komplexe Leistungen. Ich hätte an einigen Stellen gerne etwas mehr Zeit, um mir die Frage zu stellen, wie ein Start-up herangehen würde, um eine Kämmerei digital zu organisieren. Unter Zeitdruck laufen wir Gefahr, die Leistungen zwar pünktlich zu digitalisieren, aber nicht unbedingt so, wie Digital Natives es gut finden. Im Bereich des Ausländerrechts haben wir beispielsweise schon viel erreicht und können so die Mitarbeiter entlasten und Dienstleistungen beschleunigen.

Alexander Dietrich – Deshalb verfolgen wir den Ansatz „Business follows IT“. Die umgekehrte Vorgehensweise war der Grund, warum einige Digitalisierungsprojekte im öffentlichen Dienst gescheitert sind.

Werner Albrecht – Die Stadtwerke sind mit Kraftwerken, Nahverkehr und anderen Dienstleistungen ja eher ein Unternehmen, das aus einer analogen Geschichte kommt. Aber unsere Geschäftsfelder haben sich schon längst digitalisiert, nicht zuletzt für unsere Kundinnen und Kunden. So wird die Stromablesung auf Dauer digital erfolgen, also über elektronische Ableser, die in jedem Haushalt eingebaut werden. Dadurch lässt sich dann auch der Stromverbrauch sehr genau messen. Bei Digitalisierungsprojekten schwingt immer die Angst der Mitarbeiter vor dem Arbeitsplatzverlust mit. Dabei halten wir unsere Leute und versuchen, ihnen neue und interessantere Aufgaben zu bieten. Es ist für das Innenverhältnis jedoch sehr wichtig, rechtzeitig zu informieren und die Beschäftigten auf dem Veränderungsprozess mitzunehmen.

Im öffentlichen Dienst zähle schon von Rechts wegen bei Einstellungen und Bewerbungen nicht die Herkunft einer Person, sondern deren Eignung, Befähigung und fachliche Leistung, betonte Dr. Nicole Lang, Abteilungsleiterin im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Foto: The Point of View Photography

Kerstin Dübner-Gee – Es ist schwierig, ein generelles Urteil über den Stand der Digitalisierung im öffentlichen Dienst zu fällen. Wenn ich an meine Arbeit für die Fraunhofer-Gesellschaft, die TU München und die Max-Planck-Gesellschaft denke, dann sind allein diese drei Organisationen hinsichtlich Prozessen und Digitalisierung sehr unterschiedlich aufgestellt. Die bereits erwähnte Absicherungskultur im öffentlichen Dienst behindert uns erheblich, denn die einzelnen Schritte potenzieren sich, sodass wir am Ende einfach zu langsam sind.

Harald Riedel – Man muss allerdings auch bedenken, dass eine schnelle Umsetzung und die Freischaltung einer unfertigen Software Risiken birgt. Die Bürger erwarten vom öffentlichen Dienst vor allem Sicherheit. Die Umsetzung der Corona-Warn-App ist ein gutes Beispiel, denn die wurde zwar relativ schnell gemacht, kam in der Öffentlichkeit aber schlecht an. Das Dilemma besteht für uns darin, dass wir schneller werden müssen, ohne uns Fehler leisten zu dürfen.

„DIE KULTUR DER ABSICHERUNG IM

ÖFFENTLICHEN DIENST BEHINDERT

UNS BEI DER DIGITALISIERUNG ERHEBLICH.“

Herr Sauer, in Deutschland fehlen laut einer Studie allein dem öffentlichen Dienst rund 47.000 IT-Kräfte. Wie viele benötigen allein Sie von denen?

Norbert Sauer – In den nächsten Jahren etwa 100. Wenn man bedenkt, dass wir insgesamt etwas über 1400 Mitarbeiter haben, dann ist das schon relativ viel. Bei uns werden ebenfalls viele Digitalisierungsprojekte vorangetrieben und wir investieren entsprechend in Manpower, aber auch in Womanpower. Wir versuchen gezielt auch weibliche Interessenten anzusprechen und es gelingt uns zunehmend, unsere Stellen entsprechend zu besetzen. Teilweise finden auch vermehrt Bewerberinnen mit Migrationshintergrund zu uns. Das Problem bei der Digitalisierung besteht jedoch nicht nur darin, die richtigen Leute zu finden, sondern wir machen uns auch bei der Vergabe an externe Dienstleister das Leben schwer. Gerade die Vorschriften zum EU-Vergabefahren sind kompliziert und für die potenziellen Dienstleister nicht verständlich. Oftmals erhalten wir nur sehr wenig oder keine Resonanz auf Ausschreibungsverfahren. Das zeigt, dass wir bei den Strukturen und Prozessen ebenfalls flexibler werden müssen.

 

Brauchen wir auf Dauer noch Bürgerämter, wenn alle Leistungen digital angeboten werden?

Harald Riedel – Bei uns heißt es „digital first, but not only“. Die öffentliche Verwaltung wird auch künftig für die Bürger direkt ansprechbar bleiben. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, die Mitarbeiter von Routinearbeit zu entlasten und den demographischen Wandel aufzufangen. Das ist nötig, weil wir für manche Aufgaben keine Leute mehr finden und diejenigen, die bei uns arbeiten, spannendere Aufgaben erfüllen können.

 

Jacob Neuhauser

Lucio Blandini – Bei der Bilanzierung von Baumaterialien muss man viele Faktoren berücksichtigen, unter anderen, aus welchen Quellen die Materialien stammen und wie sie am Ende recycelt werden. Es gibt viele Stellschrauben, an denen man bei einer Ausschreibung drehen kann, zum Beispiel die Energiequelle bei der Fertigung. Solche Faktoren entscheiden letztlich darüber, ob Stahl, Beton oder Holz für ein Projekt in der Betrachtung des gesamten Lebenszyklus am günstigsten sind.

Ralph Heim – Holz ist ein interessanter und vernünftiger Baustoff, wenn man ihn sehr lange nutzen kann. In unserem Marktsegment, also Villen in Stadtlage, spielt er momentan noch keine Rolle. Aber wir verfolgen die Entwicklung sehr genau. Bei Einfamilienhäusern spielt der schlechtere Schall- und Trittschallschutz von Holz nur eine geringe Rolle. Das kann bei Mehrfamilienhäusern dagegen schon zum Problem werden. Wer eine schicke Landhausvilla am Stadtrand bauen möchte, für den bietet Holz viele Möglichkeiten, gerade bei den Fassaden. Bei Mehrfami-lienhäusern ist die Zeit noch nicht reif, um genügend Käufer zu finden, weil die Erfahrungswerte fehlen, wie man auf Dauer in einem Holzhaus lebt und welche Vor- und Nachteile das hat. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob der Holzbau nur ein vorübergehender oder doch ein langfristiger Trend wird.

Jacob Neuhauser

Weitere Themen beim Runden Tisch – Arbeiten beim Öffentlichen Dienst

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung

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Der öffentliche Dienst bietet eine Fülle an sinnvollen Aufgaben und spannenden Entfaltungsmöglichkeiten.
Doch es gibt noch einiges zu tun, damit sich künftig mehr Bewerber für ihn entscheiden.

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung3 – Digitalisierung

Der runde Tisch teilnehmer

  • Werner Albrecht

    ist seit November 2013 Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München (SWM). 

    Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er fast 20 Jahre für die Gewerkschaft ÖTV, später ver.di. 2003 ging er zu den SWM in den Bereich Personalpolitische Grundsatzfragen. 2007 wechselte er in das Büro der Geschäftsführung, 2013 wurde er Leiter des Personalmanagements.

  • Dr. Alexander Dietrich

    ist seit Juli 2016 hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. 

    Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt, als Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht München sowie als Referatsleiter für Justiz und öffentlichen Dienst bei der CSU-Landtagsfraktion. Von 2013 bis 2016 war er ehrenamtlicher Stadtrat der CSU.

  • Kerstin Dübner-Geeist

    seit März 2018 Leiterin der neuen Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). 

    Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Munich Dual Career Office und Koordinatorin des Zukunftskonzepts Exzellenzinitiative der Technischen Universität München. Zuletzt verantwortete sie das Geschäftsfeld Interne Angebote der Fraunhofer Academy.

  • Friederike Engert

    ist seit August 2014 Sachgebietsleiterin im Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. 

    Sie leitet das Sachgebiet Personal für akademisches Personal in der allgemeinen inneren Verwaltung und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Bologna arbeitete sie zwei Jahre als Rechtsanwältin in einer Münchner Großkanzlei, ehe sie 1999 in das Staatsministerium wechselte.

  • Dr. Nicole Lang

    ist seit Mai 2018 Leiterin der Abteilung II „Recht des öffentlichen Dienstes und Personalverwaltung“ im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. 

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg begann sie 1999 ihre Karriere beim Staatsministerium der Finanzen. 2007 wurde sie Büroleiterin des Staatsministers, 2011 Referatsleiterin für „Besoldung und Stellenpläne“.

  • Harald Riedel

    ist seit 2008 Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. 

    Aufgabenschwerpunkt ist die Schaffung einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Nach dem Studium der Volkswirtschaft begann er bei der Münchener Ingenieurberatungsgesellschaft Dorsch Consult in der Entwicklungsplanung. Von 1996 bis 2004 war er Geschäftsführer der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion und von 2004 bis 2008 Referatsleiter in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Neben seiner Arbeit als Kämmerer ist er seit Mai 2017 auch für die Bereiche Personal und IT verantwortlich.

  • Norbert Sauer

    Ist seit Juli 2017 Leiter der Personalabteilung bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). 

    Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn begann er als Controller im Rechnungswesen der Quelle Versicherungen in Fürth. 1999 wechselte er als Revisor zur BVK und war jeweils fünf Jahre stellvertretender Revisionsleiter und Leiter des Vorstandsreferats.

DER RUNDE TISCH – Arbeiten beim öffentlichen Dienst

Seit Beginn der Corona-Krise zieht es viel mehr Menschen als früher zu den öffentlichen Arbeitgebern. Das ist schön, reicht aber nicht, um die künftigen Lücken zu schließen. Im Umgang mit der Werbetrommel muss Vater Staat noch furioser werden.

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