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2 – Rekrutierung

Architekten und Bauträger bevorzugen Neubauten gegenüber dem Umbau im Bestand, weil sie ihnen mehr Gestaltungsfreiräume lassen. Was kann man tun, um den Umbau im Bestand und damit mehr Nachhaltigkeit zu fördern?

Die Rahmenbedingungen des öffentlichen Dienstes müssen sich verbessern, um Talente gewinnen und halten zu können, forderte Kerstin Dübner-Gee, Leiterin der Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft. Foto: The Point of View Photography

Werner Albrecht – Als Vertreter des größten kommunalen Unternehmens in Deutschland gehöre ich zwar nicht dem klassischen öffentlichen Dienst an, sondern stehe seit mehr als 20 Jahren in einem harten Wettbewerb mit privaten Gas- und Stromanbietern. Trotzdem kämpfen wir immer noch gegen die typischen Klischees an, die sich hartnäckig halten. Dabei können nicht nur wir, sondern der gesamte öffentliche Dienst mit großem Selbstbewusstsein sagen, dass wir vielerorts ein modernes Arbeitsumfeld bieten. Es kommen heute auch ganz andere Menschen als noch vor 20 Jahren zu uns. Damals war der Aspekt des sicheren Arbeitsplatzes viel wichtiger als heute. Heute geht es auch bei uns um die spannenden Aufgaben, die Sinnhaftigkeit der Arbeit und um Selbstverwirklichung. Gerade, was modernes, mobileres Arbeiten angeht, hat uns die Corona-Krise um Jahre nach vorne gebracht, weil wir in kurzer Zeit Dinge umgesetzt haben, die sonst noch viel länger gebraucht hätten. Von meinen Mitarbeitern möchten fast 70 Prozent künftig drei, vier oder gar fünf Tage im Homeoffice arbeiten. Wobei ich letzteres gar nicht möchte, weil wir auch weiterhin miteinander arbeiten und umgehen wollen. Wenn wir hier mutig sind, erreichen wir unser Ziel, in München zu den fünf attraktivsten Arbeitgebern zu gehören. Unsere vielfältigen Aufgaben haben uns immerhin schon auf Platz sechs gebracht, weil man bei uns eben einen Windpark bauen, einen U-Bahnhof konzipieren oder andere spannende Aufgaben für Juristen und Ingenieure übernehmen kann.

Kerstin Dübner-Gee – Bei der Rekrutierung hilft es, dass die Max-Planck-Gesellschaft eine bekannte und angesehene Arbeitgebermarke ist, was durch die beiden jüngsten Nobelpreise weiter gestärkt wurde. Wir stehen allerdings in einem weltweiten Wettkampf um junge Professorinnen und Professoren sowie die besten internationalen Talente. Da scheitern wir oft an den Rahmenbedingungen des öffentlichen Dienstes, weil wir bestimmte Dinge nicht finanzieren dürfen, wie etwa die internationale Schule für die Kinder oder Unterstützung beim Umzug. Wir kämpfen zudem damit, dass uns Talente mittels besserer Angebote abgeworben werden. Natürlich spielen auch die Standortqualität der Institute, die Infrastruktur und die Willkommenskultur eine wichtige Rolle. Da arbeiten wir im Moment daran, auch diese vermeintlich weichen Faktoren zu verbessern. Dazu gehört auch die Dual Career, das heißt, die Arbeitsperspektiven für die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner, da diese ja in der Regel mit umziehen. Da sind Netzwerke in der jeweiligen Region sehr wichtig. In München haben wir mit zwei großen Universitäten, zahlreichen Instituten und Unternehmen ein sehr gutes Umfeld. Aber es gibt auch Einrichtungen in strukturschwächeren Gebieten mit fehlenden Netzwerkmöglichkeiten, wo das ein sehr großes Problem ist.

„DIE GESELLSCHAFTLICHE RELEVANZ DER

ARBEIT DES ÖFFENTLICHEN DIENSTES SPIELT EINE WICHTIGE ROLLE, UM BEWERBER ZU ÜBERZEUGEN.“

Frau Engert, Sie stellen jedes Jahr 50 bis 100 Juristen ein. Wie gelingt es Ihnen, diese Leute zu halten?

Friederike Engert – Das Sicherheitsargument allein zieht nicht mehr, denn das ist für diese qualifizierten Leute ohnehin da, und das wissen die auch. Heute stehen andere Themen auf der Agenda, wie eine wertschätzende Führungskultur und Teamatmosphäre. Das ist es, was junge Menschen suchen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass zufriedene Mit-
arbeiter das beste Werbemittel sind. Die erzählen im Freundes- und Bekanntenkreis, wie gut sie es bei uns finden. Daher nehmen wir sie auch mit zu den Job- und Karriere-Messen. Anstatt uns als Arbeitgeber in den Vordergrund zu stellen, lassen wir Mitarbeiter, die seit ein oder zwei Jahren bei uns sind, von ihrer Tätigkeit und ihren Erfahrungen berichten. Das ist viel authentischer, und erzielt eine gute Wirkung. Mit Sicherheit allein bindet man heute niemanden mehr, entscheidend ist auch die Überzeugung von der gesellschaftlichen Relevanz der eigenen Tätigkeit. Das Innenministerium steht zum Beispiel unter anderem für öffentliche Sicherheit und Ordnung, das ist sozusagen unser Markenkern. Aber auch Themen wie Migration und Integration oder Sport sind bei uns angesiedelt. Das hilft uns, denn immer mehr Bewerber legen Wert auf die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit.

Nicole Lang – Die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit des öffentlichen Dienstes spielt auch für uns eine zunehmende Rolle, wenn es darum geht, Bewerber zu überzeugen. Wir haben schon zu Beginn der Pandemie gesehen, wie viele unserer Beschäftigten sich bereit erklärt haben, in den Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung mitzuhelfen. Auch in den vielen Gesprächen mit den Auszubildenden, die ich in dieser Zeit geführt habe, habe ich festgestellt, wie bewusst diese sich für den öffentlichen Dienst entschieden haben. Das Interesse an unserer Arbeit wurde meist im Familien- und Bekanntenkreis geweckt, weil man dort positiv über uns gesprochen hat. Deshalb schicken auch wir vermehrt junge Beamte in die Schulen, um dort den Erstkontakt herzustellen. Was wir jedoch noch mehr herausstreichen müssen, das sind die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die der öffentliche Dienst bietet. Wir arbeiten nicht mehr in unflexiblen und starren Hierarchien, sondern sind moderne Arbeitgeber, bei denen auch junge Leute früh Verantwortung tragen. Gerade die Möglichkeit, früh Personalverantwortung zu übernehmen, überzeugt viele unserer Nachwuchskräfte. Das gilt natürlich auch für die vielen Digitalisierungsprozesse, die wir gerade kräftig vorantreiben. Vielleicht hat Google immer noch das schickere Image als der öffentliche Dienst, aber wir können mindestens genauso spannende Aufgaben mit Gestaltungsmöglichkeiten und gesellschaftlicher Bedeutung bieten.

Nur weil man es technisch könne, sollte man nicht mehr virtuelle Treffen und Gespräche anberaumen, sagte Dr. Alexander Dietrich, hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. Foto: The Point of View Photography

Alexander Dietrich – Die Gemeinwohlorientierung und die damit verbundene Frage, für wen ich arbeite, wird bei jungen Leuten immer wichtiger. Ungefähr die Hälfte der Juristinnen und Juristen, die wir einstellen, waren zuvor in Großkanzleien tätig. Da hört man in den Gesprächen oft das Argument, sie hätten bisher nur für Partikularinteressen gearbeitet. Natürlich verdienen sie dort sehr viel Geld, aber dafür sitzen sie auch oft bis spät abends in der Kanzlei. Dennoch ist bei ihnen nicht die Work-Life-Balance der Grund für den Wechsel zur Stadt München, sondern die Arbeit für die Gesellschaft. Deshalb setzen wir bei unserem Arbeitgebermarketing schon seit längerem darauf. Das hält und bindet die Leute auch im und an den öffentlichen Dienst.

 

Herr Sauer, wie vermitteln Sie Ihren Bewerbern, dass eine Tätigkeit bei Ihnen etwas ist, das dem Gemeinwohl dient?

Norbert Sauer – Wir als Versorgungskammer kümmern uns um Altersversorgung und das ist etwas Positives für die Gesellschaft, unter dem sich jeder etwas vorstellen kann. Als großer institutioneller Anleger sind wir außerdem Nachhaltigkeitsthemen verpflichtet. Sicher, sinnhaft, engagiert – so haben wir vor einiger Zeit unseren Markenkern definiert und tragen das zwar nicht wörtlich nach außen, aber es bildet den Hintergrund unserer Maßnahmen. Natürlich verdienen beispielsweise Juristen in Großkanzleien mehr als bei uns, dafür gestalten sie bei uns die sichere Altersversorgung verschiedener Berufsgruppen – und somit deren Zukunft. Um die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit zu vermitteln, haben wir Bilder- und Sprachwelten für verschiedene Zielgruppen von potenziellen Arbeitnehmern entwickelt und sprechen sie gezielt über Medien und Kanäle an, auf denen sie erreichbar sind.

Friederike Engert – Wir planen derzeit eine Reihe von Kurz-filmen, in denen wir junge Leute, die bei uns arbeiten, fünf Minuten von ihrer spannenden Arbeit berichten lassen. Die nächste Generation ist stark visuell geprägt und muss mit einer positiven Darstellung von der Tätigkeit, am Besten durch Gleichaltrige, überzeugt werden.

„DIE GEMEINWOHLORIENTIERUNG UND DIE DAMIT VERBUNDENE FRAGE, FÜR WEN ICH ARBEITE, WIRD BEI JUNGEN LEUTEN IMMER WICHTIGER.“ 

Harald Riedel – Wir müssen uns beim Recruiting auch interkulturell öffnen. Bislang stellen unsere Mitarbeitenden nicht annähernd den Querschnitt der Bevölkerung dar. In dieser Hinsicht sind uns die viel gescholtenen USA, gerade auch mit Blick auf die Besetzung von Führungspositionen, ein gutes Stück voraus. Wir haben uns daher zum Ziel gesetzt, den Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der Belegschaft zu steigern. Die Corona-Krise hat uns diesbezüglich ein Stück weit nach hinten geworfen, weil wir nicht mehr in den Schulen und Migrationsvereinen für uns werben konnten.

Alexander Dietrich – Die Stadt München verfolgt ein ähnliches Ziel, wobei wir keine Quote, sondern eine Zielvorgabe gesetzt haben. Unter Migranten ist der öffentliche Dienst als Arbeitgeber zu wenig bekannt. Das liegt zum Teil an der irrtümlichen Vorstellung, dass dafür die deutsche Staatsbürgerschaft zwingend nötig ist. Das ist aber nur bei Beamten der Fall, nicht jedoch bei den vielen Angestellten. Unter dem Slogan „München arbeitet bunt“ lassen wir daher Mitarbeiter mit Migrationshintergrund über ihre Arbeit berichten, um weitere Interessenten zu gewinnen.

Nicole Lang – Für uns zählt bei Einstellungen und Beförderungen nicht die Herkunft, sondern die Eignung, Befähigung und fachliche Leistung – schon von Rechts wegen. Eine feste Quote hielte ich aus diesen Gründen für schwierig, es gilt das Leistungsprinzip. Wir können und wollen aber nicht auf Menschen mit Migrationshintergrund als Teil unseres Teams verzichten, auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Deshalb müssen wir gerade diesen Personenkreis noch besser, idealerweise schon in der Schule, über die Vorzüge der Beschäftigung im öffentlichen Dienst informieren.  

Weitere Themen beim Runden Tisch – Arbeiten beim Öffentlichen Dienst

1 – Corona und die Folgen3 – Digitalisierung

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NICHT FÜR JEDEN, SONDERN FÜR ALLE ARBEITEN

Der öffentliche Dienst bietet eine Fülle an sinnvollen Aufgaben und spannenden Entfaltungsmöglichkeiten.
Doch es gibt noch einiges zu tun, damit sich künftig mehr Bewerber für ihn entscheiden.

1 – Corona und die Folgen2 – Rekrutierung3 – Digitalisierung

Der runde Tisch teilnehmer

  • Werner Albrecht

    ist seit November 2013 Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München (SWM). 

    Nach einer Ausbildung in der Kommunalverwaltung arbeitete er fast 20 Jahre für die Gewerkschaft ÖTV, später ver.di. 2003 ging er zu den SWM in den Bereich Personalpolitische Grundsatzfragen. 2007 wechselte er in das Büro der Geschäftsführung, 2013 wurde er Leiter des Personalmanagements.

  • Dr. Alexander Dietrich

    ist seit Juli 2016 hauptberuflicher Stadtrat und Personal- und Organisationsreferent der Landeshauptstadt München. 

    Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt, als Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht München sowie als Referatsleiter für Justiz und öffentlichen Dienst bei der CSU-Landtagsfraktion. Von 2013 bis 2016 war er ehrenamtlicher Stadtrat der CSU.

  • Kerstin Dübner-Geeist

    seit März 2018 Leiterin der neuen Abteilung Personalentwicklung & Chancen in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). 

    Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Munich Dual Career Office und Koordinatorin des Zukunftskonzepts Exzellenzinitiative der Technischen Universität München. Zuletzt verantwortete sie das Geschäftsfeld Interne Angebote der Fraunhofer Academy.

  • Friederike Engert

    ist seit August 2014 Sachgebietsleiterin im Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration. 

    Sie leitet das Sachgebiet Personal für akademisches Personal in der allgemeinen inneren Verwaltung und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Bologna arbeitete sie zwei Jahre als Rechtsanwältin in einer Münchner Großkanzlei, ehe sie 1999 in das Staatsministerium wechselte.

  • Dr. Nicole Lang

    ist seit Mai 2018 Leiterin der Abteilung II „Recht des öffentlichen Dienstes und Personalverwaltung“ im Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. 

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Regensburg begann sie 1999 ihre Karriere beim Staatsministerium der Finanzen. 2007 wurde sie Büroleiterin des Staatsministers, 2011 Referatsleiterin für „Besoldung und Stellenpläne“.

  • Harald Riedel

    ist seit 2008 Stadtrat und Kämmerer der Stadt Nürnberg. 

    Aufgabenschwerpunkt ist die Schaffung einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung. Nach dem Studium der Volkswirtschaft begann er bei der Münchener Ingenieurberatungsgesellschaft Dorsch Consult in der Entwicklungsplanung. Von 1996 bis 2004 war er Geschäftsführer der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion und von 2004 bis 2008 Referatsleiter in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. Neben seiner Arbeit als Kämmerer ist er seit Mai 2017 auch für die Bereiche Personal und IT verantwortlich.

  • Norbert Sauer

    Ist seit Juli 2017 Leiter der Personalabteilung bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK). 

    Nach einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn begann er als Controller im Rechnungswesen der Quelle Versicherungen in Fürth. 1999 wechselte er als Revisor zur BVK und war jeweils fünf Jahre stellvertretender Revisionsleiter und Leiter des Vorstandsreferats.

DER RUNDE TISCH – Arbeiten beim öffentlichen Dienst

Seit Beginn der Corona-Krise zieht es viel mehr Menschen als früher zu den öffentlichen Arbeitgebern. Das ist schön, reicht aber nicht, um die künftigen Lücken zu schließen. Im Umgang mit der Werbetrommel muss Vater Staat noch furioser werden.

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