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Es bleibt in der Familie

Zwischen Entscheidungsstärke und Nachfolgestreit: Familienunternehmen und ihre Besonderheiten – mit Fokus auf Familienvermögen

10 Min. Lesezeit

Es geht nicht um kurzfristigen Gewinn, sondern um Grundsätze, Stabilität und solides Wirtschaften. Familienunternehmen denken und handeln anders als Kapitalgesellschaften in Streubesitz. Das bringt viele Vorteile – stellt die Familie aber auch vor große Herausforderungen. Und das in jeder Generation.

Die Familie gibt Halt und Sicherheit, sie beschert uns glückliche Stunden und manchmal traurige Momente. Wir können sie uns nicht aussuchen, und gerade deshalb fühlen wir uns mit der Familie anders verbunden als mit Freunden und Bekannten. Der Corona-bedingte Lockdown hat die Bedeutung des Begriffs „Familie“ noch stärker in den Vordergrund gerückt. Das gilt insbesondere für Familienunternehmen, für die der Begriff der „Familyness“ gerade in diesen Tagen an Bedeutung gewonnen hat.

Neue Ideen entwickeln, dabei die eigenen Werte reflektieren, Dinge auf den Prüfstand stellen und sich dennoch selbst treu bleiben – das sind meist Grundlagen und Gründe dafür, warum aus Familien oft brillante Geschäftsideen und nachhaltige Business-Modelle wachsen, die generationsübergreifend maßgeblich zur deutschen Wirtschaft beitragen: Laut der Stiftung Familienunternehmen sind mehr als 90 Prozent der deutschen Unternehmen Familienunternehmen, sie stellen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland. Die gemeinnützige Stiftung Familienunternehmen ist der größte Förderer von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet des Familienunternehmens. Ihre Aufgabe ist es, über die Besonderheiten von Familienunternehmen aufzuklären und als Sprachrohr zu fungieren.       

Familienunternehmen decken das gesamte Unternehmensspektrum ab: Sie agieren als lokaler Betrieb oder internationaler Großkonzern und sind in allen Branchen tätig.  

Unter den 30 Dax-Unternehmen befinden sich drei in Familienbesitz: die Beiersdorf AG, die Henkel AG & Co. KGaA und die Merck KGaA. Eine Gemeinsamkeit, die alle auszeichnet: Sie sind krisenfester als Kapitalgesellschaften im Streubesitz, unter anderem, weil sie ihr Erbe geordnet und gut aufgestellt an Kinder und Enkel weitergeben möchten und ihr eigenes Geld investieren. Das gesamte Kapital konzentriert sich dabei auf sehr wenige Personen, was die Entscheidungsfindung vereinfacht. Nach Angaben der Stiftung Familienunternehmen konnten sich nach der Finanzkrise im Jahr 2008 die Top-500-Familienunternehmen schneller erholen und bereits ein Jahr später bei den kumulierten Umsätzen das Vorkrisenniveau leicht übertreffen. Die Stiftung ist optimistisch, dass sich ein ähnlicher Effekt auch nach der Corona-Pandemie einstellen könnte. 

Krisensicher, entscheidungsstark und ein wichtiger Motor für die Wirtschaft – Familienunternehmen sind also ein Garant für Erfolg und Wachstum. Oder? So einfach ist es leider nicht. Die Schweizer Privatbank Pictet, selbst ein inhabergeführtes Unternehmen, kennt die Chancen und Herausforderungen, die entstehen, wenn Verwandte oder sehr eng verbundene Menschen gemeinsam unternehmerisch tätig sind. 

Das Pictet-Modell: Quadratur des Kreises

Als einer der ältesten und größten privaten Vermögensverwalter der Welt fokussiert sich Pictet auf die Bereiche Wealth Management, Asset Management, Asset Services und Alternative Anlagen für wohlhabende Familien und Privatpersonen sowie für institutionelle Anleger. Seit der Gründung im Jahr 1805 standen lediglich 43 Teilhaber an der Spitze von Pictet, was eine durchschnittliche Amtsdauer von über 21 Jahren ergibt. Alle fünf bis zehn Jahre wird ein neuer Teilhaber ernannt, mindestens einer der sieben Teilhaber muss aus der Pictet-Familie stammen. Gleichzeitig ist man offen für Talente von außen. Nach ihrem Ausscheiden aus der Gruppe haben die Teilhaber keinerlei Ansprüche mehr an das Unternehmen. Die Amtszeiten überschneiden sich, sodass niemals ein radikaler Wechsel entsteht. Neue Ideen? Gerne! Aber als Evolution – und nicht als Revolution.

„Wir leben unseren Werte-Kodex und sind uns der Verantwortung gegenüber den Kunden, Kollegen und der Gemeinschaft bewusst. Damit wollen wir Vermögen erhalten und weitergeben.“
Armin Eiche, CEO Pictet Wealth Management Deutschland

Armin Eiche ist seit zehn Jahren CEO von Pictet Wealth Management in Deutschland und somit verantwortlich für die Betreuung vermögender Privatkunden. „Wir verfolgen langfristige Ziele und setzen nicht auf kurzfristige Geschäfte. Dafür ist Vertrauen wichtig. Und das baut sich nicht über Nacht auf. Wir leben unseren Werte-Kodex und sind uns der Verantwortung gegenüber den Kunden, Kollegen und der Gemeinschaft bewusst. Damit wollen wir Vermögen erhalten und weitergeben,“ erklärt Eiche. Mit ihrem Teilhabermodell scheine der Pictet Group „die Quadratur des Kreises gelungen zu sein“, wie es in einer Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) zu lesen ist. Die Schweizer Privatbank agiert gewissermaßen als Familie auf Zeit und nutzt die Vorteile familiärer Strukturen, während übliche Risiken durch Nachfolgeregelungen oder emotionale Auseinandersetzungen weitestgehend wegfallen.

Einer der ältesten und größten privaten Vermögensverwalter der Welt: Pictet-Zentrale in Genf.
Einer der ältesten und größten privaten Vermögensverwalter der Welt: Pictet-Zentrale in Genf.

Bei der Betreuung ihrer vermögenden Kunden, die sehr häufig aus dem Umfeld familiengeführter Unternehmen stammen, haben es die Experten von Pictet jedoch häufig mit eben diesen Fragestellungen zu tun. „Die erste Generation baut auf, die zweite führt weiter und die dritte vernichtet“, beschreibt Eiche ein nicht selten gebräuchliches Worst-Case-Szenario. „Wenn beispielsweise ein Patriarch, der mit Leidenschaft ein Geschäft aufgebaut hat, die Zügel nicht aus der Hand gibt oder die nächste Generation das Geschäft nicht weiterführen will oder kann, steht das Familienunternehmen vor großen Herausforderungen. Dann gilt es, Lösungen zu finden, auf Unternehmensseite, aber auch in Vermögensfragen. Um dabei ein harmonisches Zusammenspiel zu erreichen, ist die Erarbeitung einer Familienstrategie erforderlich. Diese wird auch als ‚Family Governance‘ bezeichnet.“ 

Forschung und Lehre zu Familienunternehmen

Mit den Herausforderungen der „Family Governance“ beschäftigt sich Prof. Dr. Tom A. Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) und liefert zusammen mit der Co-Direktorin des Instituts, Dr. Anne K. Heider, in deren Buch „Aktive Eigentümerschaft in Familienunternehmen“ die Antworten. Professor Rüsen wurde 2020 von „Family Capital“ unter die Top 100 Family Influencer weltweit gewählt.

Das WIFU ist das erste und älteste Institut im deutschsprachigen Raum, das sich mit den Besonderheiten von Familienunternehmen befasst. Mit der transdisziplinären Ausrichtung auf Betriebswirtschaft und Management, Recht, Führung und Dynamik, Digitale Transformation und Entwicklung und Organisation ist das WIFU einzigartig in Europa.

Träger des Instituts, derzeit über 70 familiengeführte Unternehmen, darunter auch Pictet, profitieren dabei von den Forschungsprojekten des WIFU zu praxisnahen Fragestellungen und nehmen an Arbeitskreisen und Lehrveranstaltungen teil. Gleichzeitig sind sie Untersuchungsgegenstand und Sparringspartner und finden hier einen Raum, sich im Sinne von „Best Practice“ zu unterschiedlichsten Fragestellungen auszutauschen.

„Nur 15 Prozent schaffen es in die vierte Generation.“

Prof. Dr. Tom A. Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen über die Notwendigkeit gemeinsamer Werte und einer Familienstrategie.

Was muss ein Mitglied eines Familienunternehmens heute mitbringen, um erfolgreich zu sein?
Zuerst einmal kommt es darauf an, welche Rolle das Mitglied in der Unternehmens- und in der Familienführung hat. Früher wurde klassischerweise der Betrieb an den ältesten Sohn übergeben. Heute gibt es glücklicherweise viel mehr Möglichkeiten. Wenn es um die Unternehmensnachfolge geht, ist ein tiefes Verständnis des Geschäftsmodells Grundvoraussetzung. Weiter müssen die Kundenbedürfnisse genau analysiert und verstanden wurden. Wie denkt mein Kunde heute? Denkt er vielleicht digital? Muss ich mein Geschäftsmodell dahingehend anpassen? Wenn ein Familienunternehmen bereit ist, agil zu reagieren, entstehen enorme Vorteile in einem Markt, in dem das Unternehmen bereits über Generationen etabliert ist.

In den besten Familien gibt es Streit. Wie geht man vor, wenn im Familienunternehmen Uneinigkeit herrscht?
Nur 15 Prozent der Familienunternehmen schaffen es in die vierte Generation, denn Familie ist immer auch Arbeit. Da steckt sehr viel Psychologie dahinter. Das WIFU beschäftigt sich deshalb intensiv mit psychologischen Verhaltensdynamiken. Wenn der Cousin eine andere Meinung hat und die Tante komplett andere Ziele verfolgt, braucht es eine einheitliche Familienstrategie, also Leitplanken für einen gemeinsamen Weg. Eine gemeinsame Wertevorstellung und Haltung müssen die Grundlage für das unternehmerische Handeln sein. Und falls es mit Cousin oder Tante dennoch nicht funktionieren sollte, ist schlussendlich ein Ausstieg die richtige Lösung. Dieser darf niemals ein Denkverbot sein. Die Trennung muss geordnet und strukturiert passieren, andernfalls herrschen Chaos und noch mehr Unruhe.

Was machen heutige Generationen anders als frühere?
Junge Unternehmer, also Digital Natives, sind beispielsweise offener für Kooperationen. Die Welt wächst immer mehr zusammen und so können sich neue Synergien bilden. Die Sharing Economy umfasst nämlich nicht nur das gemeinsam genutzte Auto, sondern überträgt sich auch auf geschäftliche Partnerschaften. Und ergibt im besten Fall eins plus eins nicht zwei, sondern vier, sechs oder acht.

Wie können Familienunternehmen in Zeiten der Pandemie sprach- und handlungsfähig bleiben?
Online-Meetings sind wichtig, um weiter in Kontakt zu bleiben und Familientreffen fortzuführen. Solche Meetings sind aber nur sinnvoll, wenn sich jeder einbringen muss. Wir vom WIFU sehen das selbst bei unserem regelmäßigen digitalen Erfahrungsaustausch zwischen Familienunternehmen. Im Vorfeld versenden wir Videos oder Dokumente zum Einlesen, so dass jeder Teilnehmer aktiv etwas zum Thema beitragen kann. In Kleingruppen-Sessions kommt jedes Familienunternehmen zu Wort und kann seine Erfahrungen teilen. Der persönliche Kontakt darf in der Corona-Zeit nicht vernachlässigt werden.

Neben Aspekten wie einer Familienstrategie oder einer klaren Nachfolgeregelung stellt die Vermögensanlage viele Familienunternehmen vor komplexe Fragen. Die Analyse der internen Rechts-, Steuer- und Finanzsituation sowie die volatile Weltwirtschaft erfordern ein breites Fachwissen, das nicht unbedingt im Familienunternehmen verankert sein muss.  

Vermögen erhalten und Gewinne erzielen mit Diversifizierung

„Eine klare und nachhaltige Strukturierung des Vermögens ist wichtig, um krisenfest zu sein und langfristige Gewinne zu erzielen. Die Diversifizierung des Kapitals ist dabei entscheidend“, weiß Armin Eiche. Vielen Unternehmen fällt es schwer, die eigene Branche zu verlassen und Kapital aus dem Kerngeschäft zu nehmen, um beispielsweise in Private Equity, Aktien oder Immobilien zu investieren. Aber erst durch diesen Transformationsprozess ist ein Familienunternehmen gut für die Zukunft aufgestellt. „Wir beurteilen und überprüfen, ob die individuelle Planung angemessen ist und unterstützen bei der Umsetzung, um die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen. Dies auch und insbesondere unter Einbeziehung der nachfolgenden Generationen“, so Eiche.

„Grundlagen des Vermögensmanagements vor dem Hintergrund der Besonderheiten von Familienunternehmen“ heißt daher auch der Beitrag von Anja Seyfried, Senior Private Banker bei Pictet in Stuttgart, und Achim Siller, Leiter des Portfoliomanagements bei Pictet Wealth Management, Deutschland, in dem Buch „Aktive Eigentümerschaft von Familienunternehmen“ des WIFU. Gerade in Zeiten mit Zinsen auf Tiefstniveau, extremen Kursbewegungen und politischen Herausforderungen ist der Erhalt eines Familienvermögens kein einfaches Unterfangen. Gleichzeitig wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. 

Verantwortung übernehmen für die Zukunft

In Jahrzehnten denken, nicht in Quartalen. Dieser Leitsatz von Pictet zieht sich als roter Faden durch das Unternehmen und trifft nicht nur auf die Pictet Geschäftsfelder zu. In Jahrzehnten denken heißt auch, Verantwortung für die nächsten Generationen zu übernehmen und nachhaltig zu handeln. Bis zum Jahr 2025 hat sich die Pictet-Gruppe als Ziel gesetzt, die Umweltbelastung durch die Aktivitäten und Anlagen des Unternehmens deutlich zu reduzieren. Zudem sollen die ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) und die aktive Ausübung von Aktionärsrechten in alle Anlageprozesse integriert werden. Pictet will ein führender Anbieter von verantwortungsvollen Produkten und Lösungen sein. Diese Ziele und Überzeugungen werden durch zehn Handlungsfelder untermauert. Sie wurden für die eigenen Aktivitäten und für die Vermögensverwaltung im Sinne der Pictet-Kundinnen und -Kunden identifiziert. So wird Pictet einen Beitrag zur Gestaltung eines erfolgreichen Systems für künftige Generationen leisten.

Wie wir gemeinsam die Welt besser verstehen und einen Beitrag zu einem lebenswerten Planeten leisten können, beleuchtet Pictet im Podcast „Found in Conversation“. Jeden Monat tauscht sich die Schweizer Privatbank mit Menschen aus den Bereichen biomedizinische Forschung, Politik, Digitaltechnik und Kultur über Themen aus, die uns heute und morgen beschäftigen. Unter anderem spricht Renaud de Planta, Senior-Teilhaber der Pictet-Gruppe, mit dem kanadischen Fotografen Edward Burtynsky über dessen Werke, die sich mit den Auswirkungen wirtschaftlichen Handelns auf die Umwelt beschäftigen.

Aus der Praxis: Zwei erfolgreiche Familienunternehmen

Weingut Gaja

Gaia, Rossanna und Giovanni sind die fünfte Generation der Familie Gaja, einem renommierten Weingut im Piemont. Die Gaja Weine sind heute bei Weinkennern auf der ganzen Welt gefragt.

Dieser globale Erfolg ist das Resultat der ambitionierten Export-Strategie von Angelo Gaja, der nach 60 Jahren an der Unternehmensspitze an seine Kinder übergibt. Wie dem Familienweingut der Generationenwechsel gelingt und vor welchen Herausforderungen die drei Kinder von Angelo Gaja stehen, lesen Sie hier.

Dufthersteller Firmenich

CEO Gilbert Ghostine ist der erste Firmenchef in der Geschichte von Firmenich, der kein Mitglied der Eigentümerfamilie ist. Die Werte des Familienunternehmens sind wichtige Grundpfeiler für seine unternehmerischen Entscheidungen. Auch in der Corona-Krise.  

Was für den Genfer Aromen- und Dufthersteller Firmenich der „inklusive Kapitalismus“ bedeutet und wie das Unternehmen auf die Pandemie reagiert, erfahren Sie hier.

Auf globale Anforderungen reagieren

Die Zukunft wartet nicht. Und Pictet ist bereit. „Wir sehen einen großen Wandel in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft und in der Politik. Darauf reagieren wir mit neuen Standorten, einer Erweiterung des Geschäftsfelds und mit verantwortlichen und nachhaltigen Lösungen für unseren Planeten,“ sagt Armin Eiche. Jüngst wurde ein neues Büro in New York eröffnet, um institutionelle Kunden in Nordamerika besser betreuen zu können.

Ende 2020 wird die Pictet-Gruppe einen neuen Standort in Shanghai eröffnen, der der wachsenden Bedeutung Chinas, auch auf der Investitionsseite, gerecht wird. 

Damit kann noch agiler auf globale Anforderungen reagiert werden. Private Assets mit alternativen Anlagen wie Private Equity und Immobilien rücken bereits seit einigen Jahren ebenfalls stärker in den Fokus.