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Auf geht's zur Kirchweih

Ein guter Grund, zu feiern!

Namenstag und Weihe der Kirche durch den Bischof sorgten früher für zahlreiche Feste – heute ist der dritte Sonntag im Oktober der Stichtag für die Kirchweih

Friedlich spielen die Musikanten zusammen. Gelegentlich wurde auch schon von Raufereien auf der Kirchweih berichtet.

Fotos: Lydia Geißler

Zur alljährlichen Kirchweih ging es in unserem Haus wie in einem Wirtslokal zu“, erinnert sich der Schriftsteller Oskar Maria Graf (1894 – 1964) in seinem autobiographischen Roman „Das Leben meiner Mutter“ (1940 im Exil veröffentlicht). Graf war der Sohn eines Bäckers und wuchs in Aufkirchen am Starnberger See auf. „Es aßen jetzt nicht mehr nur die alten Verwandten gemütlich in der Stube (…). Nun kreischten die übermütigen Kurgäste (…), die Köchinnen und fürstlichen Diener wurden protzenhaft reich bewirtet. Unausgesetzt hatten Mutter, Leni, Theres und Emma alle Hände voll zu tun, um die gierigen Gäste zu bedienen.“
Die Szene spielte sich wohl um 1909 ab. Es wird auch musiziert und getanzt. Immerhin fehlt die rituelle Rauferei, wie sie Ludwig Thoma (1867 – 1922) in seiner kurzen Erzählung „Kirta!“ (1897) schildert.

Beide Geschichten zeigen: Beim Kirchweihfest vermischen sich Öffentliches und Privates, reichlich Essen und Trinken spielen eine Hauptrolle. Im Gegensatz zur Kirche. Die kommt weder bei Graf noch bei Thoma vor. Die Abtrennung der öffentlichen Feiern von ihren rituellen Wurzeln geht wohl weit zurück, wie um 1600 zahlreiche Bilder niederländischer Maler wie Pieter Brueghel der Jüngere (1564 – 1638) dokumentieren, die das Sujet „Bauernkirmes“ drastisch illustrierten.

„Kirchweih“ wird je nach Region unter den verschiedensten dialektalen Bezeichnungen gefeiert: in West-und Mitteldeutschland als „Kermes“ oder „Kirmes“ von „Kirchmesse“, in Altbayern „Kirta“ von „Kirchentag“, im Fränkischen „Kerwa“, „Kerba“, „Kirwa“ von „Kirchweih“ wie auch „Kerb“ oder „Kerwe“ in der Pfalz.

So vielfältig die Bezeichnungen, so bunt sind die regionalen Bräuche: der Kirtatanz in Altbayern, die satirische Kerwerede in der Pfalz, der Kerbebaum im Saarland oder die Kirchweih-Märkte allerorten. Bekanntestes Münchner Beispiel hierfür ist die Oktober-Version der Auer Dult, die Kirchweih-Dult.

Auch das Patronizium wird gefeiert

Die Gans oder Ente als Hauptgang, in Bayern mit Knödel und Blaukraut, in Schwaben mit Spätzle und Rotkraut hat sich in den meisten Gegenden durchgesetzt. Schmalzgebäck ebenso, in Altbayern die Kirta-Nudeln, in München Auszogne vom Viktualienmarkt, andernorts Küchle oder Krapfen.

Zur Wiesn darf die Tracht heuer nicht, zur Kerwa, Kirta oder Kirchweih schon.

„Das Fest als solches ist schon in der Spätantike bekannt“, merkt der Historiker Wilhelm Liebhart im Gespräch mit der SZ an. Spätestens seit dem Mittelalter sind es sogar zwei Feste: zum einen das „Patronizium“, der Namenstag der Kirche zu Ehren des Heiligen, der seine schützende Hand über das Gebäude und die Gemeinde legt. Das zweite Fest feiert den Tag, an dem der Ortsbischof die neue Kirche weihte und die neue Gemeinde dem Herrgott anempfahl. Das ist der eigentliche Kirchweihtag. Der Patroniziumstag steht von vorneherein fest, denn der Heiligenkalender ändert sich nicht (mal davon abgesehen, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Heilige auf den 365 Tagen drängelten). Der Kirchweihtag lag hingegen im Ermessen des Ortsbischofs. Sprich: Wann der Weiheakt in den Terminkalender des Bischofs passte.

Da jede Kirche und Kapelle geweiht werden musste und jede einem anderen Heiligen anvertraut wurde, gab es in einem Dorf, einer Stadt oder einem Landstrich praktisch rund um das Jahr gute Gründe zu feiern. Wobei das Patronizium eher seinen sakralen Charakter bewahrt zu haben schien, während sich die Kirchweihfeierlichkeiten zu „Allerweltsfesten“ entwickelten – zum größten und wichtigsten Fest des Jahres, das oft mehrere Tage dauerte.
„A Kirta dauert bis zum Irda (Dienstag), wann sies duat schicka, aa bis zum Migga (Mittwoch)“, zitiert der Bayerische Landesverein für Heimatpflege einen alten Spruch auf seiner Seite www.brauchwiki.de.

Der Kirta-Tanz war zu Ludwig Thomas Zeiten noch feste Tradition.

Im Zeitalter der Aufklärung waren es die Landesfürsten, die sich an der ständigen Feierei ihrer Untertanen stießen. Denn die Kassen der Herrschenden waren wegen der vielen Kriege leer. Königs und Co. waren dringend auf eine fleißige Bevölkerung angewiesen, die für Steuereinnahmen sorgte. Schon Ende des 18. Jahrhunderts schaffte daher der bayerische Kurfürst Maximilian Joseph (1756 – 1825) einige Feiertage ab. Kaum war er König (von Napoleons Gnaden) verfügte er am 23. Oktober 1806, dass das Kirchweihfest künftig „in allen Pfarrkirchen am nämlichen Tage, am dritten Sonntage im Oktober gleichförmig gefeyert werden“ soll. Sowie, dass die Feste der Filialkirchen, Nebenkirchen und Kapellen „ohne Ausnahme“ aufgehoben sind. Das berichtet Josef Laber in seinem Artikel „Kirchweih und Kirchtag“ auf der Internetseite www.heimatforschung-regensburg.de.

Verbrieftes Recht auf Sonderration an Speis und Trank

Der Termin ist sicherlich kein Zufall: Die Ernte ist eingefahren, die Bauern haben mehr Zeit. Es dauerte wohl Jahrzehnte, bis sich die Regel allerorts durchsetzte. So zog das Erzbistum München und Freising erst am 28. Dezember 1866 nach. Letztendlich führten die staatlichen Regelungen zu verbrieften Rechten: Liebhart weist daraufhin, dass Ludwig Thoma in seiner Dachauer Zeit als Notar und Anwalt einige Verträge notariell beurkundete, in denen die Sonderrationen an Speis und Trank für Dienstboten und Austrägler für diesen Tag verbrieft wurden. Heutzutage gibt es nur noch die „Wirtshaus-Kirchweih“. Doch sie ist mindestens so populär wie ehedem die Bauernkirmes und der Kirta-Tanz.

Nicht zuletzt wegen der guten Gans und der fettigen Aus‘zognen. Aber Achtung: Heuer könnte es wieder eng werden. Reservieren Sie sich frühzeitig einen Tisch bei Ihrem Lieblingswirt. Kram