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HIV - die vergessene Heraus- forderung

8 Min. Lesezeit

Mitten in der Pandemie ist HIV für die meisten Menschen kein Thema, sondern vielfach noch Tabu. Aber es lohnt sich, informiert zu sein: HIV bleibt auch in Deutschland eine Herausforderung. Das sind die Fakten dazu, die jeder kennen sollte.    

Zwei Tropfen Blut und 15 Minuten Zeit – das ist alles, was Michael investieren muss, um Gewissheit zu haben. Michael gibt es in Wahrheit nicht, aber da draußen gibt es ganz viele, die Michael oder Michaela heißen könnten: Sie sind in einer Beziehung oder gerade Single, sie lieben Frauen, Männer oder beide. Was sie alle verbindet, ist die Ungewissheit und die Frage im Hinterkopf: Sollte ich vielleicht mal einen HIV-Test machen?

Den HIV-Selbsttest kann man sich mittlerweile sogar nach Hause schicken lassen. Testen war noch nie so einfach und diskret möglich. Und HIV ist behandelbar geworden. Trotzdem ist das Thema immer noch ein Tabu. Aber Herumdrucksen, Schweigen und Verdrängen sind gefährlich. Auch wenn gerade das Coronavirus die Schlagzeilen beherrscht: HIV war nie weg. Und die Menschen, die mit dem Virus leben, haben unsere Aufmerksamkeit verdient. Halbwissen und Vorurteile können zu Diskriminierung führen. Die Folgen sind jahrelange Ängste und Unsicherheiten, die bei dem einen zur Ausgrenzung führen können und andere wiederum von einem frühzeitigen Test abhalten können.

Manchmal ist es leichter, kleine Schritte zu gehen, bevor man große Entscheidungen trifft. Zum Beispiel, diesen Text zu lesen: Sieben aktuelle Erkenntnisse zu HIV, die man kennen sollte.    

1. HIV ist auch in Deutschland weiterhin verbreitet

HIV ist das Humane Immunschwäche-Virus, das Aids auslöst. Aids bedeutet erworbenes Immunschwäche-Syndrom. Unbehandelt führt eine HIV-Infektion innerhalb von Jahren zu Aids, einer Krankheit, die wiederum unbehandelt zum Tod führt.

Viele Menschen denken bei HIV an Subsahara-Afrika oder an Osteuropa. Aber auch wenn die Infektionszahlen in einigen anderen Ländern höher sind als hierzulande, bleibt HIV auch in Deutschland eine Herausforderung.    

Wie sehen die Zahlen für Deutschland genau aus? Weil HIV-Diagnosen oft erst Jahre nach der Infektion gestellt werden, sind die entsprechenden Labormeldungen allein nicht besonders aussagekräftig. Das Robert-Koch-Institut (RKI) liefert jährlich eine Schätzung zur Zahl der Neuinfektionen und zur Zahl der Menschen, die in Deutschland bereits mit HIV leben. In die Berechnungen fließen alle verfügbaren offiziellen Daten wie HIV-Meldungen, Abrechnungsdaten von Apotheken oder auch die Todesursachen-Statistiken der Statistischen Landesämter ein.

Für 2019 schätzt das RKI die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland auf 2600 Fälle, ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2018. Insgesamt lebten der Schätzung zufolge etwa 90.700 Menschen in Deutschland mit HIV, davon etwa 10.800 noch ohne Diagnose.

2. Nicht nur homosexuelle Männer infizieren sich.

Der Großteil der Menschen, die in Deutschland mit HIV leben, sind Männer. Laut RKI machen sie 73.100 der 90.700 betroffenen Menschen aus. Die größte Gruppe unter ihnen sind mit 55.900 Fällen Männer, die Sex mit Männern haben.

Das bedeutet aber nicht, dass sich in heterosexuellen Partnerschaften und bei heterosexuellem Sex niemand mit HIV infizieren kann: Etwa 11.300 Menschen der mit HIV Lebenden haben sich durch heterosexuelle Kontakte angesteckt. Bei den Neuinfektionen gehen 1600 Fälle auf Sex von Männern mit Männern zurück und 650 auf heterosexuelle Kontakte.

Auch Frauen sind betroffen: Rund 17.600 Frauen in Deutschland leben mit HIV, rund 480 Frauen infizierten sich 2019 neu.    

Ein weiterer weit verbreiteter Ansteckungsweg ist der Gebrauch von Drogen, die gespritzt werden (intravenöser Drogengebrauch) mit circa 360 neuen Infektionen im Jahr 2019.

3. Die HIV-Infektion ist erfolgreich behandelbar – und die behandelten HIV-positiven Menschen nicht mehr ansteckend

Viele Menschen wissen mittlerweile, dass eine HIV-Diagnose heute kein Todesurteil mehr ist. Aber wie weit die Therapien bereits sind, ist außer Experten und den Betroffenen selbst nur wenigen Menschen bewusst.    

Es gibt einige gute Neuigkeiten: Zum Beispiel kann man mit Medikamenten die Viruslast soweit senken, dass die Betroffenen nicht mehr ansteckend sind. Je früher die Therapie beginnt, desto besser. Wird die Diagnose frühzeitig gestellt und rasch mit der Therapie begonnen, kann ein Mensch, der mit HIV lebt, annähernd so alt werden wie jemand ohne HI-Virus.

Eine besonders erfreuliche Entwicklung: Der Großteil der Menschen mit HIV-Diagnose bekommt eine solche Therapie. Das RKI geht von 96 Prozent der Diagnostizierten aus. Davon gelten etwa 96 Prozent als erfolgreich therapiert.    

4. Trinken aus demselben Glas oder Benutzen derselben Toilette führt nicht zu HIV

Zu den Infektionswegen gibt es mittlerweile sehr viele und breit angelegte Studien. Führende Experten sind sich einig: Übertragungsweg Nummer eins ist Sex. Die höchsten Viruskonzentrationen finden sich in Blut und Sperma. Und je höher die Viruskonzentration, desto höher das Infektionsrisiko.    

Infektionen über Bisswunden oder offene Wunden gelten als sehr selten. Eine Übertragung über Blutprodukte ist nicht ausgeschlossen. In Deutschland gelten Blutprodukte jedoch als sicher.    

Gut zu wissen für Familien oder Partnerschaften: Das Alltagsleben wie das Benutzen derselben Toilette oder das Trinken aus demselben Glas führt nicht zu einer Infektion. Man sollte allerdings sogenannte Blut-Blut-Kontakte vermeiden und sicherheitshalber nicht dieselbe Rasierklinge und Zahnbürste verwenden.

5. Ein HIV-Test bringt Gewissheit und dauert nur wenige Minuten.

HIV-Tests bieten unter anderem Aids-Beratungsstellen (teils kostenlos), die Gesundheitsämter sowie Ärzte an. Bei Beratungsstellen und beim Gesundheitsamt kann man den Test machen, ohne seinen Namen anzugeben und ohne, dass das Ergebnis in die Gesundheitsakte kommt. Beim Arzt ist eine anonyme Testung nicht möglich. Für die Labortests wird Blut abgenommen – der Aufwand ist also gering.    

Eine weitere Möglichkeit sind Heimtests, die man sich nach Hause schicken lassen kann. Bei diesen Schnelltests hat man in der Regel innerhalb von 30 Minuten, teilweise deutlich schneller, ein Ergebnis. Bei Labortests dauert es einige Tage. Eine Übersicht über die Testmöglichkeiten bietet die Deutsche Aidshilfe. Mehr zum Selbsttest finden Sie hier

Aktuell kann es wegen der Corona-Pandemie bei Beratungsstellen und Gesundheitsämtern zu Einschränkungen bei der Vor-Ort-Beratung kommen. Die Aidshilfe und viele andere Beratungsstellen bieten aber weiterhin anonyme Beratung online und per Telefon an. 

6. Mit HIV kann man gesunde Kinder bekommen.

Auch mit einer HIV-Infektion ist eine Schwangerschaft möglich. Dank der ausgereiften Therapien kommt es in Deutschland nur noch selten vor, dass Babys HIV-positiv zur Welt kommen. Laut RKI-Schätzung gab es 2019 weniger als zehn solcher Fälle bei den Neuinfektionen.    

In der Regel können Frauen, die während der Therapie schwanger werden, die Therapie fortsetzen. Es gibt außerdem Medikamente, die einer Ansteckung des Babys vorbeugen.    

7. Es gibt auch Medikamente zur Prävention.

Kondome können bei richtiger Anwendung vor der Übertragung des Virus beim Sex schützen. Inzwischen gibt es für Risikogruppen auch Medikamente, die vor der Ansteckung schützen. Die sogenannte PrEP (Präexpositionsprophylaxe) ist für Menschen gedacht, die einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt sind. Das betrifft vor allem Männer, die ungeschützten Analverkehr mit Männern und trans-Personen, haben. Das Medikament muss täglich eingenommen werden, außerdem gibt es regelmäßige ärztliche Check-ups. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn PrEP als Schutz vor HIV in Betracht kommt und ein Arzt das entsprechende Rezept ausgestellt hat. (Mehr zu PrEP bei der Aidshilfe

Michael hätte vorher einen Test machen können. Oder ein Kondom benutzen. Dinge, die man sich sagt, wenn man es besser weiß - hinterher. Jetzt wartet er und schaut abwechselnd auf das Teströhrchen und seine Handyuhr. Nur noch wenige Minuten. Bleibt es bei einem Querstreifen, hat er Glück gehabt. Kommt ein weiterer hinzu, ist er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit HIV-positiv. Er weiß mittlerweile: Auch dann geht sein Leben weiter. Auf dem Infoblatt stehen Internetadressen und Telefonnummern, bei denen er sich melden könnte, auch anonym. Noch ein paar Mal tief durchatmen, noch mal und noch mal das Handy checken. Ein Streifen.    

Über MSD

Seit mehr als 125 Jahren forscht MSD an Arzneimitteln und Impfstoffen zur Bekämpfung der weltweit bedeutendsten Erkrankungen – mit der Mission, die Welt und das Leben von Menschen und Tieren zu verbessern. Seit mehr als 35 Jahren engagiert sich MSD in der wissenschaftlichen Forschung und Entdeckung von HIV und wir werden weiterhin von der Überzeugung angetrieben, dass noch weitere medizinische Fortschritte zu erwarten sind. Als Arbeitgeber steht MSD für das Motto: Diversity denken – Inklusion leben, denn Innovation lebt vom Unterschied. MSD unterstützt u. a. das Programm #positivarbeiten gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV im Arbeitsleben und verspricht somit, sich aktiv für einen diskriminierungsfreien und respektvollen Umgang einzusetzen. Am Standort in Burgwedel wird einer der weltweit ersten Ebola-Impfstoffe produziert.