Anzeigensonderveröffentlichung

LMU Klinikum Innenstadt
MUM – Medizin für den Bewegungsapparat

Ein Leuchtturm der Spitzenmedizin

Das Muskuloskelettale Universitätszentrum München – kurz MUM – bündelt die Expertise von Orthopädie und Unfallchirurgie mit wegweisenden Behandlungsstrategien

Ein Leuchtturm der Spitzenmedizin

Der Fuß- und Sprunggelenksspezialist Professor Dr. Hans Polzer (Mitte) sowie seine Kolleginnen und Kollegen setzen im neuen Muskuloskelettalen Universitätszentrum München (MUM) auf innovative Lösungen in der Patientenbetreuung und -begleitung.

Seit 2005 gibt es die Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Doch in kaum einer Klinik hierzulande wird die gesamte Expertise der muskoskelettalen Medizin tagtäglich gemeinsam genutzt und ist nicht nur nominell unter einem Dach vereint. Daher ist das Muskuloskelettale Universitätszentrum München – kurz MUM – im neuen LMU Klinikum Innenstadt ein Leuchtturm in der Kliniklandschaft. Hier bündeln sich Wissen und Können von Orthopädie und Unfallchirurgie, was ganz neue Perspektiven für Ärzte, Therapeutinnen und Patienten eröffnet. Welche das sind, lässt sich bei einem Rundgang mit dem Unfallchirurgen Professor Dr. Wolfgang Böcker und dem Endoprothetiker und Orthopäden Professor Boris Holzapfel beobachten. Sie haben gemeinsam die Leitung des MUM inne, sind dessen Initiatoren, Organisatoren und Antriebsmotoren. Beide betonen immer wieder, wie unendlich wertvoll die Fusion dieser zwei bislang eigenständigen Kliniken an den beiden LMU-Klinikstandorten Innenstadt und Großhadern ist. 

Das zeigt sich schon alleine an der Vielzahl der Spezialsprechstunden, in denen buchstäblich Hand in Hand gearbeitet wird. Professor Holzapfel macht das an einem Beispiel deutlich: Besteht die Vermutung, dass eine Schenkelhalsfraktur durch eine Osteoporose mitverursacht worden ist, kann der Patient sofort eine Knochendichtemessung erhalten, da die tägliche Osteoporose-Sprechstunde über das entsprechende Gerät verfügt. Steht fest, dass ein Patient beispielsweise eine neue Hüfte benötigt, ist die Anästhesie von Anfang an eingebunden, schließlich könnte der Betroffene ja noch weitere Erkrankungen haben. Was den MUM-Direktoren jedoch besonders am Herzen liegt, ist die Mitarbeit ihrer Patienten, im Englischen Patient Education genannt. Hier setzen sie auf ihre langjährigen Erfahrungen, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und modernstes Equipment nicht nur in den Operationssälen oder in der Rehabilitation. 

Ein weiteres Faszinosum im hochmodernen MUM sind die diversen Hilfsmittel. Der Fuß- und Sprunggelenksspezialist und Standortleiter des Innenstadtklinikums Professor Dr. Hans Polzer etwa kann seinen Patienten eine spezielle Schuheinlage anpassen, die via App signalisiert, wie stark der Operierte seinen Fuß belastet. Wie überhaupt MUM-Patienten gleichermaßen von Spitzenmedizin und Spitzentechnologie profitieren. Wie das im MUM abläuft, erklären die Experten  im Interview.

Der Endoprothetiker Professor Dr. Boris Holzapfel (links) und der Unfallchirurg Professor Dr. Wolfgang Böcker leiten das MUM im Klinikum Innenstadt.

Was ist das Besondere am MUM?

Professor Dr. Wolfgang Böcker: Das MUM ist in dieser Konstellation eines der ersten universitären Zentren in Deutschland, die die Expertise der muskuloskelettalen Medizin zusammenlegen.

Es gibt aktuell in dieser ausgeprägten Form deutschlandweit nur das Universitätscentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie in Dresden. Das Besondere ist, dass Bereiche, die seit über einhundert Jahren getrennt waren, die aber schon seit vielen Jahren ganz ähnliche Operationen durchführen, plötzlich wieder miteinander kommunizieren und ihre Erfahrungen austauschen. Beide präsentieren eigentlich völlig andere medizinische Kulturen: Der Orthopäde ist im Elektivbereich unterwegs, der Unfallchirurg kommt aus dem chirurgischen Bereich.

Wie zeigt sich das?

Professor Böcker: Wir sehen das alleine schon in unseren täglichen Diskussionen. Wir haben tatsächlich viele Jahre lang in unserer eigenen Welt gelebt, haben aber auch viel dazu gelernt. Wenn wir jetzt zum Beispiel diskutieren, dass eine alte Patientin, die sich den Schenkelhals gebrochen hat und eine Hüftprothese benötigt, spricht der Endoprothetiker über die beste Prothesenversorgung. Wenn es sich bei einer anderen Patientin dann noch um einen Knochenbruch handelt, der sich neben einer einliegenden Hüftprothese befindet, hat der Endoprothetiker ganz andere Vorstellungen als der Unfallchirurg. Der Unfallchirurg will schnell versorgen, er will die Patientin wieder schnell „auf die Füße bekommen“; der Endoprothetiker will alles möglichst perfekt machen. Es ist ein Spannungsfeld, den richtigen Weg, die richtige Sichtweise für den einzelnen Patienten zu finden. Weil man alle Vor- und Nachteile diskutiert, kommt am Ende die beste Lösung heraus. Für uns als Unfallchirurgen tun sich da manchmal ganz andere Welten auf, was den Bereich der Endoprothetik betrifft. Denn es gibt Möglichkeiten, die wir in dieser Tiefe in der Vergangenheit gar nicht fokussiert haben. Man lernt voneinander. Wir haben außerdem den großen Vorteil, dass wir die Physikalische Medizin im Zentrum haben, das gibt uns im MUM viel größere Gestaltungsmöglichkeiten. 

Welche sind das?


Professor Dr. Boris Holzapfel:
Um beim Beispiel Hüftendoprothetik zu bleiben: Wir können jetzt Konzepte wie das „Fast Track“ Programm umsetzen, dazu ist ein ganzes Team notwendig. Bei diesen Konzepten geht es darum, unsere Patienten nach einer Operation möglichst schnell wieder zu mobilisieren und sie damit schnellstmöglich wieder in ihren Alltag zurückkehren zu lassen. Oder in der Alterstraumatologie: Hier benötigt man sehr viel mehr Physiotherapeuten als üblich, um die Patienten adäquat zu mobilisieren.

Professor Dr. Hans Polzer: Das MUM ist ein direkter Gewinn für den Patienten. Bislang hat den akut Verletzten der Unfallchirurg versorgt, und den Folgezustand hat der Orthopäde behandelt. Derjenige, der den Folgezustand versorgt, hat nun ein ganz anderes Verständnis für die Primärversorgung. Jemand der die Folgezustände sieht, betrachtet auch die akute Verletzung anders. In der topografischen Chirurgie behandelt derselbe Arzt, der die akute Verletzung versorgt, auch die Folgen, die daraus resultieren. 

Können sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Professor Böcker: Nehmen wir einen alten Herrn mit Oberschenkelhalsbruch: Der Unfallchirurg würde sagen: Wir haben hier einen Patienten mit dem Ziel, ihn möglichst schnell innerhalb von 24 Stunden zu operieren und wieder auf die Füße zu stellen. Und schnell einer Rehabilitation zuzuführen. Dabei wird die Standard-OP-Technik zwar beherrscht, aber die Nuancen machen den Unterschied. Sie sind dem „normalen“ Unfallchirurgen – fast überall in Deutschland – nicht zugänglich. Diese Ärzte können das zwar, aber nicht in der Perfektion wie ein Endoprothetiker, der nichts anderes macht. Der Orthopäde, der auf Endoprothetik spezialisiert ist, hat die neuesten Zugänge, er weiß, wie man am Weichteil schonendsten operiert, er arbeitet an den Feinheiten und an den Geschwindigkeiten. Wir organisieren uns jetzt in einem sogenannten Endoprothesen-Team. Der Patient wird zwar in der Unfallchirurgie aufgenommen, aber für die Indikation muss immer ein zertifizierter Endoprothetiker dabei sein. Deshalb arbeiten bei uns jetzt die Unfallchirurgen mit den Endoprothetikern am gleichen Operationstisch zusammen, um neue Zugänge und viel mehr zu lernen. Das ist beeindruckend. Die Patienten sind viel schneller wieder auf den Beinen, weil man eben Weichteil schonend arbeitet. Aber diese Techniken lernt man nur von Endoprothetikern, die sich international auf dem obersten Niveau bewegen, so wie unsere Endoprothetiker um Professor Holzapfel. Wenn man also als Unfallchirurg davon profitieren will, muss man sich mit solchen Spezialisten zusammentun. Das ist der Vorteil des MUM: Er ist nicht mehr mein Patient, sie ist nicht mehr deine Patientin. Wir fusionieren, da ist es völlig egal, ob der Orthopäde oder der Unfallchirurg die Federführung hat, es kommt darauf an, wer der Bestgeeignete zu diesem Zeitpunkt für diesen Patienten ist. Es geht nur noch um die Qualität.

Gibt es noch weitere Auswirkungen?

Professor Polzer: Die OP-Technik ist der eine Aspekt, der andere sind die Überlegungen, die man jetzt bei der Versorgung anstellt. Bei Sprunggelenksfrakturen kümmert sich der Arzt nur um diese Frakturen, er macht sich ganz andere Gedanken, weil er sich nur mit diesen Gelenken beschäftigt. Der Unfallchirurg operiert am ganzen Körper. Er sieht, was geschieht, je nachdem, wie man das Gelenk versorgt. Die Patienten bleiben in unserer Versorgung. Sie kommen nach ein, zwei, drei Jahren wieder, und wir sehen dann, wie der Gelenkverschleiß sich entwickelt. Und versorgen ihn weiter. Wir haben also den Überblick, welche Folgen welche Verletzung hat. Das führt schon bei der Primärversorgung zu anderen Überlegungen. 

Das heißt, auch die Struktur des MUM ist neu?

Professor Böcker: Wir haben lange überlegt, wie wir das Zentrum strukturieren. Die Unfallchirurgie wie sie allgemein praktiziert wird, gibt es eigentlich nur im deutschsprachigen Raum.

Professor Polzer: Das ist ein regionales Phänomen. In den USA ist das nicht so.

Professor Böcker: Wir haben aber damit viel erreicht. Das BG-Wesen (BG: Berufsgenossenschaft) gibt es seit einhundert Jahren nur im deutschsprachigen Raum in dieser Form. Die Polytrauma-Versorgung ist ganz wesentlich in Deutschland entwickelt worden. Schwerverletztenversorgung heißt, einen Anwalt für den akut erkrankten oder verletzten Patienten zu haben. Das hat seine Berechtigung.

Professor Polzer: Bei einem Schwerstverletzten braucht es den Unfallchirurgen, der koordiniert und die Akutversorgung beherrscht. Er sagt: Jetzt ist das das Dringliche. Er holt sich unter Umständen auch Hilfe von spezialisierten Teams. Die Kombination daraus ist der große Mehrwert. Wir haben jetzt die Chance, dass dem Polytrauma-Unfallchirurgen ein topografisch spezialisierter Chirurg zur Seite steht.

Schlägt sich das in der Arztausbildung nieder?

Professor Holzapfel: Wir verstehen uns als Universitätsklinik und sind deshalb als Ärzte im MUM der Ausbildung verpflichtet. Wir müssen also Strukturen haben, um die Ärzte von morgen auszubilden. Natürlich erwartet der Patient immer den Spezialisten, der genau das kann. Aber auf der anderen Seite gibt es die „Brot- und Buttermedizin“, bei der der Patient sofort Hilfe braucht und nicht mit der Sprunggelenksfraktur erst in drei Wochen einen Termin machen kann. Diese Ärzte müssen wir ebenso ausbilden, um die Versorgung in ihrer ganzen Breite zu gewährleisten.

 

Professor Polzer: Seit 15 Jahren gibt es den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Auf dem Papier hat diese Fusion längst stattgefunden, aber in der Realität gibt es keine Klinik, die entsprechend ausbildet, mit Ausnahme von Dresden – und jetzt wir.

Professor Böcker: Wenn wir das schaffen, wird das was richtig Großes.

 

Professor Polzer: Wir sind keine kleine Klinik, wir sind ein richtig großes Team. Wir müssen ganz viele Sachen neu entwickeln. Das ist unfassbar spannend. Wir schaffen hier etwas Neues. Das gibt es bisher in dieser Form nicht. Wir leben diese Fusion, über die in Deutschland seit vielen Jahren diskutiert wird. Es gibt viele Kliniken mit „Orthopädie und Unfallchirurgie“ auf dem Schild, aber das wird nicht gelebt.

Sie sind ausgesprochen zukunftsorientiert?

Professor Polzer: Allein schon dieses iPad auf Rollen, mit dem Patienten im Wartebereich auch Fragen zur eigenen Befindlichkeit beantworten … 

 

Professor Böcker: Wir arbeiten in Deutschland doch zum Teil noch in steinzeitlichen Verhältnissen, in der Ärzte ihre Arztbriefe selbst tippen. Dafür gibt es heute eine Spracherkennungssoftware.

 

Professor Polzer: Wir sind natürlich zukunftsorientiert, einerseits, was technische Lösungen angeht, die im Klinikum noch nicht vorhanden sind, anderseits aber auch innovativ in der Patientenbetreuung, zum Beispiel mit der Verwendung von Apps.

Wie funktioniert das?

Professor Holzapfel: Wir haben jetzt sogenannte Pa-tientenpfade. Hier ist die App ein integraler Bestandteil. Zum Beispiel bei einem Patienten mit Hüftgelenksarthrose. Da können wir nun bereits vor der Operation entsprechende Verhaltensregeln für den Patienten festlegen – also nicht nur Rehabilitation, sondern Prähabilitation betreiben. Das heißt, der Patient wird für den operativen Eingriff vorbereitet und bekommt konkrete Aufgaben bis zum Zeitpunkt der Operation gestellt. Die App, mit der sich der Patient auf die Operation vorbereitet, enthält Informationen über die Operation, Nachsorge-Übungen und ein Feedback, das ihm sagt, wo er steht. Man kann natürlich Dr. Google fragen, aber in dieser App stehen unsere Fachinformationen, die haben eine ganz andere qualitative Wertigkeit. Es gibt ein Feedback zum Behandler, Terminvereinbarungen und Terminerinnerungen. Nach der Operation wird der Patient über die Ziele informiert, die er erreichen muss. Also: Wann muss ich zum Beispiel in der Lage sein, ohne Krücken gehen zu können? All das soll einerseits den Patienten motivieren, andererseits den Arzt informieren, ob es vielleicht ein Problem gibt oder der Patient mehr Aufmerksamkeit braucht. Diese Digitalisierung ermöglicht uns festzustellen: Hier haben wir ein Problem, und das müssen wir lösen. Die Operation ist das eine. Aber sie ist ja nur der Anfang. Das Ergebnis wird bedingt durch die Kombination aus Operation und Rehabilitation. Und deshalb ist es großartig, mit diesen Werkzeugen zu überprüfen, wie die Rehabilitation verläuft. Und wir müssen uns selbst immer kritisch überprüfen. Ist das, was wir machen gut? Was können wir besser machen? Wo gibt es Probleme?

 

Professor Böcker: Wir können in unserem großen Zentrum überprüfen, ob und was die einzelnen Maßnahmen für den Patienten bringen. Wir machen jetzt zum Beispiel ein „Rapid Recovery“ Programm, in dem die Endoprothektik-Patienten nicht nur die üblichen 15 Minuten behandelt werden. Die Ergebnisse können wir mit dem Standard vergleichen. Nur so können wir uns verbessern. Das Ergebnis ist für den Patienten am Ende endscheidend. 

Wie viele Mitarbeitende gibt es im MUM?

Professor Böcker: 91 Vollkräfte Ärztinnen und Ärzte, insgesamt 262 Vollkräfte, darunter 120 Physiotherapeuten, Ergotherapeutinnen, Logopäden und der medizinisch-technische Dienst. Zudem haben wir in unserem neuen Forschungslabor in Martinsried festangestellte Forschende für die Grundlagen- und translationale Forschung. Pflegekräfte sind hier nicht einmal mit eingerechnet. Aktuell haben wir insgesamt über 370 Mitarbeiter im MUM. Daher können wir gestalten. Wir haben Synergien geschaffen, aber nicht im Sinne von Kostenersparnis. Wir können jetzt zum Beispiel Geräte anschaffen, die jede Klinik allein nie hätten kaufen können, wie etwa einen OP-Roboter. 

Interview Dorothea Friedrich

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