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Profis am Werk

Herr der Ringe

Thilo Schütze ist Goldschmied – ein sehr ästhetisches Handwerk, das derzeit vom Aussterben bedroht ist

Thilo Schütze in seinem Geschäft. Er fertigt seine Stücke aus 35 Jahren Erfahrung.

Foto: Gewerbeverband Oberhaching

Funkelnder Schmuck, funkelnde Augen. Wenn Goldschmiedemeister Thilo Schütze aus Oberhaching über sein Handwerk erzählt, gerät er schnell ins Schwärmen. „Für mich ist es das Größte, wenn ich sehe, wie ein Kunde sich tief und ehrlich über ein von mir entworfenes und gebautes Schmuckstück freut.“ Schütze weiß dennoch, wie schwierig es heutzutage ist, als Goldschmied oder Juwelier Fuß zu fassen. „Immer weniger junge Leute entscheiden sich für eine Goldschmiedelehre. Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll, dauert gut drei Jahre und danach steht man immer häufiger vor der Frage: wie kann ich erfolgreich meiner Arbeit nachgehen?“ In Zeiten der Globalisierung und in Massen gefertigten und genormten Schmucks à la „Made in China“ oder des Schmuckkaufs per Mausklick im Internet ist dieses kreative und filigrane Handwerk auf dem absteigenden Ast. Zudem erschweren in letzter Zeit auch steigende Kurse bei den Edelmetallen, allen voran Gold, die Auftragslage. Nur wenige Menschen sind bereit, für ein Unikat aus Gold und Edelsteinen entsprechend Geld auf den Ladentisch zu blättern. „An manchen Tagen wechselt man hauptsächlich Quarzbatterien aus oder lötet Kettenglieder zusammen. Kommt das zu oft vor, kann man den Beruf an den Nagel hängen“.

Doch das würde er niemals tun. Zu sehr ist Schütze mit Leib und Seele ein „Herr der Ringe“, ein Meister der Schmuckkreation. Zudem ist er Goldschmied in der dritten Generation. Schon der Großvater Martin fertigte in den 1930er-Jahren Pretiosen an. Alle fünf Kinder ergriffen ebenfalls den Beruf, darunter auch Thilos Vater Gerold. Alle fünf schafften wie er selbst den Meistertitel. Schon sehr früh war ihm klar, wohin die berufliche Reise gehen würde: „Ich war kaum sechs Jahre alt, da habe ich in der Werkstatt meines Vaters Kupferringe gefertigt.“

 

Massiver Reif aus Gold und Edelsteinen

Jahre danach wollte ihn die Mutter unbedingt auf das Gymnasium schicken, damit er später Maschinenbau studieren sollte. Die Antwort des kleinen Thilo lautete: „Ich brauche keine höhere Schule, ich werde Goldschmied.“ Und so ging es nach der Mittleren Reife für ihn in die Lehre, die er 1986 in Mannheim mit der Gesellenprüfung abschloss. Über den Umweg Zell am See im Salzburger Land kam er 1989 zu einem Juwelier nach Grünwald, 1993 bestand er mit Bravour die Meisterprüfung im Bildungszentrum München. Sein Meisterstück steht heute noch in einer Vitrine im Laden – ein massiver Schmuckreif aus purem Gold und Edelsteinen in allen Farbprismen eines Regenbogens nebst Patentverschluss. Ein Meisterwerk, über das die Prüfer erstaunt die Köpfe schüttelten. Schon im Jahr zuvor hatte er den ersten Preis für herausragendes Kunsthandwerk der Danner Stiftung erhalten. In Oberhaching eröffnete er daraufhin sein eigenes Geschäft nebst Werkstatt. Er bildete einige Lehrlinge aus, auch wenn dies mit Blick auf die geschäftliche Situation nicht immer einfach war. Neben seiner Passion für die Herstellung von Gold und Schmuck etablierte er sich auch mit Wartung und Reparatur hochwertiger Uhren.

Ein asymmetrischer Opal neben Gelbgold und Brillant aus der Werkstatt des Meisters. 

Tansanite und Brillanten in Ohrhängern aus Weißgold.

Fotos: Thilo Schütze

In seine Werkstatt geht Thilo Schütze jeden Morgen schon um halb acht, gegen neun Uhr schließt er den Laden auf, und wenn er ihn gegen 18 Uhr wieder schließt, tüftelt er danach häufig weiter an besonders schönen Exponaten. Inzwischen hat er seit rund 35 Jahren Erfahrung und eine Menge weiterer Meisterwerke, Ringe, Broschen, Anhänger, Ketten, Ohrringe oder Armreifen gefertigt. Darunter auch Trauringe. Wie jene für einen bayerischen Fußballstar, wozu ihm das Werbemotto „Auch Weltmeister tragen Ringe von Schütze“ einfiel. Immer wieder geben sich bei dem Goldschmied in dritter Generation prominente Moderatoren oder Schauspieler die Klinke in die Hand, wissen seine hochwertige Arbeit zu schätzen. Was nicht verwundert, denn bei Schütze ist alles aus einem Guss. Die ganze Materialbearbeitung findet in seiner Werkstatt statt: Metalle werden legiert, geschmolzen, gegossen, gewalzt und Steine bearbeitet. Er schmiedet, lötet, schweißt, graviert und punziert. An einem Ring arbeitet er durchaus mehrere Tage. 

Die Liebe zum Detail sieht man den Endprodukten an. Etwa einem Ohrhänger aus 18 Karat Weißgold, Brillanten und blauem Tansanit, oder einem Ring mit einem asymmetrischen Opal aus 18 Karat Gelbgold. Eines seiner teuersten Stücke war ein sehr aufwendig gearbeiteter Armreif voller Brillanten, die auf dem Gold wie Sterne leuchteten, nebst einer integrierten Uhr. Schütze entwirft viele Unikate wie diese, die so manchen seiner Kunden zu Lobeshymnen veranlassen. Eine Kundin schrieb ihm einmal einen Lobesbrief, den er gerahmt neben seinem Verkaufstresen hängen hat. Er endet mit dem tiefsinnigen chinesischen Sprichwort „Wer seinen Beruf liebt, geht niemals arbeiten.“ Darin steckt viel Wahres. Denn was Thilo Schütze macht, ist in erster Linie Berufung statt Beruf.

Christoph Trick