Förderung von Digitalisierung

Von der Idee zur Finanzierung

Viele Mittelständler planen Investitionen in Digitalisierung und Innovation. Aktuell scheint das auch sinnvoll. Oft scheitern die Vorhaben aber an der Finanzierung. Dafür gibt es Lösungen.

Von der Idee zur Finanzierung

Müssen wir das Geschäftsmodell anpassen? Und wie teuer ist das? – Foto: Adobe Stock

Die Krise als Chance – eine Formulierung, die gerade oft durch die Medien schwirrt. An diesem Mutmacher-Satz scheint auch etwas dran zu sein: Laut der Corona-Sonderbefragung der KfW haben insgesamt 43 Prozent der mittelständischen Unternehmen aufgrund der Pandemie Anpassungen am Produkt- und Dienstleistungsangebot, dem Vertrieb oder dem Geschäftsmodell vorgenommen.

Konzepte sind da – aber woher kommt das Geld?

Ob kurzfristige und zeitlich begrenzte Umstellungen – etwa Desinfektionsmittel statt Spirituosen – oder langfristige Neuerungen wie die Produktion von Beatmungsgeräten im 3D-Druck: Viele deutsche KMU reagierten in der Krise kreativ und flexibel. Gerade innovativen Unternehmen gelingt es auch jetzt, die Geschäftssituation an die besonderen Umstände anzupassen. An Ideen und Konzepten mangelt es dem Mittelstand also nicht, oft aber an Geld. Nur sieben Prozent der Digitalisierungsvorhaben werden durch Bankkredite finanziert. Aber weshalb verhalten sich Banken beim Thema Digitalisierung so zurückhaltend?

Unsicherheit hemmt die Finanzierung

Ein entscheidender Faktor, warum ein Digitalisierungsvorhaben mit externen Mitteln scheitern kann, ist laut einer Veröffentlichung der KfW die Unsicherheit über den Projekterfolg. Die technische Durchführbarkeit oder der kommerzielle Erfolg können nur schwer durch externe Geldgeber prognostiziert werden. Digitalisierungsprojekte bestehen außerdem nur zu einem geringen Anteil aus materiellen Investitionen. Stattdessen geht es beispielsweise um individuelle Cloudlösungen, die den Banken kaum als Sicherheit dienen können.

„Ein spürbarer Schub hin zur Digitalisierung“

Dr. Volker Zimmermann, Digitalisierungsexperte bei KfW Research, über die Folgen der Coronakrise

Volker Zimmermann – Foto: KfW-Bildarchiv / Heinrich Völkel, OSTKREUZ

Was ist der Unterschied zwischen einem Digitalisierungsvorhaben und einem Investitionsvorhaben?

Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass bei Digitalisierungsvorhaben eine nicht zu vernachlässigende Unsicherheit über den Erfolg besteht. Digitalisierungsvorhaben weisen daher immer ein gewisses Risiko auf – für das durchführende Unternehmen, aber auch für einen möglichen externen Geldgeber. Hinsichtlich einer externen Finanzierung ist von Bedeutung, dass Digitalisierungsvorhaben nur zu einem geringen Anteil aus materiellen Investitionen bestehen. Dies erschwert eine Kreditfinanzierung im Vergleich zu Investitionen spürbar. Nicht zuletzt erfordert die Ideenfindung, Planung und Durchführung von Digitalisierungsvorhaben, aber auch das Arbeiten mit den Projektergebnissen, ein besonderes Knowhow, das nicht immer in den Unternehmen vorhanden ist.

 

Wie schätzen Sie die „Digitalisierungsfreude“ von KMU in den nächsten Jahren ein? Wird es hier einen deutlichen Anstieg geben?

Die Coronakrise hat auf der einen Seite gezeigt, wie wichtig Arbeiten, Lernen und Kommunikation mit Hilfe elektronischer Kanäle ist. Ein eingängiges Beispiel dafür ist das Arbeiten im Home Office. Aber auch in der klassischen Produktion wird nun von vielen Unternehmen verstärkt auf digitale Prozesse gesetzt. Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie auch dem Online-Einkaufen und Online-Freizeitaktivitäten zusätzlichen Auftrieb gegeben. Das wird dazu führen, dass in vielen Bereichen eine verstärkte Nachfrage nach Digitalisierung bei den Unternehmen entsteht. Auf der anderen Seite belastet die Coronakrise die Unternehmen. Sie schmälert die Unternehmensgewinne, so dass die Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben – die selbst bei umfangreichen Projekten typischerweise aus internen Mitteln erfolgt – zumindest in naher Zukunft erschwert wird.

 

Welche Projekte sind davon vor allem betroffen?

Besonders längerfristige und tiefergehende Digitalisierungsvorhaben dürften davon betroffen sein. Schnell umsetzbare Vorhaben dürften dagegen häufiger realisiert werden. In der Summe wird sich jedoch ein spürbarer Schub hin zur Digitalisierung ergeben. Die Digitalisierung wird damit aber nicht zum Selbstläufer. Generell werden Finanzierungsschwierigkeiten und auch der Mangel an digitalen Kompetenzen in den Unternehmen die Digitalisierung weiterhin bremsen. Um alle Potenziale der Digitalisierung zu erschließen, wird auch zukünftig staatliche Unterstützung notwendig sein. Ansatzpunkte sind beispielsweise die Bereitstellung der notwendigen Qualifikationen, aber auch Unterstützung bei der Finanzierung solcher Vorhaben.

Chancen für externe Finanzierung

Es gibt schon heute viele kleine oder mittlere Unternehmen, die mit ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung überzeugen und auf externe Finanzierung bauen können. So unterstützt beispielsweise die KfW Mittelständler auf dem Weg in die unternehmerische Zukunft.

  • Der Lackhersteller Weilburger Graphics setzt auf eine digitale Produktionsanlage und steigert damit den Umsatz.

    Foto: KfW Bankengruppe/Thomas Dashuber

  • Der Bergsportausrüster Vaude zählt zu Deutschlands nachhaltigsten Unternehmen.

    Foto: KfW Bankengruppe/Thorsten Futh

  • Das hessische Start-up doks. innovation will die Warenlogistik von Unternehmen mithilfe von Drohnen zukunftsfähiger machen.

    Foto: KfW Bankengruppe/Jonas Wresch

Die deutsche Wirtschaft braucht den Mittelstand. Und der braucht die Digitalisierung. Die Corona-Krise zeigt einmal mehr, wie wichtig Flexibilität und Agilität für mittelständische Unternehmen sind. Auch Politik und Finanzindustrie haben das erkannt und unterstützen Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung.

„Krisen sind Zeiten, in denen Zukunft gestaltet wird“

Professor Dr. Dirk Schiereck, Leiter des Fachgebiets Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt, über die aktuellen Chancen von Digitalisierungsvorhaben

Dirk Schiereck – Foto: TU Darmstadt

Welche Optionen gibt es für mittelständische Unternehmen, um Digitalisierungsvorhaben zu realisieren?

Eine allgemein gültige überlegene Finanzierungsform für Digitalisierungsvorhaben gibt es nicht, sondern immer nur eine unternehmensspezifische. Ändern die Digitalisierungsvorhaben sehr grundlegend und disruptiv das Geschäftsmodell des Unternehmens, ist dies typischerweise mit erheblichen Risiken verbunden und muss zu Teilen auch mit Eigenkapital unterlegt werden.

Generell gilt: Digitalisierungsvorhaben müssen gut durchdacht und vom Management überzeugend kommuniziert sein, um deren Finanzierung – gerade auch über Kredite – zu erleichtern.

 

Die aktuelle Wirtschaftslage trifft viele Mittelständler hart. Sehen Sie eine Gefahr, dass deutsche KMU im internationalen Wettbewerb hinterherhinken werden?

Ich sehe hier eher das Gegenteil, eine Riesenchance! Andere Länder sind viel stärker durch die Pandemie betroffen und in ihren Finanzierungsmöglichkeiten und Unterstützungsmaßnahmen deshalb auch ungleich mehr eingeschränkt. Zugleich hat die Pandemie die Notwendigkeit zur schnellen, konsequenten Digitalisierung verdeutlicht, und die Bereitschaft der Politik und der Finanzindustrie, der deutschen Wirtschaft einen kräftigen Digitalisierungsschub zu geben, ist größer als je zuvor. Krisen sind die Zeiten, in denen Zukunft gestaltet wird.

 

Wie können KMU schneller und leichter einen Kredit erhalten? Welche Dinge gibt es zu beachten?

Hier gibt es zunächst eigentlich keine Besonderheiten gegenüber der Vor-Corona-Zeit. Transparente Unternehmensstrukturen, gut aufbereitete Zahlen und eine klare, überzeugende Investitionsstrategie sind immer notwendig.

Es gibt aber darüber hinaus natürlich schon einige Themen, die gegenwärtig anders bewertet werden. Ein mittelfristig tragfähiges Liquiditätsmanagement und eine Planung unter Einbezug der Nachfrageunsicherheit in vielen Exportmärkten zählen dazu.  Bei risikoscheuen Banken ist ein Finanzierungsmodell, bei dem die Kredite von verschiedenen Kreditgebern – Hausbank, KfW, weitere Banken und digitale Finanzierungsplattformen – kommen, generell anzuraten.

KfW fördert Digitalisierung

Die Zukunft wartet nicht und die Digitalisierung ist weiter auf dem Vormarsch. Dafür lohnt es sich gerüstet zu sein. Wenn Sie beispielsweise das Breitbandnetz in Ihrem Unternehmen ausbauen, ein additives Fertigungsverfahren wie 3D-Druck als neue innovative Produktionsmethode integrieren oder Ihre ERP- und Produktionssysteme miteinander vernetzen möchten, unterstützt Sie die KfW mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit.

 

Der Förderkredit für zukunftsweisende Vorhaben und der Förderzuschuss als Ergänzung zum Kredit wurden für mittelständische Unternehmen und Freiberufler ins Leben gerufen, die eine Finanzierung im Zusammenhang mit einem Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben benötigen. Die KfW kann bis zu 70 Prozent des Risikos gegenüber der Bank übernehmen. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, einen Kredit zu erhalten.

 

In diesem Video erhalten Sie alle wichtigen Informationen zum Kredit in wenigen Minuten.

Ist Ihr Interesse geweckt? Sprechen Sie mit Ihrem Finanzierungspartner vor Ort oder informieren Sie sich online

  • Digitalisierung als Chance

    Der digitale Wandel ist im Mittelstand angekommen. Doch vielen kleinen und mittleren Unternehmen fehlt es an digitaler Kompetenz und manchmal auch an einer Strategie. Wie kann der Mittelstand diese Hürden überwinden?

  • IT-Sicherheit made in Germany

    Der Schutz von Firmen-Netzwerken wird immer wichtiger im digitalen Alltag. Der bayerische Unternehmer Frank Mann entwickelt in seinem IT-Systemhaus innovative und maßgeschneiderte Sicherheitslösungen.

Die Süddeutsche Zeitung ist weder für den Inhalt der Anzeige noch die darin enthaltenen Verlinkungen noch für ggf. angegebene Produkte verantwortlich.