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Osterideen

Osterbräuche im Brucker Land

Unsere Vorfahren wussten, wie man das wichtigste christliche Fest begeht – ganz ohne Reisen, Museen und Spaßbäder

Foto: Pixabay

Das wichtigste Fest der Christenheit ist Ostern, die Auferstehung von Jesus Christus. Kein Wunder deshalb, dass sich seit alters her um diesen Feiertag allerlei Bräuche ranken. Im Brucker Land gehören dazu das Bemalen und Suchen von Ostereiern, die Osterfeuer und das Binden von Palmbuschen, dazu das „Oarwoagln“, das etwa am Jexhof-Museum gepflegt wird. In einigen Orten gibt es noch Karfreitagsratschen sowie das „Heilige Grab“, das vor dem Hochaltar aufgestellt wird. Die Ursprünge solcher Bräuche sind in der Regel nicht mehr auffindbar, manche sind inzwischen auch verschwunden, darunter das Passionsspiel, das die Brucker einst aufführten.

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Verbürgt ist, dass dieses Spiel am Ende des 17. Jahrhunderts im Markt aufgeführt wurde. Zeuge ist kein geringerer als Gottfried Wilhelm Leibniz, der Philosoph und Mathematiker, Jurist und Historiker aus Leipzig. Der berühmte Universalgelehrte war 1688 mit der Kutsche von Augsburg nach München unterwegs, als er wegen eines Umzugs anhalten musste. Was er sah, muss für ihn ein Kulturschock gewesen sein. Leibniz sah eine Prozession vorüberziehen und mittendrin vier Männer, die einen fünften, der Jesus darstellen sollte, nicht bloß führten und zerrten, sondern sogar schlugen.

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Die Prozession überquerte gerade die Amperbrücke und befand sich wohl an der Stelle, wo heute die Figur des Heiligen Nepomuk steht und damals ein großes Kreuz angebracht war. Was dann geschah, beschrieb der Mann, der als Vorläufer der Aufklärung gilt, der Herzogin Sophie von Braunschweig-Lüneburg folgendermaßen: „Als diese Gruppe an dem Kruzifix vorbeikam, das auf der Brücke stand, schlug einer der vier Männer anstatt auf den Christusdarsteller, den man führte, auf eben dieses Kreuz ein. Das erschien mir außergewöhnlich.“

Das Brucker Passionsspiel begann jeweils mit einer Theateraufführung und endete mit jener Prozession, bei der die Schauspieler mit ihren Kostümen dabei waren. 1770 verbot die kurfürstliche Regierung alle Passionsspiele, etwa 150 Orte in Altbayern waren davon betroffen. Nach dem Regierungsantritt von Carl Theodor (1778) wurde der Erlass gelockert, was die Brucker zu einem Bittgesuch zugunsten ihres Trauerspiels über das Leiden des „Weltheylands“ mit anschließender „solenner Procession“ animierte. Ihre Begründung war dabei höchst weltlich, es ging um die Einnahmen von Gastronomie und Gewerbe. Der „durchlauchtigste, churfürstliche Gnädigste Herr“ möge bedenken, dass der „Markt Brugg“ und seine Bürger wenig Einkünfte hätten. 

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Die Karwoche jedoch sei fürs Geschäft die „wichtigst und vortheilhafteste Zeit“, weil viele Bauern aus dem Umland zum Passionsspiel gekommen waren und „vieles Geld verzehrt und viele Notwendigkeiten von jedem Handwerke erkaufet hatten“, hieß es in dem Gesuch. Die Regierung genehmigte tatsächlich eine Ausnahme und dem Brucker Passionsspiel war eine Gnadenfrist gewährt, die erst mit der Säkularisation 1803 endete.

Mit Stöcken und Steinen 
auf die Bänke gehämmert

Die Gläubigen schlugen zu Ostern nicht bloß auf das Kruzifix auf der Amperbrücke ein, sondern bei so genannten „Pumperermetten“ auch auf Kirchenbänke. An Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag gab es Chorgesänge in den Kirchen, bei denen nach jedem Psalm eine Kerze auf einen Leuchter aufgesteckt wurde. Nachdem die letzte Kerze, die Christus symbolisierte, erloschen war, schlugen die Besucher mit Stöcken, Steinen und Hämmern auf die Bänke. Der Lärm galt Judas, dem Verräter. Bezeugt sind diese Pumperermetten erstmals für 1660 in Bruck, aber im 18. Jahrhundert verschwand der Brauch allmählich. In der Figur des Judas waren die Juden personifiziert, die in der christlichen Tradition als Gottesmörder und Gottesleugner galten.

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Bis heute sind die Osterbräuche nur zum Teil erforscht. Die wissenschaftliche Beschäftigung, begann erst in den 1960er Jahren, als Volkskundler nach Quellen suchten und in Aufzeichnungen von Klöstern und Pfarrern fündig wurden oder Berichte wie in jenem Brief von Leibniz entdeckten. Bis dahin hieß es über alle möglichen Rituale, diese gingen auf die Kelten oder Germanen zurück, was ziemlich gewagt ist, verlieren sich die meisten Spuren doch im späten Mittelalter, gerade auch in Altbayern, wo durch den Dreißigjährigen Krieg viele Dokumente vernichtet wurden. In Fürstenfeldbruck war es der früherer Kreisheimatpfleger Toni Drexler, der sich mit dem Osterbrauchtum beschäftigte.

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Sicher ist, dass sich weltliche, heidnische und christliche Motive mischten. Zum Auftakt wurden am Palmsonntag die Palmbuschen in der Kirche geweiht, bei Gewitter warf man ein Stück davon ins Herdfeuer. In manchen Orten wurden hölzerne Palmesel bei der Prozession mitgezogen. Am Gründonnerstag, dessen Name nicht von der Farbe sondern vom „Greinen“ kommt, waren Eier sehr gefragt. Was an diesem Tag von den Hühnern gelegt wurde, galt als heilkräftig und wurde am Ostersonntag geweiht. Zum Essen wurde am Gründonnerstag oft eine Kerbelsuppe gereicht, womit die Farbe Grün doch noch ins Spiel kommt.

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Der Karfreitag war ein strenger Fasten- und Abstinenztag, an dem allenfalls eine Mehlspeise gegessen wurde. Der Fisch, der heute noch gerne an diesem Tag verspeist wurde, war früher für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich. Fenster und Altäre der Kirchen wurden schwarz oder lila verhängt, und vor dem Hochaltar das „Heilige Grab“ aufgebaut, eine Bühne mit einer Grotte, dazu Darstellungen des Leichnams von Jesus, von römischen Soldaten und Engeln aus Holz. 

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Illuminiert wurde die Szenerie durch Glaskugeln, die mit gefärbtem Wasser gefüllt wurden, hinter denen kleine Öllämpchen flackerten. Diese Darstellung verschwand in den meisten Dörfern mit der Liturgiereform in den 1960er Jahren. Früher wurde vor dem „Heiligen Grab“ ein zehnstündiger Rosenkranz gebetet, an dem die Familienmitglieder reihum teilnahmen.

Unverheiratete Burschen
forderten Ostereier von Mädchen

Von dem Brauch, an Karfreitag viel Lärm zu machen, haben sich die Karfreitagsratschen gehalten, etwa in Hörbach und Moorenweis, wo die Kirchenglocken an diesem Tag schweigen. Am Karsamstag sammeln die Burschen Holz und Reisig für das Osterfeuer, bei dem früher eine Strohpuppe als „Jaudas“, also Judas, verbrannt wurde. Die Kirche feierte früher die Osternacht mit kleinen Feuern vor dem Gotteshaus, um Holz zu weihen. Bei dieser „Brandweihe“ wurden Holzscheite angesengt und geweiht und dann im Dachboden aufgehängt, zum Schutz vor Blitzschlag.

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Die Osternacht ist die erste Freinacht, in der alles, was nicht niet- und nagelfest, nicht eingezäunt, angebunden, abgesperrt oder überdacht ist, verzogen werden darf. Unverheiratete Burschen zogen vor die Häuser mit heiratsfähigen Mädchen, machten Lärm und forderten Ostereier. Bekam ein Mann viele Eier, galt das als Gunstbeweis, wer leer ausging, konnte alle Hoffnung fahren lassen. Die Ostereier werden zusammen mit Brot, Salz, geselchtem Fleisch, Osterlämmern aus Biskuit und Kren in der Kirche geweiht und wurden früher Kindern, Tauf- und Firmpaten sowie Dienstboten geschenkt. 

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So bekamen Mägde und Knechte in Mittelstetten nach einem Dokument von 1909 jeweils 15 Eier geschenkt. Wer seinen Anteil erhöhen wollte, konnte sich beim „Oarpecka“, bei dem zwei Kontrahenten die spitzen Seiten gegeneinanderstoßen, und beim „Oarwoagln“, dem Eierrollen, versuchen. Beschädigte Eier fallen an die Besitzer der Exemplare mit der härteren Schale. Längst abgeschafft als Feiertag ist der Osterdienstag, der früher einen Wirtshausbesuch rechtfertigte. Mit dem Weißen Sonntag eine Woche nach Ostern endete einst die Zeit des kirchlichen Tanzverbots. Bip