Anzeigen-Spezial

Foto: Daniel Funes Fuentes/Unsplash

Grüne Anleihen und Schuldscheine liegen im Trend, Anleger suchen teils verzweifelt nach Emittenten. Ausgerechnet die deutschen Firmen nutzen das bisher kaum, und versäumen ein Geschäft mit Signalwirkung.

Deutschland, das Land der Nachhaltigkeit: So präsentiert sich die Bundesrepublik schon länger nach außen und will als Vorreiter gesehen werden. Der Ausstieg aus der Atomenergie 2011 und die kurz darauf eingeläutete Energiewende haben viele beeindruckt. Doch das Bild der nachhaltigen Nation bröckelt. Deutschland wird die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens wohl kaum noch einhalten können. Aus dem Vorreiter ist ein Mitläufer geworden.

Da passt es, dass ausgerechnet die deutschen Unternehmen, ausgerechnet Made in Germany, bei der Finanzierung alles andere als nachhaltig unterwegs sind – und damit womöglich große Chancen verpassen. Denn grüne und nachhaltige Geldanlagen, die einstige Nische in der Unternehmensfinanzierung oder Vermögensverwaltung, kommt immer mehr im Mainstream an – und lockt Investorengelder en masse.

Foto: Markus Spiske/Unsplash

Green Bonds sind das Mittel der Wahl bei fortschrittlichen Unternehmen und institutionellen Investoren. 2017 flossen dem Analysehaus Bloomberg zufolge allein 155 Milliarden Euro in grüne Anleihen, der gesamte Markt hat mittlerweile ein Volumen von 221 Milliarden Euro. Hinzu kommen 674 Milliarden Euro in Bonds, die zwar die Charakteristika einer grünen Anleihe erfüllen, aber nicht als solche gekennzeichnet waren. Daneben etablieren sich seit einiger Zeit auch soziale und nachhaltige Anleihen, sowie Green Loans und Green Asset Backed Securities. „Der Marktanteil ist derzeit immer noch sehr gering, aber ein Blick auf die Wachstumsraten zeigt: Der Markt wächst rasant“, sagt Robert Mandziara, Head of Sustainable Finance bei HSBC Deutschland.

Dass der Trend hin zu nachhaltiger Unternehmensfinanzierung kaum abreißen wird, zeigt eine HSBC-Umfrage. Zwei Drittel der Investoren gaben darin an, dass sie gern mehr Geld in nachhaltige Anlagen investieren würden. Doch Angebote aus Deutschland gibt es bisher kaum. Wie es laufen kann, zeigt hingegen das Ausland.

"Die großen institutionellen Kunden wie Versicherer und Asset Manager fragen immer stärker grüne Anlagen nach. Denn aus ihrer Sicht gehört der Klimawandel seit Jahren zu den Top-3 der globalen Risiken – und darauf möchten sie mit grünen Anlagen reagieren." Carola von Schmettow, CEO von HSBC Deutschland

Als erster Staat hat den gigantischen Markt vor mehr als zwei Jahren Polen entdeckt und am Kapitalmarkt erfolgreich mehrere Green Bonds platziert. Kurz darauf folgte die Volksrepublik China, die so oft wegen Umweltverschmutzung in die Kritik gerät. Banken platzierten dort grüne Anleihen in Höhe von neun Milliarden Euro. Schließlich preschte auch noch der französische Staat vor und platzierte für 7,5 Milliarden Euro Green Bonds an den Märkten. Nicht nur, dass das Nachbarland damit an Deutschland vorbeizog. Es sicherte sich auch noch besonders günstige Bedingungen, war die Anleihe doch glatt drei Mal überzeichnet. Wie kommt es also, dass Deutschland an sich und Unternehmen aus der Bundesrepublik im Besonderen so zurückhaltend sind?

Für viele Firmen lässt sich die Frage relativ einfach beantworten: Sie halten es aus finanzieller Sicht für unnötig. Noch immer sind günstige Bedingungen der wichtigste Faktor, sich Geld am Kapitalmarkt zu holen. Das Niedrigzinsumfeld der Europäischen Union und die brummende Weltwirtschaft aber schwemmen so viel Liquidität auf den Markt, dass die Finanzierung der Unternehmen kaum Probleme darstellt. Anleihen und Schuldscheine konnten in Massen am Markt platziert werden, oft waren sie überzeichnet und niedrig verzinst.

Foto: Aaron Burden/Unsplash

Hinzu kommen die Kosten und der bürokratische Aufwand, die es für Firmen mit sich bringt, einen nachhaltigen Bond auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen verpflichtet sich, die Entwicklungen und die positiven Auswirkungen regelmäßig offenzulegen. Diese jedoch zielgenau zu messen, ist nicht immer einfach. In Kombination führte das bisher dazu, dass der boomende Markt grüner Anleihen für deutsche Unternehmen kaum eine Rolle spielte. Das dürfte sich in den kommenden Monaten ändern.

„Ein möglicher Anstieg des Leitzinses in Europa, weitere Zinsanhebungen in den USA sowie Druck von Investoren und Banken, die im Falle einer verstärkten Regulierung ihre Finanzrisiken offenlegen müssten, können den nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeiten einen Schub geben“, erklärt Robert Mandziara, Sustainable-Finance-Experte bei HSBC. „Die Nachfrage nach Green Bonds ist so groß, dass die Platzierung häufig überzeichnet und breit gestreut ist“, sagt er. In einem zunehmend volatilen Marktumfeld könne nachhaltige Finanzierung für Unternehmen gerade langfristig interessant sein.

Aus der finanziellen Perspektive bringen die Papiere zwei oft unterschätzte Vorteile mit sich: Zum einen halten Investoren sie länger, und wenn sie sie am Sekundärmarkt verkaufen, ist die Nachfrage so groß, dass diese den Handel stützt. Zum anderen tauchen immer öfter klimapolitische Risiken auf – und immer öfter wird das auch zur Chefsache. Der Schwenk hin zu einer emissionsarmen Produktion, er wird von vielen mittlerweile als Chance auf Einsparungen in Milliardenhöhe und Risikominimierung gesehen.

"Der Klimawandel ist ein Game Changer der Finanzierung. Denn Unternehmen, die eine nachhaltige Strategie verfolgen, werden auf nicht allzu lange Sicht günstiger an Geld kommen als Firmen, die sich nicht auf den Weg in eine klimaschonende Zukunft begeben." Carola von Schmettow, CEO von HSBC Deutschland

Wer hingegen jetzt reagiert, profitiert zusätzlich von einer extrem positiven Signalwirkung. Unternehmen können sich so nachhaltig nach außen präsentieren und geben damit Investoren, Zulieferern und Kunden das Zeichen, dass die Firma modern denkt und sich langfristig für die Zukunft aufgestellt hat. „So eine Signalwirkung fällt natürlich weg, wenn nachhaltige Anleihen zum Standard geworden sind“, erklärt Robert Mandziara, HSBC-Experte. Nicht zuletzt wenn die Europäische Kommission ihren Action­Plan für ein nachhaltiges Finanzwesen umsetzt, könnte das eher früher als später passieren. Denn sie will die Finanzindustrie viel stärker als bisher in die Verantwortung nehmen. Einen ersten Gesetzesentwurf dazu gibt es bereits.

Die positive Ausstrahlung ist allerdings nicht nur ein Vorteil, wenn es um den Finanzmarkt oder Kunden geht, sondern kann auch im Kampf um junge Talente entscheidend sein. Denn Nachhaltigkeit ist für top ausgebildete, zukünftige Führungskräfte zusehends ein Herzensthema. Sie können sich damit besser identifizieren als noch die Generationen vor ihnen. Hinzu komme die Wirkung im bereits bestehenden Mitarbeiterstamm. Dort kann ein stärkeres Engagement in Nachhaltigkeit sogar zu einer Steigerung der Produktivität führen.

Eine Content Marketing Lösung von SZ BrandStudio für HSBC.

Erfahren Sie mehr rund um das Thema Nachhaltigkeit

Diese Begriffe müssen Sie kennen

TCFD, GBP, ESG: Bei nachhaltigen Finanzen geht so manches durcheinander. Mit diesem Glossar behalten Sie den Überblick.

Weiterlesen

Sustainable Investment

Der Klimawandel hat das Potenzial, Vermögen zu gefährden. Deshalb zählt er für institutionelle Investoren und Großanleger zu den größten globalen Risiken. Darauf möchten sie mit nachhaltigen Anlagen reagieren. Optionen gibt es immer mehr auf dem Markt, doch oft zu wenige Standards.

Weiterlesen

Regulatorik

Neue Regularien verändern grundlegend, wie Investoren in Europa anlegen und Unternehmen sich nachhaltig finanzieren können. Das sollte Unternehmen und Investoren aufhorchen lassen.

Weiterlesen

Zur Übersichtsseite

Datenschutz