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GAIA-X

Große Erwartungen an das GAIA-X Ökosystem

17. Mai 2021 - 6 Min. Lesezeit

Europa wünscht sich mehr Souveränität und Sicherheit für den Umgang mit sensiblen Daten. Die Initiative GAIA-X soll einlösen, was Unternehmen bei den großen Cloud-Anbietern vermissen. Kann die EU-Alternative das Versprechen einlösen?

Die Digitalisierung treibt die Menge an Daten in astronomische Höhen. Alle zwei Tage entstehen weltweit mehr davon als in der gesamten Menschheitsgeschichte bis zum Jahr 2003. Sie zu speichern, zu verwalten zu analysieren und auszutauschen, geht nur mithilfe der Cloud. Deren Kapazitäten wachsen unaufhörlich, doch europäische Unternehmen zögern bei der Fremdvergabe von Datendiensten. Laut einer Studie von Roland Berger sind gerade einmal 26 Prozent der EU-Unternehmen bereit, unternehmenskritische Aufgaben in die Cloud zu verlegen. „Ein wesentlicher Grund dafür ist die Furcht vor dem Verlust ihrer Datenhoheit“, sagt Klaus Ottradovetz vom Digitalisierungsunternehmen Atos. Denn die führenden Infrastruktur- und Plattformdienste aus Übersee, die sie dringend für neue Geschäftsmodelle brauchen, sind nicht neutral gestaltet.

Den wichtigen Cloud-Markt dominieren derzeit Anbieter aus den USA und China, wie Amazon, Google, Microsoft und Alibaba. Es soll eine ergänzende europäische Lösung für mehr Datensouveränität her, und die ist bereits auf dem Weg.

Bis dahin rät Cloud-Experte Ottradovetz Unternehmen zu einer Hybridstrategie. Mit einer Mischung aus lokalen Rechenkapazitäten und sorgfältig ausgewählten Cloud-Diensten ließen sich Datenschutz, Leistung und Skalierbarkeit für den Übergang gut unter einen Hut bringen.

GAIA-X: Europas Weg zur Datensouveränität

Auch wenn Europa in Sachen Cloud den Kampf um die Vorherrschaft im Endverbrauchergeschäft verloren hat: Im zwischenbetrieblichen B2B-Bereich könne man noch immer eine führende Rolle spielen, sagt Ottradovetz. Das müsse man auch, denn die Datenökonomie sei der Wirtschaftsmotor der Zukunft. Als Grundlage dafür arbeiten derzeit Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit vielen europäischen Partnern an einer geeigneten Dateninfrastruktur. Sie trägt den Namen GAIA-X, benannt nach der griechischen Göttin Gaia – der „Gebärerin“ und personifizierten Erde, die aus dem Chaos entstand.

GAIA-X startete 2019 als deutsch-französische Initiative für eine vertrauenswürdige und souveräne digitale Infrastruktur auf Basis europäischer Regeln. Mittlerweile hat sich das Projekt zu einer Bewegung mit über 200 Mitgliedern entwickelt. Das gemeinsame Ziel: eine Umgebung schaffen, in der private und öffentliche Organisationen Daten unter der jeweiligen Kontrolle von Dateneigentümern und -nutzern teilen und speichern können. Zugleich sollen einheitliche und verbindliche Methoden sicherstellen, dass sich Daten und Dienste leicht verfügbar machen, zusammenstellen und gegen andere austauschen lassen. Die drei damit verwirklichten Prinzipien der Interoperabilität, Portabilität und Reversibilität sollen den europäischen Branchen und Unternehmen helfen, sich ungehindert zu entwickeln, zu wachsen und besser im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Reguliert wird die neue Cloud-Initiative von der Europäischen Vereinigung für Daten und Cloud, einem internationalen gemeinnützigen Verein nach belgischem Recht. Unter den 22 Gründungsmitgliedern der GAIA-X AISBL („Association Internationale Sans But Lucratif“, Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht) nimmt Atos eine bedeutende Rolle ein. Der globale Digitalisierungsdienstleister mit Hauptsitz in Bezons bei Paris bringt sein langjähriges Fachwissen und seine Erfahrung im Bereich des Cloud Computing in die Initiative ein. Aktuell ist Atos unter anderem im Board of Directors vertreten und beteiligt sich an der Ausgestaltung branchenspezifischer „Data Spaces“, darunter Industrie 4.0, Gesundheit, Energie, Mobilität und Finanzen.

Wachstum ohne Lock-In

Leistungs- und wettbewerbsfähig, sicher und vertrauenswürdig: mit diesen Eigenschaften soll die neue europäische Dateninfrastruktur europäische Branchen und Unternehmen jeder Größe mit datengesteuerten Geschäftsmodellen und Lösungen im globalen Wettbewerb unterstützen, ohne dass diese einen „Vendor Lock-In“ riskieren, sprich: in Abhängigkeit von ihren Cloud-Partnern zu geraten.

GAIA-X sei auch deswegen einzigartig, weil es alle notwendigen Elemente von der Wurzel bis zur Spitze gemeinsam angehe, sagt Atos-Experte Ottradovetz von der Angleichung der technischen Standards und Dienste für Interoperabilität und Portabilität über föderierte Vertrauens- und Souveränitätsdienste bis hin zu regelkonformen Ontologien, Programmierschnittstellen und Technologiestandards. All dies werde zudem als Open Source bereitgestellt, so dass die Mitglieder sämtliche Dienste teilen und wiederverwenden können.

Tritt GAIA-X damit in Konkurrenz zu den Cloud-Schwergewichten aus den USA und China, den sogenannten „Hyperscalern“? Atos-Experte Ottradovetz verneint: „Die europäische Cloud-Initiative bietet lediglich einen Rahmen für regelkonforme Angebote. Die Hyperscaler können wie jedes andere Mitglied an GAIA-X partizipieren, und tun dies auch.“ Tatsächlich finden sich unter den über 200 Mitgliedern unter anderem auch Google, AWS und Alibaba.

Geht die Rechnung auf?

Die erste Mitgliederversammlung der GAIA-X-Vereinigung fand im Juni 2021 statt. Neben der Wahl des offiziellen Führungsgremiums soll der Fahrplan konkretisiert werden. Bis Ende des Jahres sollen erste Anwendungsfälle umgesetzt und konforme Cloud-Angebote von verschiedenen Anbietern erhältlich sein. Schon heute können sich Unternehmen kostenfrei an sieben nationalen GAIA-X Hubs beteiligen und an der Gestaltung der branchenspezifischen Datenräume mitwirken.

Im Vergleich zu den etablierten Bausteinen der Hyperscaler werde das Angebot anfangs noch nicht so integriert sein, verrät Klaus Ottradovetz. Die Firmen können aber bereits aus einem Katalog an miteinander kompatiblen Cloud-Services auswählen statt wie bisher mit jedem einzelnen Partner individuelle Verträge schließen zu müssen.

Wird sich die neue europäische Dateninfrastruktur durchsetzen? Klaus Ottradovetz ist fest davon überzeugt. GAIA-X sei alternativlos und eine historische Chance, die datenseitigen Herausforderungen Europas zu adressieren. Dass dieses Vorhaben nur mit einer gemeinsam im Zuge einer paneuropäischen Anstrengung gelingen kann, liegt auf der Hand. Jetzt sind die Unternehmen am Zug. Sie müssen die Weichen stellen: für den Übergang auf das europäische Cloud-Ökosystem und damit für eine sichere Grundlage für ihre neuen, datenbasierten Geschäftsmodelle.

Atos ist ein weltweit führender Anbieter für die digitale Transformation mit über 110.000 Mitarbeitern in 73 Ländern und einem Jahresumsatz von mehr als 12 Milliarden Euro. Als europäischer Marktführer für Cloud, Cybersecurity und High Performance Computing bietet die Atos Gruppe ganzheitliche Lösungen für Orchestrated Hybrid Cloud, Big Data, Business-Anwendungen und Digital Workplace. Der Konzern ist der weltweite Informationstechnologie-Partner der Olympischen und Paralympischen Spiele und firmiert unter den Marken Atos, Atos|Syntel und Unify. Atos ist eine SE (Societas Europaea) und an der Pariser Börse als eine der 40 führenden französischen Aktiengesellschaften (CAC40) notiert. Das Ziel von Atos ist es, die Zukunft der Informationstechnologie mitzugestalten. Atos Fachwissen und Services fördern Wissensentwicklung, Bildung sowie Forschung in einer multikulturellen Welt und tragen zu wissenschaftlicher und technologischer Exzellenz bei. Weltweit ermöglicht die Atos Gruppe ihren Kunden und Mitarbeitern sowie der Gesellschaft insgesamt, in einem sicheren Informationsraum nachhaltig zu leben, zu arbeiten und sich zu entwickeln.